Umwelt

Tierische Rasenmäher: Vier Wildschafe grasen auf Wittener Golfplatz

Futtern nach und nach den Golfplatz ab: Bock Reinhold, Partnerin Maria (li.) und die beiden im vergangenen Jahr geborenen Lämmer Schnucki und Pucki. Die Soay-Schafe mögen sogar den gefürchteten Bärenklau.

Futtern nach und nach den Golfplatz ab: Bock Reinhold, Partnerin Maria (li.) und die beiden im vergangenen Jahr geborenen Lämmer Schnucki und Pucki. Die Soay-Schafe mögen sogar den gefürchteten Bärenklau.

Foto: Zabka

Witten.   Betreiber Hans Wilms hält vier Soay-Schafe auf der Anlage. Denn dann muss er weniger mähen. Auch Straßen NRW freut sich über deren Einsatz.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bock Reinhold, Gattin Maria und die beiden Lämmer knuspern an den Blättern einiger Zweige, die im Gehege liegen. Die Wiese rundherum haben die Soay-Schafe schon ganz gut abgefressen. Das freut Golfplatz-Betreiber Hans Wilms, der die Tiere die Brachflächen am Rande der Anlage beackern lässt. Demnächst wird die kleine Schafsfamilie noch mehr zu tun bekommen und auf dem Gelände des Regenrückhaltebeckens an der Ecke Seestraße/In der Lake futtern. Dann müssen die Mitarbeiter von Straßen NRW das Gras dort nicht mehr mähen.

Die etwa 1500 m² große Verrieselungsfläche ist komplett eingezäunt. Sie liegt direkt unterhalb der Straße. Im Ernstfall soll sie das Wasser auffangen, dass von dort abfließt, doch meistens wuchert sie vor sich hin. In einer Ecke steht sogar der gefürchtete Bärenklau. Und genau den mögen die genügsamen Wildschafe auch. Dirk Hartmann (55), Betriebsdienstleiter der Straßenmeisterei Schwelm freut sich: „Es war sonst sehr aufwändig, das alles in Schuss zu halten.“ Ab November werden die Tiere regelmäßig mit dem Viehtransporter zum Becken gekarrt, um sich satt zu fressen.

Zweites Naturschutz-Projekt

Doch erst einmal müssen sie ein bisschen zahmer werden. Golfplatz-Chef Wilms (58) hat die Schafe vor einem knappen halben Jahr von einem Züchter am Niederrhein bekommen. Es ist sein zweites Projekt in Sachen Naturschutz, beim ersten macht er seit sechs Jahren gemeinsame Sache mit der Uni Bochum: 50 Bienenvölker leben inzwischen auf dem Gelände. Natürlich gibt’s auch Kaninchen ohne Ende. Ein Fuchs haust oben auf der alten Deponie in der Nähe eines Strommastes. Und eine Schlange habe er neulich erst gesehen, so Wilms.

Er sagt von sich selbst: „Ich bin Umweltfreund.“ Und er rühmt sich, „der einzige Golfplatzbetreiber in Deutschland zu sein, der keine Spritzmittel für seine Anlage verwendet“. Tatsächlich wächst durchaus Klee in den Wiesen, auf denen zwischen den Spielbahnen Bäume stehen oder eine neu gepflanzte Reihe Schmetterlingssträucher. Im Herbst soll noch eine Obstplantage dazu kommen. Und zuletzt, im heißen Sommer, wurde das Gras nicht ratzekahl gemäht, damit es nicht komplett verbrannte.

Inzwischen frisst Reinhold Brot aus der Hand

Für all das werde er schon mal belächelt. Doch immerhin nutzen etwa 400 Mitglieder die Neun-Loch-Anlage des Golf-Clubs regelmäßig. Birgit Ehses von der Naturschutzgruppe Witten lobt Wilms’ Engagement: „Das hört sich doch alles gut an.“ Denn meist würden solche Flächen so intensiv gepflegt, dass sie Insekten nichts zu bieten haben.

Reinhold genießt derweil die trockenen Brötchen, die Wilms mitgebracht hat. Dafür überwindet der Bock auch seine Scheu und frisst Wilms brav aus der Hand.

>> INFORMATION

  • Soay-Schafe stammen von der schottischen Westküste. Sie müssen nicht geschoren werden. Auch die Klauen müssen nicht zurückgeschnitten werden.
  • Auch das Freizeitzentrum Kemnade setzt seit Frühjahr 2017 auf Schafe. Dort grasen aktuell 27 Rhön-Schafe rund um den See. „Ein gelungenes Projekt“, so Betriebsleiterin Franziska Weiße.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik