Alpentour

Witten: AHE-Chef überquert mit dem Mountainbike die Alpen

Auch das Wetter spielte mit: Johannes Einig aus Witten (2. von li.) mit seiner Mountainbike-Gruppe hoch über dem Reschensee in Südtirol.   

Auch das Wetter spielte mit: Johannes Einig aus Witten (2. von li.) mit seiner Mountainbike-Gruppe hoch über dem Reschensee in Südtirol.  

Foto: Johannes Einig

Witten.  Johannes Einig (37) aus Witten hat zum dritten Mal an einem Alpencross teilgenommen. Dieses Mal ging es von Bayern zum Gardasee in Italien.

Er hat es geschafft. Schon zum dritten Mal. Es habe ihn körperlich an seine Grenzen gebracht, aber „mental“ erholt, sagt er. Johannes Einig hat mit seinem Mountainbike die Alpen überquert. Er ist von Garmisch-Partenkirchen bis zum Gardasee in Italien geradelt. Im normalen Leben ist der Wittener Geschäftsführer des Wetteraner Entsorgungsunternehmens AHE, Mountainbiken ist sein Hobby.

Der Familienvater war nicht alleine unterwegs. Mit einem Freund hat er das Abenteuer im Sattel bei einem darauf spezialisierten Veranstalter samt Guide, also Führer, gebucht. Zwölf Männer gingen gemeinsam auf eine fünftägige strapaziöse Tour. Deutsche und Schweizer, die sich vorher nicht kannten. Nicht alle kamen am Ziel, dem Gardasee, an. Vier Männer gaben unterwegs auf. „Der Erste hat nach zwei Tagen die Reißleine gezogen“, sagt Einig, der mit 37 Jahren der Jüngste beim Alpencross war. „Der älteste Teilnehmer war Mitte 50. Er kam am Gardasee an.“

Bei einer Alpenüberquerung geht es Tag für Tag hoch und runter, sagt der Mountainbiker aus Witten

Wenn Johannes Einig von diesem ungewöhnlichen Urlaub spricht, der gerade wenige Tage zurückliegt, gerät er ins Schwärmen. „Auf der Tour gab es wahnsinnige Eindrücke – das Zugspitzmassiv, der Reschensee in Südtirol, das Ortler-Panorama, die Apfelplantagen im Vinschgau.“ Dies sei alles wie eine Mega-Diashow gewesen, „nur besser, es war alles live!“

Am ersten Tag radelte die Gruppe von Grainau bei Garmisch-Partenkirchen im Schatten der Zugspitze vorbei am Eibsee nach Ehrwald, dem größten Ort der Tiroler Zugspitz-Arena. Über das Marienbergjoch ging es nach Imst im Inntal. Die täglichen Etappen in Richtung Gardasee lagen im Schnitt bei 80 Kilometern. Eine Strecke, die im Flachland zu schaffen ist, auch für sportlich eher mittelprächtig Talentierte. Bei der Alpenüberquerung aber habe man täglich rund 2000 Höhenmeter erradelt. Einig: „Da geht es Tag für Tag hoch und runter.“ Der dreifache Vater zählt zu denen, die gerne einen Berg hochfahren.

Witten, Wetter und Herdecke bieten für Mountainbiker reizvolle Strecken

Der Wittener hat sich zuhause auf die Tour vorbereitet. Witten, Wetter und Herdecke bieten für Mountainbiker reizvolle Strecken. „In den letzten Wochen vor dem Start war ich schon dreimal in der Woche mit dem Rad unterwegs. Sonst schafft man so eine Alpentour körperlich nicht“, sagt Johannes Einig.

Beim anstrengenden Alpencross, bei dem das Gepäck der Teilnehmer immer zu den jeweiligen Etappen-Hotels transportiert wurde, sei es auch wichtig gewesen, viel zu trinken. Beinahe vier Liter Wasser hatte der 37-Jährige täglich mit auf seinem Rad. Richtig gegessen wurde abends im Hotel. „Ich war immer hungrig wie ein Bär.“ Gegen 21 Uhr gingen die Alpenüberquerer zu Bett. „Wir wussten abends, was wir getan hatten, und morgens sind wir schon um 8 Uhr aufgebrochen.“

Am zweiten Tourentag ging es vom Ort Imst in Tirol über die Fließer Platte bis nach Nauders am Reschenpass. Einig: „Oberhalb des Passes fuhren wir am dritten Tag auf einem Panoramatrail über die italienische Grenze.“ Am Reschensee entlang ging es weiter nach Glurns, das mit seinen rund 900 Einwohnern eines der kleinsten Orte der Alpen ist. Weiter ging es durch Obstplantagen und versteckte schmale Pfade bis nach Meran. Am letzten Tag überquerte die Gruppe den Gampenpass im Südtiroler Etschtal. Am Fuß der Brenta-Dolomiten fuhr die Gruppe auf spektakulären Trails weiter Richtung Gardasee.

Am Ziel angekommen, gönnten sich die Mountainbiker ein Bad im Gardasee

Rund 490 Kilometer hatten die Mountainbiker im Sattel zurückgelegt, als sie nach einer „genialen Abfahrt“ am Gardasee ankamen – „direkt im Hafen von Riva del Garda“. Die acht Radfahrer, die bis dahin durchgehalten hatten, gönnten sich sofort ein Bad im See. Johannes Einig: „Danach gab es ein Eis!“

Dass vier Männer die Alpenüberquerung abbrachen, habe nicht etwa an einer mangelnden Vorbereitung gelegen, betont er. Täglich weiterzumachen, auch wenn man immer wieder seinen inneren Schweinehund überwinden müsse, sei am Ende eine Kopfsache. „Man muss ankommen wollen.“

Vom Gardasee aus fuhren Einig und sein Freund, der mit ihm die Alpen überquerte, in einem Bus zurück nach Garmisch-Partenkirchen. „Dort hatten wir unser Auto geparkt.“ Der Alpencross habe nicht seinen Körper, sondern seinen Geist entspannt, sagt der 37-Jährige. Es war nicht die letzte spektakuläre Mountainbiketour, die er unternommen hat.

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