Facebook-Video

Wittener Werkstadt-Chef hat Nase voll von Schleichweg-Fahrern

Benjamin Jecht an der Durchfahrt. Die Poller sind Marke Eigenbau – aus Holz. Die Stahlpoller wurden gestohlen. Beim fünfminütigen Fototerminnäherten sich von beiden Seiten mehrere Autos. Die Fahrer drehten dann schnell ab. Foto:Thomas Nitsche

Benjamin Jecht an der Durchfahrt. Die Poller sind Marke Eigenbau – aus Holz. Die Stahlpoller wurden gestohlen. Beim fünfminütigen Fototerminnäherten sich von beiden Seiten mehrere Autos. Die Fahrer drehten dann schnell ab. Foto:Thomas Nitsche

Witten.   Wegen der Großbaustelle nehmen noch mehr Fahrer den Schleichweg über das Gelände der Werkstadt. Sie gefährden dort Kinder und Jugendliche.

Benjamin Jecht (35) nimmt kein Blatt vor den Mund. Das Video, das der Leiter der Wittener Werkstadt gerade auf Facebook gepostet hat, richtet er nicht nur an die „Autofahrer in Witten“, sondern auch gleich an die „Assis, die mit ihrer rollenden P . . . .verlängerung immer bei uns über den Hof donnern“. Und er fordert alle unmissverständlich auf: „Lasst die Kacke einfach!“

Deutlicher wollen wir hier nicht werden. Die WAZ ist eine Familienzeitung. Und so ein Video (Facebook, Werkstadt) hat man im Netz ja heute schnell gefunden.

Bei Rückstau biegen viele reflexartig ab

Der Anlass für den geballten Frust, den Jecht in klaren Worten in einssechundvierzig im sozialen Netz ablädt: Als Abkürzung missbraucht wurde der Parkplatz des Kulturzentrums immer schon. Aber seit die Kreuzung Dortmunder-/Ardeystraße Baustelle ist, hat sich das Problem massiv verschlimmert.

Beim geringsten Rückstau an der Feuerwehr fährt mancher reflexartig rechts ab – über den Mitarbeiterparkplatz des Betriebsamtes und dann an der Ostermannhalle und der Werkstadt vorbei zur Ardeystraße. Die Rückstaus sind jetzt länger als sonst. Und da man gerade von der Ardeystraße nicht nach links in die Dortmunder abbiegen darf, „lohnt“ sich der Schleichweg für viele auch andersherum.

Benjamin Jecht: Kinder und Jugendliche in Gefahr

Diese „schlaue Idee“ hat für Benjamin Jecht aber „leider zwei Haken“. Der eine: Das Werkstadt-Gelände ist Privatgrundstück und keine öffentliche Straße. Theoretisch könnte er also jeden Schleichwegfahrer wegen Hausfriedensbruch anzeigen. Vor allem aber fürchtet er um Leib und Leben der vielen Kinder und Jugendlichen, die sich jeden Tag vor dem Werkstadt-Treff aufhalten oder die zum Training beim KSV kommen. „Gott sei Dank ist hier noch kein Kind angefahren worden“, so Jecht zur WAZ, „aber manchmal war’s schon knapp.“

Auch wenn vor der Werkstadt ausgeparkt wird, hat es mit den Schleichweg-Fahrern schon häufiger fast gekracht. Völlig fassungslos machen Jecht die Fahrer, die die Passage mit dem Nürburgring verwechseln. „Ihr brettert mit Euren Scheißkisten hier um die Ecke, ohne irgendwas zu sehen. Seid ihr noch sauber?“ So weit das Video, das am ersten Tag nach 18 Stunden schon 15 000 Mal im Netz angeklickt wurden. 390 Mal wurde es geteilt. Geht hier ein neues Kult-Video viral?

Versuche, Abhilfe zu schaffen, gab es viele. Polizei und Ordnungsamt seien auf dem privaten Gelände „relativ machtlos“, so Jecht. Drei Schilder „Privatgrundstück“ wurden schon geklaut. Die Durchfahrt komplett sperren, zum Beispiel mit einer Stein-Barriere, will die Werk-stadt nicht. Bei größeren Veranstaltungen ist sie selbst auf den Parkplatz des Betriebsamts angewiesen.

Poller versteckt oder gestohlen

Deshalb ist die Durchfahrt mit Pollern gesichert. Man staunt aber, wie viele Leute heute einen Dreikantschlüssel mitführen. Kaum sind die Poller eingesetzt, hat sie wieder jemand herausgenommen. Manche geben sich Mühe, sie gut zu verstecken. Das letzte Mal hat sie jemand ganz mitgehen lassen. Eine Neuanschaffung für 70 Euro aufwärts tut der Werkstadt auch finanziell weh. Im Zuge der Soforthilfe hat Benjamin Jecht selbst Ersatzpoller hergestellt – aus Holz. Soll keiner sagen, der Mann sei nicht für kreative Lösungen zu haben.

Werkstadt-Mitarbeiter wurde schon bedroht

Werkstadt-Leute haben Autofahrer auch angehalten und angesprochen. Die Reaktionen reichen von Schulterzucken bis zur Bedrohung. „Einer stieg aus und hat unserem Mitarbeiter Schläge angedroht“.

Wer tut sowas? Solche Rowdys und die schlimmsten Raser, das seien schon meist junge Männer, so Jecht. Doch den Schleichweg an sich nutzten junge und alte Fahrer, Männer und Frauen. „Das hängt nur von der Ortskenntnis ab, die sind alle gleich dreist.“

Auch interessant
Leserkommentare (3) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik