Zeche Nachtigall

Vereinsmitglieder fördern mit heißem Herzen Bergbauhistorie

Ein Anziehungspunkt im malerischen Muttental: Das Museumsgelände von Zeche Nachtigall wird jedes Jahr auch von vielen auswärtigen Gästen besucht.

Ein Anziehungspunkt im malerischen Muttental: Das Museumsgelände von Zeche Nachtigall wird jedes Jahr auch von vielen auswärtigen Gästen besucht.

Foto: Hans Blossey

Witten.  Der Förderverein Zeche Nachtigall konnte in diesem Jahr 15-Jähriges feiern. Er hat über 140 Mitglieder – auch aus anderen Städten.

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Wer durch das malerische Muttental in Bommern wandert, könnte leicht vergessen, dass diese Idylle mal von knochenharter Arbeit geprägt war. Daran erinnern jedoch - zum Glück ohne romantische Verklärung – der bergbauhistorische Rundweg, das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall - und sein engagierter Förderverein. Der konnte in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiern.

„Als wir 2001 starteten, waren wir sieben, acht Personen. Gerade mal so viele, wie man für eine Vereinsgründung braucht“, erinnert sich Vorsitzender Matthias Kleinschmidt, den viele Wittener ja als Stadtkämmerer kennen.

Heute hat der Verein 145 Mitglieder. „Anfangs waren das hauptsächlich Wittener. Doch dann kamen immer mehr Auswärtige hinzu“, ergänzt Michael Peters, der als Leiter des Industriemuseums Zeche Nachtigall selbstverständlich zu den Gründungsvätern des Vereins gehört. Der zieht längst Bergbaufans aus allen Himmelsrichtungen an – sei es aus Recklinghausen, Bochum, Castrop-Rauxel oder Hagen. Ein Mitglied kommt sogar aus Wilhelmshaven.

„Der Verein setzt sich aus Menschen zusammen, die an der Industrie- und Regionalgeschichte interessiert sind. Hinzu kommen die Traditionalisten, ehemalige oder noch aktive Bergleute. Und dann gibt es die Leute mit ganz speziellem Bommeraner Ortsbezug“, umreißt Kleinschmidt. „Nicht zu vergessen einige geologisch Interessierte“, ergänzt Peters. So bunt wie die Mitgliederschaft, so wechselvoll ist die Geschichte des Museumsstandortes: „Der spiegelt auch den Strukturwandel des Ruhrgebiets. Denn Nachtigall war erst Zeche, dann Ziegelei, Sandsteinbetrieb, sogar mal Schrottplatz und heute Museum und Freizeitpark“, charakterisiert Matthias Kleinschmidt das Areal.

Bereits in den 1970er Jahren hatte die Stadt und dann auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das Gelände gesichert. „Sie haben es recht früh als Wahrzeichen der Industrie- und Ortsgeschichte wahrgenommen und langfristig zum Museum ausgebaut. Diese Erkenntnis war in der damaligen Zeit eher ungewöhnlich, in der Bergbau- und Schwerindustrierelikte im Revier eher abgerissen wurden“, unterstreicht Museumschef Peters.

Um so erfreulicher, dass sich der Förderverein auf die Fahne geschrieben hat, die für das Ruhrgebiet so prägende Zeitgeschichte zu erhalten. So sind die Mitglieder beispielsweise bei Veranstaltungen auf dem riesigen Nachtigall-Gelände vom Ökomarkt bis zum Muttentalfest mit ihrem Stand vertreten. Anfangs haben sie bei solchen Veranstaltungen auch die Gastronomie gestemmt. „Für unseren Stand haben wir mal von einem Sammler Dampfmaschinenmodelle gekauft. Denn wenn sich was dreht und bewegt, kommen die Leute eher, als wenn man Vereinsflyer hochhält“, erklärt Kleinschmidt den pfiffigen Verführungstrick.

Die Modelle sollen auch neugierig auf die riesige historische Dampfmaschine machen, die im Museum selbst steht. Sie wird regelmäßig angeworfen – eine Attraktion für die Besucher. Der Verein fördert aber auch Buchprojekte. Wie etwa die seines Wittener Mitglieds Gerhard Koetter, ein über die Stadtgrenzen hinaus bekannter Experte der Bergbauhistorie (Buchbeispiele: „Steinkohle unter Witten“, „Bergbau und Geologie im Muttental“). Aber auch für Handfestes wie den Piratenmast, ein großes Klettergerüst auf dem Museumsspielplatz, wird das Vereinssäckel geöffnet.

Auch finanzielle Projektunterstützung durch größere Firmen oder Stiftungen bahnen die Mitglieder an: „Große Ausstellungen wie die ,Unterwelten – Vorstoß ins Ungewisse. 300 Jahre Bergbau im Hetberg’ wären ohne den Förderverein nicht möglich gewesen“, betont Museumschef Peters. Für jene Schau beispielsweise warb der Verein eine fünfstellige Summe von der NRW-Stiftung ein.

Rund 40 000 Besucher pro Jahr auf Nachtigall

Aber auch an einer der Hauptattraktionen des Museumsgeländes, der Freilegung des Stollensystems durch den Hetberg und der Führung durch das Besucherbergwerk waren und sind Vereinsmitglieder maßgeblich beteiligt. Der Hauptweg, also der Nachtigallstollen, führt vom Museumsgelände durch den Berg ins zentrale Muttental. Aus dem dortigen Steinbruch wurde einst Schieferton durch den Gebirgszug auf das heutige Museumsgelände transportiert, wo die Ziegelei Dünkelberg daraus überaus lukrativ Steine, etwa für den Haus- oder Fabrikhallenbau, brannte. Seit 1987 führten dann ehemalige Bergleute die Besucher durch den Nachtigallstollen. Seit 2001 wurden schließlich auch seine Nebenstollen, wie der Geitling- oder der Dünkelbergstollen freigelegt, aus denen einst wirklich Kohle gefördert wurde.

Heute zählt das Besucherbergwerk zu den Gästehits, lockt etwa 15 000 Besucher pro Jahr. „Es ist eines von zwei authentischen Bergbaudenkmälern, die man heute noch täglich im Ruhrgebiet befahren kann“, erzählt der Museumschef nicht ohne Stolz.

Rund 40 000 Gäste hat das gesamte Nachtigall-Museumsgelände jedes Jahr. Und vielleicht sind ja unter ihnen schon die jungen Fördervereinsmitglieder von morgen.

Kontakt:Tel. 581-1020 oder -21 (Matthias Kleinschmidt) oder 936640 (Museum Zeche Nachtigall).

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