Wohngemeinschaften

Wer hat was bezahlt? App aus Witten begeistert weltweit WGs

Studierende der Universität Witten/Herdecke haben eine App für die Finanzplanung von WGs programmiert. Die Initiative ist sehr erfolgreich und hat kürzlich einen Microsoft-Preis gewonnen: v.l. Dennis Ortmann (Marketing) und Geschäftsführer Niklas Priddat.

Studierende der Universität Witten/Herdecke haben eine App für die Finanzplanung von WGs programmiert. Die Initiative ist sehr erfolgreich und hat kürzlich einen Microsoft-Preis gewonnen: v.l. Dennis Ortmann (Marketing) und Geschäftsführer Niklas Priddat.

Foto: Barbara Zabka

Witten.   Die Studenten Dennis Ortmann und Niklas Priddat haben eine App entwickelt, mit der Gruppenabrechnungen vereinfacht werden - zum Beispiel für WG-Bewohner.

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Der eine kauft frisches Obst, der andere besorgt zwei Kästen Bier, der dritte geht nie einkaufen und am Ende müssen die Kosten aufgedröselt werden – da kann es schnell zum Chaos kommen. So ging es auch Niklas Priddat und Dennis Ortmann. Die Not machte die jungen Studenten der Uni Witten/Herdecke erfinderisch: Sie entwickelten eine App, ein Handyprogramm, für die leichte Abrechnung unter Mitbewohnern.

Es war vor zwei Jahren im Urlaub: Niklas Priddat (22) und Dennis Ortmann (30) sitzen in den italienischen Alpen in einem Sessellift und wollen die Ausgaben aufrechnen. „Wir hatten aber total den Überblick verloren“, schaut Niklas zurück. Stift und Zettel? Fehlanzeige! Dafür hatten sie ihre Mobiltelefone dabei. Kein Programm für das übersichtliche Abrechnen? Die Wirtschaftsstudenten rochen Lunte...

2500 Downloads in Australien

Jetzt, zwei Jahre später sitzen die Jungunternehmer in ihrem Büro in der Alfred-Herrhausen-Straße. Mit ihrer App „FlatMate“ können Wohngemeinschaften ihre Finanzen abrechnen. Über 25.000 Mal wurde die App schon heruntergeladen – weltweit. „In Australien hatten wir schon 2500 Downloads“, freut sich Dennis.

Niklas zeigt das Programm auf seinem Handy: Ein buntes Tortendiagramm verdeutlicht, welcher WG-Bewohner wie viel ausgegeben hat. „Wenn man auf Abrechnung klickt, wird alles gegeneinander gerechnet“, erklärt der ehemalige Ruhr-Gymnasiast. Auf dem Handybildschirm der Bewohner erscheint dann eine Mitteilung, von wem man wie viel Geld bekommt – oder wie viel man bezahlen muss.

Erstes großes Update für "FlatMate"

Vor zwei Jahren hatten die zwei zwar eine Idee, konnten aber nicht programmieren. Für die technische Unterstützung gingen sie nach Dortmund. An der Technischen Universität gewannen sie schnell zwei Informatikstudenten für ihr Projekt. Im August 2014 ging die erste App auf den Markt. Im Dezember folgte der große Schritt: Die vier Studenten wagten die Gründung einer GmbH. Über die Uni Witten fanden sie einen Investor aus Schwerte, der sie unterstützt.

Mindestens zwei volle Arbeitstage in der Woche verbringen die Wittener mittlerweile in ihrem Büro. Bleibt da noch Zeit für anderes? „Naja. Neben Uni und Unternehmen nicht mehr viel. Auch die Urlaubsplanung ist schwieriger geworden“, räumt Niklas ein. „Dafür sammele ich hier Erfahrungen, die ich im Studium nie kriegen würde.“ Und auch das eigene WG-Leben wurde mit der App einfacher: Dennis und seine Mitbewohner machen jeden morgen Smoothies, saftartige Getränke. „Egal, welches Obst wir nun kaufen – es wird einfach in die App eingetragen.“

Derzeit steht „FlatMate“ vor der ersten großen Erweiterung. Ein Update bringt eine Einkaufsliste, die alle WG-Bewohner gleichzeitig ergänzen und abarbeiten können. Eine Idee aus einem winzigen Büro in Annen geht in die WGs dieser Welt.

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