Kultur

Was heute in Witten alles tragbar ist

Kommt nach Witten: die polnische Künstlerin Justyna Koeke.

Foto: JK

Kommt nach Witten: die polnische Künstlerin Justyna Koeke. Foto: JK

witten.   Künstlerin Justyna Koeke gestaltet mit Besuchern in der Bibliothek eine lebendige Skulptur. Die Gäste sollen beliebige Gegenstände mitbringen.

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Omas alten Kochtopf oder Muttis abgetragene Kunstleder-Krokotasche – solche und weitere Schätzchen können Kulturfans heute Abend (11. 1.) in die Bibliothek an der Husemannstraße mitbringen. Die polnische Performance-Künstlerin Justyna Koeke wird daraus mit den Besuchern eine tragbare Skulptur gestalten. Los geht’s um 19.30 Uhr im Lesecafé.

„Was genau die Künstlerin machen wird, ist noch ihr Geheimnis. Wir lassen uns einfach überraschen“, meinen Bibliothekschefin Christine Wolf und Julia Genz übereinstimmend. Die Professorin für Literaturwissenschaft an der Wittener Uni hatte die Leiterin des Hauses Anfang vorigen Jahres angesprochen, ob nicht eine Kooperation bei Literatur-Veranstaltungen möglich sei. „Für die Uni, die ja mehr im Stadtleben sichtbar sein möchte, war das eine gute Möglichkeit, von ihrem Wissenstempel einen Abstecher in unser lebendiges Lesecafé der Bibliothek zu machen“, erinnert sich Wolf, die diese Kooperation als „Glücksfall“ bezeichnet. Denn: „Wir laden die Wittener Bürger ein, Julia Genz hat die Kontakte zur Literaturszene.“

Als erste Veranstaltung besuchte dann die Lyrikerin Nora Gomringer im April die Bibliothek. Etwa 60 Studenten und interessierte Wittener Bürger nahmen teil. Nun folgt also die Fortsetzung mit der Künstlerin Justyna Koeke . „UndAnfang Juni geht es dann mit der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada weiter“, schaut Julia Genz bereits in die Zukunft.

Auch eine zweite Reihe brachte die Uni-Kooperation in die Bibliothek: Bei „Let’s talk about text“ diskutierten zwei Studenten und zwei Professoren im Stil des „Literarischen Quartetts“, auch hier sind Besucher gern gesehen. Pro Semester soll es eine von beiden Veranstaltungen in der Bibliothek geben.

Julia Genz wird heute Abend bei der „Lecture-Performance“ einleitende Worte sprechen, nach dem Auftritt können die Besucher mit Koeke über ihre Arbeitsweise diskutieren. Die Dozentin an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und der Kunstakademie Nürtingen siedelt ihre Performances häufig zwischen Kitsch und Kunst an, durchleuchtet aber auch Rollenklischees der Geschlechter. „Bei der Alternativen Fashion Week in Berlin hat sie nach ihren alten Kinderzeichnungen Kostüme für Senioren geschneidert und sie damit über den Laufsteg geschickt“, gibt die Literaturprofessorin ein Beispiel für die Arbeitsweise der 1976 in Krakau geborenen Künstlerin.

Eintritt zur Veranstaltung ist kostenlos

Etwa so, wie im Bild unten, könnte man sich auch ihren aktuellen Auftritt in Witten vorstellen. Für jenes Foto als lebende Skulptur aber hatte Justyna Koeke eine Studentin so bepackt, dass die fast umfiel. Mal sehen, wieviel Standfestigkeit heute zu erwarten ist. Auch das angrenzende Märkische Museum ist diesmal mit im Boot.

„Mein Kontakt zur Künstlerin verlief über eine Künstlertagung letztes Frühjahr, bei der es um die Thematik Kitsch, Kunst und Religion ging“, erinnert sich die Literaturwissenschaftlerin. „Ich habe dort ein Theoriemodell zum Kitsch vorgestellt, Frau Koeke hat einen interessanten Vortrag über ihre Arbeit und Kitsch als Inspirationsquelle für Kunst gehalten.“ Doch eines stellt Julia Genz schonmal klar: „Heute Abend wird es allerdings nicht um die Kitschthematik gehen.“

Der Eintritt zu der Veranstaltung ist kostenlos. Ob der mitgebrachte Kochtopf oder die Krokotasche aus Kunstleder allerdings wieder unbeschadet nach Hause zurückkehren, wird wohl von Lust und Laune der Künstlerin abhängen. Spannend wird’s also allemal.

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