Coronavirus

Von Wut bis Einsicht: Das sagen Wirte in Witten zum Lockdown

Leere Tische: Für Heinz Bruns, Sprecher der örtlichen Gastronomen und Inhaber von Haus Kemnade, ist der neue Lockdown eine Katastrophe. Aber er hat Verständnis für die Maßnahmen.

Leere Tische: Für Heinz Bruns, Sprecher der örtlichen Gastronomen und Inhaber von Haus Kemnade, ist der neue Lockdown eine Katastrophe. Aber er hat Verständnis für die Maßnahmen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Für viele ist es eine wirtschaftliche Katastrophe. Dennoch haben viele Wirte aus Witten auch Verständnis für die kommende Schließung im November.

Der neue Lockdown hat die Gastronomen in der Stadt schwer getroffen. Die erneute Schließung sei eine Katastrophe, die viele Betriebe wirtschaftlich vermutlich nicht überleben werden, darin sind sich die Wirte einig. Aber in die Sorge und Existenznöte mischt sich bei vielen auch Verständnis für die Maßnahme.

„Ich vertraue der Politik“, sagt etwa Heinz Bruns, Vorsitzender des örtlichen Gaststättenverbandes, ganz klar. Es gehe darum, nicht nur die Gäste, auch die Mitarbeiter zu schützen. Immer noch seien viel zu viele Menschen leichtsinnig – das erlebt der Inhaber von Haus Kemnade in seinem Restaurant ebenso wie auf der Straße. „Das ist erschreckend, wir müssen uns umstellen!“

Wittener Wirte-Sprecher vertraut auf die Politik

Der 59-Jährige ist sichtlich angeschlagen. „Ich könnte heulen“, sagt er. Die Situation sei furchtbar. Das ganze Jahr habe er täglich zehn bis zwölf Stunde gearbeitet und dabei nichts verdient. „Das gehe an die Psyche“, sagt er, fügt aber hinzu: „Ich sehe auch, dass der Staat alles tut, um das Überleben der Wirte zu sichern – und er hat uns noch nie hängen lassen.“ Die versprochene finanzielle Entschädigung – bis zu 75 Prozent von letzten November-Umsatz sind im Gespräch – müsse jetzt aber auch kommen.

„Fakt ist: Bei uns passiert den Gästen nichts“, betont Heike Köhler vom „Café Möpschen“ in der Ruhrstraße entschieden. Dennoch kann sie die Maßnahmen der Regierung nachvollziehen. Denn es gebe immer noch zu viele Uneinsichtige, die die drohende Gefahr immer noch nicht begriffen hätten und sich unvernünftig verhielten. „Da kommt eins zum anderen – da können wir uns nicht nur bei der Politik beschweren.“ Sie will das Beste aus der Situation machen – und bietet wieder Essen zu Mitnehmen an.

Dezember könnte das Weihnachtsgeschäft der Wirte noch retten

Essen to go: Darauf setzt auch André Vordenbäumen vom „Andrés 1726“ in Herbede. Auch er hat Verständnis für den neuen Lockdown: „Besser jetzt, bevor es eine volle Katastrophe gibt.“ Wirtschaftlich sei der November dafür zudem ein besserer Zeitpunkt für die Wirte als der Dezember. Vordenbäumen hofft, dass die Maßnahmen rasch Wirkung zeigen. „Und wenn wir im Dezember wieder öffnen können, dann ist noch ein bisschen was vom Weihnachtsgeschäft zu retten.“

Zwiespältig betrachtet auch Thorsten Wottrich von der „Alten Post“ die Lage. „Die Corona-Zahlen sind derzeit nun einmal katastrophal“, sagt er. Aber die Wirte treffe der Lockdown besonders hart. „Ohne die Einnahmen in der Weihnachtszeit wird es extrem schwer, da machen wir den meisten Umsatz.“ Die Schließung sei bitter für ihn und all seine Kollegen, die sich sehr bemüht hätten, alle Maßnahmen ordnungsgemäß umzusetzen.

Wittener Wirte fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt

Denn bei allem Verständnis fühlen sich die Wirte doch zu unrecht an den Pranger gestellt. „Wir haben alles gemacht, uns an die Regeln gehalten, alle Forderungen erfüllt“, zählt Justyna Kaczybura vom „Casa Cuba“ auf. „Wir desinfizieren sogar die blöden Kulis, weil wir wollen, dass es läuft.“ Mit der erneuten Schließung würde die Politik ein falsches Bild vermitteln, klagt die 39-Jährige so wie viele ihrer Kollegen. Kneipen und Restaurant seien sicher, das hätten alle Studien gezeigt. „Aber wir werden dennoch wieder zum Sündenbock gemacht – das ist absolut unfair.“ Die erneute Schließung sei nicht so locker wegzustecken. „Aber wir müssen durchhalten, schon wegen der Mitarbeiter.“

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