Polizei

Viele Wittener suchen ihre Fahrräder bei der Polizei

Eine lange Schlange bildete sich am Samstag vor der Wache. Die Resonanz auf die ungewöhnliche Aktion war groß.

Eine lange Schlange bildete sich am Samstag vor der Wache. Die Resonanz auf die ungewöhnliche Aktion war groß.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Mit einer ungewöhnlichen Aktion wollte die Polizei 70 gestohlene Räder an den Mann bringen. Die Nachfrage war groß, aber nicht alle hatten Glück.

Schon am Samstagmorgen war der Wartebereich der Polizeiwache in der Casinostraße voll. Nachdem Polizisten Mitte März 70 mutmaßlich gestohlene Fahrräder entdeckt hatte, durften nun alle Bürger auf die Wache kommen, denen vor dem Fundtermin ein Fahrrad gestohlen worden war.

Kriminalhauptkommissar Andreas Lolies (57): „So eine Maßnahme ist schon sehr außergewöhnlich.“ Doch die Aktion zeigt Wirkung: Seit Donnerstag vergangener Woche seien bereits über 100 Nachfragen per Mail und Telefon eingegangen. Das Hauptproblem: Die meisten Besitzer wüssten ihre Rahmennummer nicht. Dabei handelt es sich um eine einmalige Kombination aus Zahlen und Buchstaben, mit der jedes Fahrrad identifiziert werden kann. Sie ist meist am unteren Rahmenrohr nahe den Pedalen zu finden. Lolies: „Wenn die Rahmennummer nicht bekannt ist, ist die Chance gering, das Fahrrad wiederzubekommen.“

Die 70 Fahrräder stehen momentan auf dem Sicherstellungsgelände

Der Bürgertermin sei also für Leute gedacht, die keine Anzeige erstattet hätten oder die Rahmennummer nicht wüssten. Die 70 Fahrräder – einige davon noch in gutem Zustand – stehen momentan auf dem Sicherstellungsgelände. Der 57-jährige Kriminalhauptkommissar hat jedes Fahrrad einzeln fotografiert und die Fotos in einen Katalog zum Durchblättern eingeheftet. Dennoch: Ein „Trödelmarkt“ für neue und alte Räder sei die Aktion nicht – im Gegenteil: Die Leute müssen glaubhaft machen, dass ihnen das jeweilige Fahrrad auch tatsächlich gehört. Erst dann könne mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Fahrrad herausgegeben werden.

„Viele Leute hängen an ihren Rädern, verbinden viele Erinnerungen damit, unabhängig vom Preis“, sagt Lolies. So geht es etwa Bine Backhaus. Das Fahrrad hat sie nur schnell kurz an der Schule für ein Gespräch abgeschlossen – sieben Minuten später war es verschwunden. „Ich dachte erst, das ist ein Scherz“, sagt die 49-Jährige, der sehr viel an ihrem 30 Jahre alten „Steppenwolf“ gelegen ist. Der Warenwert: Nicht mehr als 200 Euro, schätzt Backhaus. Ihr „Angebot“ an den Täter: „Er kann es gerne wieder an die Hellwegschule stellen. Dann lege ich am nächsten Tag eine Schachtel Pralinen hin.“

Mehr Polizeipräsenz in den Abendstunden wünscht sich Linda Sonnenberg

Mehr Polizeipräsenz in den Abendstunden wünscht sich Linda Sonnenberg (25) aus Wengern, die mit ihren beiden Kindern Zoe (5) und Ava (3) auf die Wache gekommen ist. Ihrem Ehemann wurde das teure, neue E-Bike gestohlen. Besonders ärgerlich: Es ist „quietschgrün“, hätte also eigentlich auffallen müssen. „Vermutlich ist es schon gar nicht mehr in Deutschland.“ In Wengern trieben Jugendliche zuletzt verstärkt ihr Unwesen. In vielen Nächten gebe es Randale, vor allem jetzt in den Sommertagen. Und Fahrräder seien nicht das einzige Diebesgut in Wengern. Dass einem Rollstuhlfahrer der Rollstuhl gestohlen worden sei, das sei die Spitze der Dreistigkeit gewesen.

Ebenfalls kein Glück auf der Wache hat Mark Anthony – auch sein gestohlenes Fahrrad ist nicht unter dem im März entdeckten mutmaßlichen Diebesgut. Der 30-Jährige pendelt mit dem Zug nach Wuppertal und zurück mit dem Rad. Ketten, Reifen, Bremsen – alles war vorbereitet für die Sommersaison, als sein rotes Mountainbike geklaut wurde. Anthony zieht jetzt Konsequenzen: Zwei neue Schlösser, die nur mit dem Fingerabdruck entsperrt werden können.

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