#mehralsKohle

Wie die Eberles im Muttental Bergbau-Erinnerungen pflegen

Beeindruckend: Heinz Eberle mit dem Kopf einesWalzenschrämladers, der auf dem Außengelände des Zechenhauses Herberholz im Wittener Muttental zu sehen ist. Mit einer solchen Maschine wurde unter Tage Kohle aus einem Flöz geschnitten.

Beeindruckend: Heinz Eberle mit dem Kopf einesWalzenschrämladers, der auf dem Außengelände des Zechenhauses Herberholz im Wittener Muttental zu sehen ist. Mit einer solchen Maschine wurde unter Tage Kohle aus einem Flöz geschnitten.

Foto: Jürgen Theobald/FUNKE Foto Services

Witten.   Heinz Eberle arbeitete nie unter Tage. Mit seiner Frau pflegt er trotzdem Bergbau-Erinnerungen. Für "Mehr als Kohle" haben wir beide getroffen.

Das Muttental, die „Wiege des Ruhrkohlebergbaus“. Die Eberles haben sich vor Jahrzehnten bei Spaziergängen in dieses deutschlandweit einmalige „Freilichtmuseum“ verliebt, in dem Steinkohlenflöze über Tage zu sehen sind und sich alles um das schwarze Gold dreht.

Seit drei Jahren sind die Bochumer die Gastronomen im Zechenhaus Herberholz, verwöhnen Spaziergänger und Wanderer, die am Wochenende und an Feiertagen auf dem neun Kilometer langen bergbauhistorischen Rundweg unterwegs sind, mit Kaffee, Kuchen und Gegrilltem.

Im Haus und um ihr Haus herum gibt es viel zu bestaunen: vom Grammofon, das das Steigerlied erklingen lässt, bis zu einem Kohle-Förderband des Bergwerks Auguste Victoria in Marl, auf dem es Ende 2015 hieß: Schicht im Schacht.

Das Zechenhaus Herberholz, 1875 erbaut, ist heute ein Rastplatz und ein kleines Bergbaumuseum, ohne ein Museum zu sein. Heinz Eberle hat im großen Bochumer Bergbaumuseum ehrenamtlich viele Jahre Führungen angeboten. Der 66-Jährige liebt alles, was mit dem Thema Kohle zu tun hat, ist Mitglied in mehreren Knappenvereinen, hat sein Geld aber als gelernter Betriebsschlosser 48 Jahre lang über Tage bei der Bogestra verdient.

Sohn Bastian sagte: „Ich gehe, bevor alle gehen“

Eberle ist Hobbbyfotograf. Seine Motive: Industrielandschaften. „Von den Orten, an denen Fördergerüste des Bergbaus stehen, wollte ich immer mehr wissen“, erzählt er. Auch seine Frau kennt sich mit Kohle aus. Angelika Eberles Vater hat als Bergmann unter anderem auf der Zeche Concordia in Oberhausen sein Geld verdient.

Schmunzelnd erzählen die Eheleute von ihrem Sohn Bastian, der in Bochum-Werne mit einem Blick auf das Fördergerüst der ehemaligen Zeche Robert Müser groß wurde, auf der schon seit 50 Jahren keine Kohle mehr gefördert wird. „Da möchte ich mal arbeiten, hat er als Kind immer gesagt.“


Bastian Eberle wurde tatsächlich Bergmann, arbeitete als Fördermaschinist auf allen noch offenen Ruhrgebietszechen. Seit zwei Jahren ist der 35-Jährige Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn. Mit Blick auf das Ende der Kohleförderung in Deutschland hat er seinen Eltern bei seinem Jobwechsel gesagt: „Ich gehe, bevor alle gehen.“

Ausstellungsstücke von verschiedenen Bergwerken

Im Muttental helfen die Eberles ein Stück Bergbaugeschichte zu pflegen. Das 143 Jahre alte Zechenhaus Herberholz war einst ein Betriebsgebäude der Zechen Louisenglück und Herberholz. Das denkmalgeschützte Gebäude gehört heute der Stadt.

Pächter ist der Arbeitskreis Witten des Fördervereins bergbauhistorischer Stätten, dem auch die Eberles angehören. Gästen erklärt Heinz Eberle, dass auf dem Gelände ab 1828 der Schacht Constanz 20 Meter in die Tiefe bis zum St. Johannnes Erbstollen führte. Später stiegen durch ihn Bergleute der Zeche Herberholz zum Kohleabbau in die Tiefe.

Die Ausstellung auf dem Außengelände des Zechenhauses sowie viele Stücke im Haus wurden von Mitarbeitern des Fördervereins von verschiedenen Zechen zusammengetragen – darunter das frühere Bergwerk Ost in Hamm, die einstige Zeche Erin in Castrop-Rauxel und das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop, die letzte Steinkohlenzeche Deutschlands, die im Dezember für immer schließen wird.

Diese Geschichte gibt's hier als Multimedia-Reportage



Auch in Ibbenbühren kommt der Deckel auf den Pütt

Auf dem Außengelände des Zechenhauses Herberholz erinnern unter anderem Bohrmaschinen für den Streckenvortrieb, Pumpen für die Wasserhaltung, auch eine Stube, in der einst Grubenlampen ausgegeben wurden, an alte Bergbauzeiten.

Die Stube stammt von der Zeche Ibbenbühren. Ende 2018 komme auch dort der Deckel auf den Pütt, sagt Karl Ackermann, ehemaliger Steiger. Versterben frühere Bergleute, bekommt der Herbeder oft Anrufe von Hinterbliebenen, die gerne noch Stücke aus dem Nachlass ihrer Lieben für das Zechenhaus im Muttental beisteuern möchten.

Im Haus sieht der Besucher nicht nur eine Auswahl von Grubenlampen, die Heinz Eberle sammelt. „Die wurden schon für Dreharbeiten ausgeliehen!“ Auch eine große Statue der Heiligen Barbara begrüßt die Gäste. Eberles bieten zum Lesen vor Ort Bücher über den Bergbau an. Ein nicht nur von Kindern bewundertes Stück: eine Modell-Grubenlokomotive, die das Bergbaumuseum Bochum einmal geschenkt bekam, aber nicht mehr benötigte. „Die ist zu schade, um sie wegzuwerfen“, findet Heinz Eberle.

„Ende des Jahres ist das alles Geschichte“

Wer möchte, kann sich in seinem Gastraum auch einen Imagefilm der Essener RAG über die heutige Förderung von Steinkohle ansehen.

„Ende des Jahres ist das alles Geschichte“, sagen die Eberles ein wenig wehmütig. Und sprechen noch einmal von ihrem Sohn Bastian: „Er ist stolz darauf, als Bergmann fast bis zum Schluss dabei gewesen zu sein.“ Auf einen Unterarm ließ er sich tätowieren: „Auf Kohle geboren“.

>>> INFO: Außenausstellung ist ganzjährig geöffnet

Das Zechenhaus Herberholz findet man an der Wittener Muttentalstraße 32. Es ist samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Gäste können bei gutem Wetter draußen sitzen, sonst im Gastraum – mit vielen Bergbau-Erinnerungsstücken.


  • Die Außenausstellung auf dem Gelände ist das ganze Jahr über kostenlos zugänglich. Am Samstag, 8. September, können das Zechenhaus und das Gelände nicht besucht werden: geschlossene Gesellschaft.

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