Muttental

Witten: Besucher vermüllen in Coronazeiten das Muttental

Die Herbeder Karl Ackermann (li.) und Hermann Dede pflegen nicht nur ehrenamtlich die Bergbau-Relikte des Muttentals in Witten. Die ehemaligen Bergleute betätigen sich dort auch noch als Müllsammler. Ackermann: „Seit Corona ist das schlimm.“

Die Herbeder Karl Ackermann (li.) und Hermann Dede pflegen nicht nur ehrenamtlich die Bergbau-Relikte des Muttentals in Witten. Die ehemaligen Bergleute betätigen sich dort auch noch als Müllsammler. Ackermann: „Seit Corona ist das schlimm.“

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Witten.  Von Flaschen bis zu Windeln wird im Muttental alles entsorgt, sagen die, die den Müll einsammeln. Die Stadt Witten kümmere sich nicht.

Heinz Eberle vom Zechenhaus Herberholz im Muttental ist sauer, auch Hannsjörg Frank von der Arbeitsgemeinschaft Muttenthalbahn. Zwei, die sich im und für das bergbauhistorische Naherholungsgebiet engagieren, und nur den Kopf darüber schütteln können, wie Ausflügler mit der Natur im Tal umgehen. In den letzten Corona-Monaten, in denen viele mit dem Rad oder zu Fuß die Schönheiten vor der Haustür erkunden, wird eines der attraktivsten Ziele in Witten von seinen Besuchern verdreckt.

Hannsjörg Frank nimmt kein Blatt vor den Mund. Im Wäldchen zwischen dem Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia und dem großen Parkplatz an der Nachtigallstraße würden Muttentalbesucher sogar ihre Notdurft verrichten. Und dies sei durchaus ein Problem, weil es danach übel rieche. Frank, der auch mehrmals wöchentlich überquellende Mülleimer am Zechengelände und am Parkplatz leert: „Es stinkt!“

Leute verrichten ihre Notdurft sogar auf den Sitzbänken im Muttental in Witten

Auch Heinz Eberle vom Zechenhaus Herberholz und dem Wittener Arbeitskreis des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier stinkt’s. „Sogar Schnapsflaschen werden im Wald entsorgt.“ An deren Scherben könnten sich auch Tiere verletzen, sagt Eberle. Karl Ackermann (71) und Hermann Dede (72), ebenfalls Mitglieder des Arbeitskreises, nicken. Die ehemaligen Kumpel sind die guten Seelen des Muttentals. Seit vielen Jahren sorgen die beiden ehrenamtlich dafür, dass die Bergbaurelikte am neun Kilometer langen Bergbaulehrpfad gepflegt und in Ordnung sind.

Was die früheren Bergleute gleich ehrenamtlich mit erledigen: Sie sammeln Müll ein, den Spaziergänger, Radfahrer oder Jugendliche in Partylaune im Tal hinterlassen haben. „Da finden man fast alles“, sagt Ackermann. „Sogar Pampas für Erwachsene.“ Er fügt hinzu: „Die Leute scheiß… im Muttental sogar auf die Sitzbänke.“ Unglaublich findet er das. „Die Leute sind echt doof.“

Verein: „Wir sehen uns außerstande, hier für die nötige Sauberkeit zu sorgen“

Hans-Werner Lux, Vorsitzender des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten, hat sich im Mai, Juni und im August in drei Briefen an Sonja Leidemann gewandt. Auch ihm liegen saubere Wander- und Lehrpfade im historischen Bergbaugebiet Mutten- und Hardensteinertal am Herzen. Deshalb setzte er die Bürgermeisterin in seinen Schreiben davon in Kenntnis, dass sein Verein selbst Müllbehälter aufgestellt habe, die von den Ehrenamtlichen geleert werden.

Durch die steigenden Besucherzahlen im Tal würden die Wege und Bergbau-Objekte mit Unrat, Papier, Plastiktellern und -tüten und auch mit menschlichen Fäkalien zugemüllt werden, schrieb Lux. Und weiter: „Wir sehen uns bei der jetzigen Situation außerstande, hier für die nötige Sauberkeit zu sorgen.“ Die Bitte: Die Stadt möge für weitere Abfalleimer an den Wegen sorgen. Eine Antwort auf seine Anschreiben habe er von der Bürgermeisterin nicht bekommen, so der Vereinsvorsitzende.

Tochter des Waldbesitzers fühlt sich von der Stadt mit Problemen alleingelassen

Sandra Oberste-Frielinghaus, deren Vater unter anderem der Privatwald im Muttental, aber auch das Bethaus und die Burgruine Hardenstein gehören, klagt über mangelndes Engagement der Stadt im Muttental. Zwar werde seitens des Stadtmarketings immer mit dem schönen Tal und dessen Bergbaugeschichte geworben. Dabei bleibe es dann aber auch. Auf eigene Initiative hin haben die 49-Jährige und ihr Mann zehn Schilder für das Muttental anfertigen lassen. Oberste-Frielinghaus: „Ich habe den Text dafür geschrieben.“ „Danke Dir“ steht auf den Tafeln, die Tiere zeigen, die an den Stellen leben, an denen die Schilder stehen.

Ein Uhu, ein Salamander und ein Fasan, zum Beispiel, sind zu sehen. Mit ihrem Text bittet Sandra Oberste-Frielinghaus die Muttental-Besucher, der Natur zuliebe nur auf den Wegen unterwegs zu sein, keinen Müll zu hinterlassen, kein Feuer anzuzünden. Weil all dies im Wald geschieht, wie sie sagt. In lauen Sommernächten sei auch nachts an der Ruine Hardenstein „die Hölle los“. Oberste-Frielinghaus: „Man fühlt sich von der Stadt mit den Problemen alleingelassen.“

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