Liebes-Serie

„Wir wollen eine gemeinsame Zukunft“

Emmanuel Asare aus Ghana und Anke Juraschka erzählen ihre Geschichte, um auf ihren bürokratischen Hürdenlauf aufmerksam zu machen.

Emmanuel Asare aus Ghana und Anke Juraschka erzählen ihre Geschichte, um auf ihren bürokratischen Hürdenlauf aufmerksam zu machen.

Foto: Barbara Zabka

Witten.   Anke Juraschka hat vor einem halben Jahr Emmanuel Asare geheiratet und ist mit ihm nach Witten zurückgekehrt. Nun kämpfen beide mit den Behörden.

Ihre Ehe ist noch jung. Die beiden sind heute auf den Tag genau ein halbes Jahr verheiratet. Doch Anke Juraschka und Emmanuel Asare haben wenig Zeit, ihr gemeinsames Glück zu genießen. Der Kampf mit den Behörden bestimmt derzeit ihren Alltag. Denn Emmanuel stammt aus Ghana und kam als Flüchtling nach Deutschland. „Wir werden hin und her geschickt“, klagt Anke Juraschka.

Zunächst lebte das Paar im Rhein-Sieg-Kreis. Im vergangenen Dezember ist die Wittenerin aber wieder mit ihrem Mann in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie wohnen bei ihren Eltern am Rande der Ruhrstadt. „Ich habe den Schutz meiner Familie gesucht“, sagt die 36-Jährige, die hier aufwuchs und in Dortmund Soziale Arbeit studierte. Lange war sie als selbstständige Autismus-Therapeutin tätig. Nun wolle sie sich umorientieren, eine Promotion sei ihr Ziel.

Kennengelernt haben sie sich in Köln

Kennengelernt hat sich das Paar in Köln. Zufällig sind sie sich dort im vergangenen Sommer über den Weg gelaufen und ins Gespräch gekommen. „Wir haben was zusammen getrunken und gegessen und sind am Rhein entlangspaziert“, erinnert sich Anke Juraschka. Dann habe Emmanuel sie zum Konzert eines Freundes eingeladen. „Es war ein glücklicher Anfang“, sagt der 21-Jährige, der sich schon einmal in eine Deutsche verliebt hatte – allerdings in Ghana.

In seiner Heimat habe er nur positive Erfahrungen mit Deutschen gemacht, sagt er. Weshalb er den langen Weg auf sich nahm: Fünf Jahre sei er in Europa unterwegs gewesen, bis er endlich in Deutschland, in NRW ankam. Alles sei legal abgelaufen. Er habe eine Duldung bekommen, jedoch keine Aufenthaltserlaubnis, obwohl er den geforderten Sprachkurs absolviert habe. Mit der Heirat hoffte er, auch das Recht auf diesen Aufenthaltstitel zu erlangen.

„Ich verdiene es, wie ein Mensch behandelt zu werden“

„Viele unterstellen uns pauschal, dass wir aus praktischen Gründen geheiratet haben, dass wir eine Scheinehe eingegangen sind“, sagt Anke Juraschka. Und ist entsetzt: „Das kann doch nicht angehen.“ Heute bezeichnet sie sich rückblickend selbst als naiv. „Wahre Liebe ist doch wahre Liebe“, sagt ihr Mann. „Und ich bin ein Mensch und verdiene es, wie ein Mensch behandelt zu werden.“

Oft habe er seine Frau in letzter Zeit weinen sehen. Ihm selbst sei der Stress mit den Behörden längst auf den Magen geschlagen. Und die Erfahrung, die er ständig mache, wenn er mit seiner Frau über die Straße geht. „Es gibt Leute, die spucken vor uns aus“, sagt Anke Juraschka. Auch dumme Sprüche müssten sie sich anhören. „Kann eine Frau denn nicht mehr entscheiden, wen sie heiraten will?“

Geheiratet hat das Paar in Dänemark

Weil es unkomplizierter und dennoch legal ist, haben die beiden übrigens in Dänemark geheiratet. Dort lebt ein Onkel von Anke Juraschka, der sich gekümmert hat. In der Nähe von Kopenhagen fand die Zeremonie statt, „schön am Meer“. „In solchen Situationen hilft die Familie“, ist sie froh.

In Witten wollen sie bleiben, bis „wir Fuß gefasst haben“. Doch der Start sei alles andere als vielversprechend verlaufen. Es gebe Probleme mit der Anmeldung, die die Stadt nicht ausstellen wolle. Inzwischen sei die Duldung abgelaufen. „Wir befinden uns irgendwie in einem luftleeren Raum“, sagt Anke Juraschka, die so sehr hofft, dass sich alles klärt. „Wir wollen doch eine gemeinsame Zukunft und keinen Streit mit den Behörden oder Gerichten.“

>> DAS SAGT DIE STADT

Die Stadt Witten sei für den aktuellen Handlungsbedarf der falsche Adressat, sagt Sprecherin Lena Kücük. Ihre Recherchen ergaben, dass der Ehemann Emmanuel Asare 2016 einen Asylantrag gestellt und seither eine Aufenthaltsgestattung für die Dauer des Asylverfahrens hat. Eine Verlängerung muss in der Kommune, in die er zugewiesen wurde, beantragt werden.

Will Asare die Kommune wechseln, weil er mit seiner Frau umzieht, wie im Dezember geschehen, muss er sich an die zuweisende Behörde wenden. Das sei in diesem Fall die Bezirksregierung Arnsberg. Dort müsse er einen Antrag stellen, der bescheinigt, dass er seinen Wohnsitz in Witten nehmen darf. Danach könne er sich bei der Ausländerbehörde in Witten melden, die dann für ihn „zuständig“ ist.

Die Stadtsprecherin stellt klar: „Sie sind bei uns willkommen, aber wir können nicht auf andere Behörden einwirken.“

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