Kommunalwahl

Was der Integrationsrat in Witten in Zukunft bewegen will

Die „Wittener Internationale Liste“ möchte Mitglieder in den Integrationsrat der Stadt schicken. Zur Wahl steht auch die Liste „Aktiv für Witten“.

Die „Wittener Internationale Liste“ möchte Mitglieder in den Integrationsrat der Stadt schicken. Zur Wahl steht auch die Liste „Aktiv für Witten“.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Am 13. September wird auch der Integrationsrat in Witten neu gewählt. Zwei Listen stehen zur Wahl. Bildung ist für beide zentrales Thema.

Bei der anstehenden Kommunalwahl können auch Nicht-EU-Bürger ihre Stimme abgegeben – allerdings nicht für den Stadtrat und die Bürgermeisterkandidaten, sondern für den Integrationsrat. Seit 2010 gibt es das Gremium, das sich für die Belange der ausländischen Mitbürger Wittens einsetzt. Zwei Listen stehen zur Auswahl.

Vor allem die Bildungsarbeit stand im Fokus der letzten Legislaturperiode des Rates, sagt Mehmet Colak, Vorsitzender des Gremiums. „In den nächsten Jahren wollen wir ausdehnen, was wir bislang erreicht haben.“ Colak, der selbst für die Liste „Aktiv für Witten“ (kurz: AWIT) kandidiert, wünscht sich für die Zukunft, dass sich Zuwanderer in der Stadt besser und schneller integrieren können. „Sie sollen nicht abseits stehen, sondern voll teilnehmen und dazu gehören.“

Integrationsrat Witten will Mehrsprachigkeit in Kitas und Grundschulen fördern

Das soll in erster Linie über Sprache und Bildung erfolgen. So organisiert der Rat etwa Vorträge über das hiesige Schulsystem oder die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Für die Jüngsten fördert der Rat die Initiative „Lebendige Mehrsprachigkeit“, vor allem in Kitas mit hohem Migrationsanteil.

Das Programm soll den kulturellen Austausch zwischen den Kindern spielerisch fördern und dabei auch die Kinder im Erwerb ihrer Muttersprache unterstützen. In der Stadtbibliothek gibt es dazu bereits Lehrmaterial in fast 40 Sprachen, so Colak. Kitas könnten es dort ausleihen. „In der nächsten Legislaturperiode ist unser Ziel, das Programm auf die Grundschulen auszuweiten.“

Integrationsrat als wichtiges Sprachrohr der Migranten

Den Integrationsrat sieht der 55-Jährige, der seit seinem vierten Lebensjahr in Witten lebt, als wichtiges „Sprachrohr“. „Wir können vieles bewegen“, sagt Colak. „Wem sollen die Migranten ihre Sorgen und Leiden denn sonst mitteilen?“ Der Rat sei „Übersetzer“ für diese Anliegen.

Dabei ist der Spielraum des Integrationsrates beschränkt. Er kann selbst keine verbindlichen Entscheidungen treffen, sondern dem Stadtrat nur Anträge zur Diskussion vorlegen. Colak selbst sitzt zudem als Sachkundiger Bürger im Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Standortmarketing. Er wolle für die nächste Legislaturperiode auch anderen Mitgliedern des Rates empfehlen, in Gremien zu gehen.

Zwei Listen, ein gemeinsames Ziel

Aus 27 Mitgliedern besteht die Interessenvertretung der in Witten lebenden Ausländer, zwei Drittel von ihnen werden direkt gewählt, der Rest sind Mitglieder des Stadtrates. Zwei Listen stehen zur Wahl, doch inhaltlich unterscheiden sie sich kaum. „Wir sind zwei Listen, aber eine Gruppe und arbeiten zusammen für die Stadt Witten“, fasst es der aus der Türkei stammende Finanzfachwirt zusammen.

So sieht es auch die „Wittener Internationale Liste“ (WIL). Man stehe für Zusammenarbeit, nicht für Konkurrenz, sagt Saime Demirkilic. WIL würde gerne das bisherige Angebot aus Beratung und Nachhilfe in den Räumen des Rates an der Mannesmannstraße ausbauen. „Und wir haben viele junge Leute in unseren Reihen, mit vielen neuen Ideen“, freut sich die 62-Jährige.

So wie Osama Aboud. Der 19-jährige Syrer lebt seit 2014 in Witten, macht gerade am Berufskolleg sein Abitur im Bereich Wirtschaft und arbeitet als ehrenamtlicher Übersetzer für die Stadt. Viele ausländische Schüler würden in der Schule benachteiligt, Rassismus erleben, sagt Aboud. Dagegen wolle er etwas tun, etwa Workshops zum Umgang mit Rassismus geben. Auch Tolga Demirkilic sagt, er habe selbst schon viel Diskriminierung erlebt. Nun wolle er etwas bewegen und vor allem die Jugendarbeit angehen. Der 23-Jährige gibt neben seiner Ausbildung Nachhilfe. „Da sehe ich, wie manche Familien regelrecht vom Staat vergessen werden.“

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