Johannisviertel

Was die Stadt Witten für das Johannisviertel plant

Ein Blick in die untere Johannisstraße in Witten. In diese sollen Autofahrer künftig nicht mehr über die Ruhr- und die Hauptstraße abbiegen können.

Ein Blick in die untere Johannisstraße in Witten. In diese sollen Autofahrer künftig nicht mehr über die Ruhr- und die Hauptstraße abbiegen können.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Ein Kreisverkehr vor dem Oberdorf, ein neuer Kanal für die Bonhoefferstraße, eine neu gestaltete untere Johannisstraße. Was die Stadt plant.

Die Johannisstraße soll in den kommenden Jahren eine neue Optik bekommen. Die Zufahrt von der Ruhrstraße aus wird geschlossen. Der untere Teil der Johannisstraße – vom Kornmarkt bis zum Beginn der Bonhoefferstraße – soll als Tempo-20-Zone künftig in beiden Fahrtrichtungen zu nutzen sein. Was sich sonst noch ändern soll, stellten Planungsamtschef Sebastian Paulsberg und weitere städtische Mitarbeiter am Mittwochabend (18.9.) Anwohnern und Gewerbetreibenden des Johannisviertels in der Kreuzkirche vor.

Geschäftsleute an der unteren Johannisstraße befürchten, dass ihre Kunden künftig nicht mehr genug Parkplätze vor der Tür finden, wenn der Kornmarkt bebaut wird. Etwa 24 Stellplätze soll es beidseitig der unteren Johannisstraße geben, deren neue Fahrbahn später einmal fünf Meter breit sein soll, erklärte der zuständige Verkehrsplaner Tim Raabe rund 25 interessierten Bürgern bei der Infoveranstaltung.

Geschäftsleute fürchten um ihre Kundenparkplätze, wenn der Kornmarkt bebaut wird

Planungsamtschef Paulsberg verwies beim strittigen Thema Parken auf eine Erhebung, nach der die Plätze in den innerstädtischen Parkhäusern zu Spitzenzeiten nur zu 50 Prozent ausgelastet sind. Ein Argument, das nicht jeden Einzelhändler überzeugte. So merkte etwa Karin Vogt-Fischer, Chefin des Geschäftes Handarbeiten Vogt an der Johannisstraße, an, dass ihre ältere Kundschaft keine großen Wege zu Fuß zurücklegen wolle und könne.

Planer Tim Raabe sagte, dass es noch nicht klar sei, wie die späteren Stellplätze vor Ort bewirtschaftet werden. „Sie sollen nicht zu Dauerparkplätzen für Anwohner werden.“ Sebastian Paulsberg erklärte, dass es zwischen der neuen, fünf Meter breiten Fahrbahn und den Parkplätzen vor Ort lediglich einen flachen Bordstein geben soll. „Der Gehweg und die Parkstände werden auf einer Ebene angelegt. Dies entspricht dem Ausbau in der Annenstraße.“

Stickstoffdioxid-Belastung in der Ruhrstraße ist immer noch zu hoch

Bänke und Beete sollen die Aufenthaltsqualität vor Ort verbessern, das alte Kopfsteinpflaster entfernt und die Fahrbahn asphaltiert werden. Auch Fahrradstellplätze soll es geben. Raabe: „Damit Räder nicht mehr an Laternen festgemacht werden müssen.“

Bei der Frage einer Anwohnerin, warum Autofahrer künftig eigentlich nicht mehr von der Ruhr- und der Hauptstraße aus in die Johannisstraße abbiegen sollen, verwies Planungsamtsleiter Paulsberg auf den Luftreinhalteplan. Die Bezirksregierung Arnsberg erwarte, dass dieser umgesetzt werde. Die Stickstoffdioxid-Belastung in der Ruhrstraße sei immer noch zu hoch. „Das ist die einzige Stelle in der Stadt, wo das so ist.“ Durch die Änderung der Verkehrsführung verspricht sich die Verwaltung hier eine Verbesserung. Paulsberg betonte: „Denn die Stadt will ja keine Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge verhängen.“

Vor dem Oberdorf soll ein Mini-Kreisverkehr entstehen

Im Zuge der Planungen für das Johannisviertel soll vor der Zufahrt zum Oberdorf ein Mini-Kreisverkehr gebaut werden. Sebastian Paulsberg: „Autofahrer müssen aus dem Kreisverkehr rausfahren, um dann links in die untere Johannisstraße einbiegen zu können.“ Fahrzeuge sollen künftig sowohl aus der oberen Johannisstraße, aber auch von der Bonhoefferstraße aus in die untere Johannisstraße gelangen. Von dort aus soll der Verkehr in die Obergasse weitergeleitet werden.

„Die ist dafür aber ziemlich schmal“, merkte eine Hausbesitzerin bei der Infoveranstaltung in der Kreuzkirche an. Verkehrsplaner Tim Raabe betonte, dass es sich bei der Obergasse dann um eine Einbahnstraße handeln werde. Mit der geplanten Umgestaltung der unteren Johannisstraße will die Stadt warten, bis die Bebauung des Kornmarktes abgeschlossen ist. Raabe: „Damit dann keine Baulaster über die frisch gemachte Straße fahren.“

Die anfallenden Kosten für die Baumaßnahmen könnten nicht ganz von der Stadt getragen werden, kündigte Sebastian Paulsberg an. „Beitragspflichtige Maßnahmen müssen in Nordrhein-Westfalen mit den Anliegern über Straßenbaubeiträge abgerechnet werden. Die Entscheidung liegt da leider nicht bei der Stadt.“

Ab Ende April 2020 soll der Kanal von 1923 in der Bonhoefferstraße erneuert werden

Der Kreisverkehr vor dem Oberdorf soll im ersten Bauabschnitt entstehen, der laut Sebastian Paulsberg möglicherweise im dritten Quartal 2020 starten kann. „Wir rechnen mit etwa einem Jahr Bauzeit.“ Auch in der Bonhoefferstraße soll sich etwas tun. Und zwar schon vorher. Ab Ende April 2020 soll dort von der Entwässerung Stadt Witten der Kanal erneuert werden. Rainer Gerlach, bei der ESW als Abteilungsleiter für den Kanalneubau und die Kanalunterhaltung zuständig: „Wir rechnen mit etwa einem halben Jahr Bauzeit und Kosten von rund 350.000 Euro.“ Hausbesitzer müssen sich daran nicht beteiligen. „Das wird aus den Entwässerungsgebühren bezahlt“, so Gerlach.

Der bisherige 165 Meter lange Kanal von 1923 liegt in etwa in der Fahrbahnmitte. Während der Arbeiten wird die Bonhoefferstraße für den Durchgangsverkehr, aber nicht für Anwohner gesperrt. Die Kanalbauarbeiten beginnen in Höhe der Hauptstraße und enden bei der Einmündung zur Lutherstraße. Danach plant die Stadt, die Fahrbahndecke der Bonhoefferstraße zu erneuern.

Ideen gesucht: Im Rahmen der Baumaßnahmen wird die Verkehrsinsel mit dem Herzen als Wegweiser auf der Johannisstraße entfernt. Die Stadt würde sich über Vorschläge von Bürgern freuen, wo das Kunstobjekt von Almut Rybarsch-Tarry, der „Herzensträger“, stattdessen stehen könnte.

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