Fallzahlen

Witten: Amtsärztin erwartet mehr stationäre Corona-Patienten

Zwei Arzthelferinnen bei der Patienten-Aufnahme im Corona-Behandlungszentrum auf dem Gelände des EvK in Witten. 

Zwei Arzthelferinnen bei der Patienten-Aufnahme im Corona-Behandlungszentrum auf dem Gelände des EvK in Witten. 

Foto: Privat

Witten  Corona-Infektionen haben sich in Witten in zwei Wochen versechsfacht. Auch jüngere Patienten sind betroffen. Wie Mediziner die Lage einschätzen.

Innerhalb von 14 Tagen hat sich die Zahl der nachgewiesenen Sars-CoV-2-Infektionen in Witten versechsfacht. Aktuell (Stand 30.03.) sind es in Witten 36 bestätigte Fälle, vor einer Woche waren es 21, vor zwei Wochen nur sechs Corona-Fälle. Und in den kommenden Wochen werden immer mehr Infizierte dazu kommen, sagt Amtsärztin Dr. Sabine Klinke-Rehbein. Die Frage sei nur, wie schnell und wie stark die Zahlen steigen.

Die Entwicklung im Kreis ist dabei ähnlich wie in Witten: Von 21 bestätigten Covid-19-Fällen am 16. März über 83 Fälle am Montag vor einer Woche hin zu jetzt 146 Infektionen hat sich die Zahl der Corona-Fälle im gesamten Kreisgebiet fast versiebenfacht. Acht Menschen werden aktuell im Krankenhaus behandelt.

Corona-Fallzahlen werden auch in Witten in den kommenden Wochen weiter ansteigen

Eine Prognose über den weiteren Verlauf abzugeben, sei immer schwierig und zum Teil Spekulation, so Klinke-Rehbein. Bei ihrer Einschätzung der Lage orientiert sich die Medizinerin an der Risikobewertung des Robert-Koch-Instituts. Dieses stuft die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung derzeit als hoch ein, für Risikogruppen als sehr hoch.

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus in Witten in unserem Newsblog

"Ich rechne in den kommenden zwei Wochen damit, dass wir mehr Menschen stationär behandeln werden müssen und dass auch mehr Patienten eine intensivmedizinische Versorgung brauchen werden", so die Amtsärztin. Auch werde die Zahl der jüngeren Patienten mit schwereren Verläufen vermutlich ansteigen.

Behandlungszentrum in Witten rechnet mit mehr Corona-Patienten

Ähnlich sieht das Arne Meinshausen. Der Allgemeinmediziner koordiniert die Schichten im Wittener Corona-Behandlungszentrum, das am vergangenen Donnerstag seine Türen geöffnet hat. In den Räumen der Psychiatrischen Tagesklinik werden seitdem am Tag rund 30 Patienten mit Covid-19 oder Verdacht darauf behandelt und Abstriche gemacht. "Wir rechnen mit einem weiteren Anstieg", sagt der 62-Jährige.

Darum arbeiten seit Montag nun auch jeweils zwei Ärzte und drei Arzthelferinnen an der Pferdebachstraße, zu Beginn waren es nur ein Arzt und zwei Helferinnen. Im Schnitt sei bei acht Abstrichen, die im Corona-Zentrum gemacht werden, einer positiv, so Meinshausen. Pro Tag müssten ein bis zwei Fälle direkt in eines der umliegenden Krankenhäuser überwiesen werden, weil der Verlauf der Krankheit so schwerwiegend sei.

Auch jüngere Patienten mit schwereren Symptomen in Witten

So wie am Freitag bei einer 80-jährigen Covid-19-Patientin. Die Seniorin war bereits positiv getestet und kam ins Behandlungszentrum, weil sie sich allgemein schwach fühlte. "Sie hatte nicht einmal Husten", sagt Meinshausen, und nur "leichtes Fieber". Bei der Untersuchung wurde dann aber eine beidseitige Lungenentzündung festgestellt und die Rentnerin umgehend ins Krankenhaus gebracht.

Aber auch jüngere Patienten werden an der Pferdebachstraße vorstellig. So etwa eine 25-Jährige, die aus England zurückgekehrt war und über Husten und Fieber klagte. Auch ihr Abstrich war positiv. Oder ein 45-Jähriger mit Lungenentzündung, der sich - engmaschig kontrolliert - zuhause auskurieren kann.

80 Prozent aller Infektionen bei 20- bis 60-Jährigen

Etwa 80 Prozent aller bestätigten Infektionen im Bereich der Geschäftsstelle Bochum der Kassenärztlichen Vereinigung seien bei 20- bis 60-Jährigen festgestellt worden, so Meinshausen. Zu dieser Geschäftsstelle gehören auch der EN-Kreis sowie Herne und Hagen. Auch in dieser Altersgruppe sei es nicht ungewöhnlich, dass sich die Infektion mit mittelschweren Symptomen zeige, vergleichbar mit einer heftig verlaufenden Grippe - und sich über einen Zeitraum von zehn bis 14 Tagen ziehe.

Insgesamt sei der EN-Kreis und allgemein das südliche Ruhrgebiet bislang aber recht glimpflich davongekommen. "Wir hatten großes Glück", so Meinshausen. "Denn bei uns war die Infektionsrate vor dem Kontaktverbot recht niedrig." Deshalb sei er "relativ optimistisch", dass bei uns der exponentielle Anstieg niedrig gehalten werden kann und "wir zumindest keine italienischen oder spanischen Verhältnisse erleben werden." Voraussetzung dafür: "Dass wir zusammenhalten und so weitermachen wie bisher."

>>Info:

Nachdem das Robert Koch Institut seine Kriterien für einen Abstrich geändert hat, kann nun generell jeder Patient mit stärkeren Symptomen einen Abstrich erhalten.

Risikopatienten, also ältere Mitbürger und Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch Personen in systemrelevanten Berufen wie medizinisches Personal sollen theoretisch auch bereits bei leichteren Symptomen auf Corona getestet werden.

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