Serie: Was macht...?

Vom Kinderklavier zum Konzertflügel

International gefragt: Helge Antoni beim Konzert im Grand Theatre de Bourdeaux in Frankreich.

International gefragt: Helge Antoni beim Konzert im Grand Theatre de Bourdeaux in Frankreich.

Foto: Fondation Bordeaux Université

Witten.   Als Kind begann er auf einem blauen Spielzeugklavier. Längst tourt Helge Antoni weltweit. Seit 15 Jahren gibt er an der Uni die Liebe zur Musik weiter

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Liebe zur Musik will Helge Antoni den Studierenden der Universität Witten/Herdecke ganz nah ans Herz legen. Und das macht der bekannte Konzertpianist seit mehr als 15 Jahren. Der 60-Jährige ist „Artist in Residence“: Dozent, Lehrbauftragter, Künstler auf Zeit in der Ruhrstadt.

Antonis Kurse, Seminare und Workshops sind in jedem Semester ausgebucht. Im Rahmen des Studium Fundamentale versammelt er Lernwillige aller Fakultäten um sich und sein Piano. Nach mehr als 40 Jahren auf großen Konzertbühnen in aller Welt zieht es den Konzertpianisten immer wieder in die Ruhrstadt zurück.

„Ich will meine Erfahrungen, mein Wissen an die neue Generation weitergeben“, betont Antoni. „Als Künstler darf man nicht nur an das eigene Ego denken. Erfahrungen habe ich genug gesammelt. Ich gebe meine jetzt mit vollen Händen weiter – an unsere talentierten Nachwuchsmusiker.“

So hat Antoni vor Jahren den „Tonali-Wettbewerb“ aus Hamburg an die Uni geholt. Das ist ein Wettbewerb zwischen den klassischen Solo-Instrumenten Cello, Violine und Klavier. In jedem Jahr steht ein anderes Instrument im Mittelpunkt. Aber dabei geht es nicht allein um die musikalische Fertigkeit. „Das ist Gabe, Talent und eine Frage der Übung“, so der Meister des Klaviers. „Im großen Konzertsaal wird uns Künstlern alles quasi auf dem Silbertablett präsentiert. Aber das muss nicht so sein.“

Helge Antoni will die Musiker aus dem weltfernen Elfenbeinturm heraus und hinein ins Leben bringen. So hat er bei den mittlerweile sechs Tonali-Wettbewerben immer Wert darauf gelegt, dass die Musiker lernen, sich selbst und ihre Stücke dem Publikum vorzustellen -- ohne Moderator. „Denn Tonali ist mehr als Musik. Wir alle müssen neu denken. Und der Lust und Liebe zur Musik Ausdruck verleihen.“

Der Kontakt zu seinen Studierenden ist dem Pianisten ausgesprochen wichtig. „Die Gemeinschaft mit jungen Menschen hält jung. Und diese Idee wird an der Uni mehr als gelebt“, schwärmt Antoni. „Ich bin viel in der Welt unterwegs. Aber wenn ich hier bin, erkenne ich immer wieder, dass es doch eine Zukunft gibt.“

Er zeigt seinen Studenten, wie man die Bühne erobert

Für Antoni ist es wichtig, seinen Schülern zu vermitteln, wie man eine Bühne „erobert“. Dabei sei die Größe der Bühne und des Künstlers völlig bedeutungslos. „Wie verbeugt man sich, wie stelle ich mich und meine Stücke vor“, erklärt er. „Ohne den Störfaktor eines externen Moderators wird das Konzert plötzlich ganz persönlich und intim. Es soll das Herz berühren.“

Helge Antoni ist im schwedischen Malmö geboren und aufgewachsen. Aber sein Herz schlägt im deutschen Takt. „Meine Augsburger Mutter hat mir daheim immer deutsche Volkslieder vorgesungen. So war meine Vorliebe für Sprache und Musik vorprogrammiert“, erinnert er sich. Angefangen hat seine musikalische Karriere mit einem kleinen, blauen Spielzeug-Klavier. Da war er gerade mal sechs Jahre alt. Heute sind seine Klaviere schwarz und viel größer. Und heißen Piano.

Bühnen wie Kopenhagen, London, Paris, Stockholm, Los Angeles, New York und Barcelona sind sein Zuhause. In Barcelona hat er sich vor einem Jahr mit seiner Frau Marissa – eine Ballerina aus Peru – schließlich niedergelassen. „In einem wunderbaren Ambiente zwischen dem Norden und dem Süden. Wir haben schon viele Freundschaften geschlossen“, meint er verschmitzt lachend. In Barcelona will Antoni auch eine Meisterschule gründen.

Musikalische Lesung am 27. 10. mit Antoni und Kommerell an der Uni

Wer Helge Antoni live hören möchte, hat am Donnerstag, 27. Oktober, ab 20 Uhr an der Uni die Möglichkeit dazu. Und zwar bei einer musikalischen Lesung im Audimax. Unter dem Motto „Geschichte einer Liebe“ rezitiert Blanche Kommerell Texte von George Sand, Helge Antoni antwortet darauf mit musikalischen Passagen von Frederic Chopin. Sand und Chopin waren zu ihrer Zeit ein außergewöhnliches Liebespaar. Der Eintritt ist frei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben