Stadtteil-Serie

Witten: Älter, bunter und wieder weniger

Foto: Hans Blossey

Witten.  Witten ist unter 99 000 Einwohner gerutscht. Die Stadtteile entwickeln sich unterschiedlich. Wir stellen sie in einer neuen Serie einzeln vor.

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Witten schrumpft wieder. Nach 99 022 Einwohnern im Dezember hat die städtische Meldebehörde Ende Juni genau 98 850 Wittenerinnen und Wittener gezählt – 172 Seelen weniger. In einer Serie zeigen wir, wie unterschiedlich sich die einzelnen Stadtteile entwickeln (alle Folgen finden Sie am Ende des Artikels).

Das zarte Bevölkerungswachstum, das 2014 eingesetzt hatte (nach dem Tiefpunkt 2013 mit 97 826 Bürgern) scheint vorerst gestoppt und die Großstadt-Marke von 100 000 Einwohner damit wieder in weitere Ferne gerückt. Stadt-Statistiker Gerd Germakowsky warnt indes vor voreiligen Schlüssen. „Das ist nur eine Momentaufnahme. Das kann sich alles sehr schnell wieder ändern.“

Neue Statistikstelle hat Daten veröffentlicht

Wie sich Witten hingegen in den letzten zehn Jahren entwickelt hat und vor allem, welche strukturellen Unterschiede sich dabei in den Stadtteilen verfestigen, darüber informiert die neue Veröffentlichung „Stadtteilprofile Witten 2017“.

Die städtische Statistikstelle hat eine Fülle von Daten aus den Bereichen Bevölkerung, Flächennutzung, Arbeitsmarkt und Soziales zusammengestellt, aus der Stadtplaner, Politiker und interessierte Bürger schöpfen können – und sollten.

Die markantesten Daten für ganz Witten: Während die Gesamtbevölkerung von 2006 bis 2016 (Stichtag 31. 12.) von 101 051 auf 99 022 Köpfe um zwei Prozent zurückging, stieg die Zahl der Ausländer von 8285 auf 11 202 – eine Zunahme um 35 Prozent.

Wirtschaftlich geht es aufwärts

Gleichzeitig ging es wirtschaftlich aufwärts. Die Arbeitslosenzahl sank um 15,6 Prozent auf noch 4035 Betroffene. Weil weiter gebaut wurde, stieg die Wohnfläche je Einwohner von 39 auf 41 Quadratmeter im Schnitt. Weiterer Trend: Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte erhöhte sich um 15 Prozent, die der Haushalte mit Kindern ging um 13 Prozent zurück.

Das Durchschnittsalter erhöhte sich in den letzten zehn Jahren leicht – um 3,2 Prozent auf jetzt 45,3 Jahre. Dahinter verbergen sich aber massive Verschiebungen.

Während die Gesamtbevölkerung um zwei Prozent zurückging, stieg die Zahl der Über-Achtzigjährigen um ein Viertel, die der 50- bis 65-Jährigen um 19 Prozent und die der 18- bis 30-Jährigen um fünf Prozent. Das lässt sich auf die höhere Lebenserwartung, die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre und die Flüchtlinge zurückführen.

In Witten leben wieder mehr Kinder

Während die übrigen Altersklassen starke Rückgänge verzeichneten, lässt aber auch das Plus von sieben Prozent bei den Null- bis Dreijährigen aufmerken. Nahe liegende Erklärungen für den Geburtenanstieg: Die Zuwanderer (EU-Migranten und Flüchtlinge) bekommen jetzt Kinder – und die geburtenstarken Jahrgänge Enkel.

Unterm Strich gilt für Witten also weiter, was schon seit Jahren gilt: Wir werden älter, bunter – und jetzt auch wieder ein paar weniger.

Ärmere und reichere Ortsteile

Die sieben Stadtteile entwickeln sich dabei zum Teil sehr uneinheitlich. In Rüdinghausen ist nur jedes fünfte Wohngebäude (20 Prozent) ein Mehrfamilienhaus – in Mitte sind es hingegen drei von fünf. Auch in Herbede, Bommern und Stockum liegt die Zahl der Eigenheime (Ein- und Zweifamilienhäuser) deutlich über dem städtischen Mittel. Da muss man nicht gleich von „reichen“ und „armen“ Stadtteilen sprechen, aber tendenziell steht das sicherlich für etwas mehr oder etwas weniger begütert.

Um soziale Verwerfungen früh zu erkennen und gegenzusteuern, müssen Verwaltung und Politik bestimmte Entwicklungen aufmerksam beobachten: In Mitte wohnen 35 Prozent aller Wittener, aber jeweils etwa die Hälfte der Ausländer und Arbeitslosen. In Stockum, Rüdinghausen, Bommern und Herbede sind diese Gruppen gemessen am Bevölkerungsanteil klar unterrepräsentiert.

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