Gesundheit

Witten: Arzt schreibt Buch über die Tabuzone Po

Erkrankungen unterhalb der Gürtellinie behalten Betroffene oft für sich. Ein früher Arztbesuch könnte so manches Leiden rund um den Po schnell lindern oder beseitigen. Ein Uni-Dozent aus Witten hat jetzt ein Buch über die Tabuzone geschrieben.

Erkrankungen unterhalb der Gürtellinie behalten Betroffene oft für sich. Ein früher Arztbesuch könnte so manches Leiden rund um den Po schnell lindern oder beseitigen. Ein Uni-Dozent aus Witten hat jetzt ein Buch über die Tabuzone geschrieben.

Foto: Getty

Witten.  Erkrankungen im Po-Bereich werden oft schamhaft verschwiegen, auch Ärzten gegenüber. Dies will ein Mediziner der Uni Witten/Herdecke ändern.

In einer Zeit, in der öffentlich über fast alles gesprochen wird, ist es erstaunlich: Der Po-Bereich des Menschen ist offenbar immer noch eine Tabuzone. Diese Erfahrung jedenfalls macht der Mediziner Dr. Peter Ambe. Weil Menschen mit Erkrankungen unterhalb der Gürtellinie oft aus Scham den Arztbesuch scheuen, hat der Darmspezialist (Proktologe) und Viszeralchirurg einen Patientenratgeber geschrieben. Titel: „Wenn der Po Hilfe braucht.“

Der Dozent am Lehrstuhl Chirurgie II der Uni Witten/Herdecke klärt in seinem Buch über Beschwerden „da unten“ auf, in einer für jeden verständlichen Sprache. Der Klinikarzt möchte Themen wie Inkontinenz und Verstopfung, Hämorrhoiden oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen aus der Tabuzone holen – weil früh erkannte Krankheiten im Po-Bereich meist gut zu behandeln sind, wie der 43-Jährige betont. Er weiß: „Viele dieser Patienten leiden sehr und haben zum Teil eine miserable Lebensqualität.“

Dozent aus Witten: „Kommt ein Patient früh, kann man ihm mit einer Verödung helfen“

Eine Aufklärung über Krankheiten, die niemandem peinlich sein sollten, tue not, findet Ambe. Er gibt ein Beispiel: „Gut 70 Prozent der Erwachsenen leiden unter Hämorrhoiden.“ Diese machten sich im ersten Krankheitsstadium zunächst durch einen Juckreiz und/oder Blut bemerkbar. Werde dagegen nichts unternommen, nehmen die Beschwerden zu, bis die eigentlich inneren Hämorrhoiden äußerlich zu sehen sind. In einem solchen Fall komme ein Patient um eine OP wahrscheinlich nicht herum. „Kommt ein Patient früh mit einem Hämorrhoidalleiden, kann man ihm mit einer Verödung helfen, ein ambulanter, kurzer Eingriff.“

Auch eine Stuhl-Inkontinenz sei etwas, über das Betroffene gerne schamhaft schweigen würden, weiß der Arzt. Davon könnten zum Beispiel Frauen betroffen sein, die entbunden haben und hierbei einen Dammschnitt oder Dammriss hatten. „Wird dies nicht richtig behandelt, kann es später im Alter zu einer Stuhl-Inkontinenz kommen“, warnt der Mediziner. Bemerkbar mache sich das Problem in einem frühen Stadium dadurch, dass man einen „Pups“ nicht willentlich unterdrücken könne. Ein Fall für den Doktor. Peter Ambe empfiehlt Betroffenen auch immer ein Beckenboden-Training. „Das kann eine Inkontinenz deutlich verbessern, sogar so, dass keine weitere Therapie notwendig ist.“

„Wird der Mensch träge, wird auch der Darm träge“

Ein Leiden überwiegend älterer Menschen sei eine chronische Verstopfung, weiß Darm-Spezialist Ambe. Der warnt: „Wird der Mensch träge, wird auch der Darm träge.“ Sitze jemand häufig länger auf der Toilette, als ihm lieb sei, und müsse der Stuhlgang durch Pressen beschleunigt werden, sei dies auch ein Fall für den Arzt. Der müsse zunächst den Ursachen für das Problem auf den Grund gehen. „Eine chronische Verstopfung kann schon entstehen, wenn ein älterer Mensch nicht ausreichend trinkt.“

Medikamente könnten zu einer Verstopfung führen, ebenso eine Schilddrüsen-Unterfunktion. Auch Darmkrebs könne durch eine chronische Verstopfung auf sich aufmerksam machen. Peter Ambe: „Die Liste der Ursachen ist lang.“ Daher sollten Betroffene nicht einfach zu Abführmitteln greifen, sondern sich einem Mediziner anvertrauen. Ambe: „Ich möchte den Menschen mit meinem Ratgeber die Angst vor dem Arztbesuch nehmen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben