Bunter Kreis

Verein hilft beim Übergang vom Klinikbett ins Kinderzimmer

Die Zwillinge Mats und Keke kamen als Leichtgewichte auf die Welt. Ihre Eltern haben die Hilfe des Bunten Kreises EN in Anspruch genommen.

Die Zwillinge Mats und Keke kamen als Leichtgewichte auf die Welt. Ihre Eltern haben die Hilfe des Bunten Kreises EN in Anspruch genommen.

Witten.  Der Bunte Kreis betreut Familien nach dem Krankenhausaufenthalt zu Hause. Im EN-Kreis gab es jetzt den 100. kleinen Patienten.

Der kleine Luca ist unheilbar krank. Bei der zwölfjährigen Lilli wurde Diabetes festgestellt. Jakob und sein Zwillingsbruder Emil sind erst vor Kurzem zu früh auf die Welt gekommen. Sie alle stellen ihre Eltern vor große Herausforderungen – vor allem, wenn es nach der Rundum-Versorgung in der Klinik nach Hause geht.

Damit diese Familien nicht auf sich allein gestellt sind, hilft ihnen der „Bunte Kreis“. Seit zwei Jahren ist diese Initiative auch im EN-Kreis aktiv. Jetzt wurde gerade das 100. Kind in die Betreuung aufgenommen.

Schon während Klinik-Aufenthalt wird Übergang ins Kinderzimmer vorbereitet

Schon während des Aufenthaltes in der Klinik bereiten die Mitarbeiterinnen den Übergang vom Krankenbett ins Kinderzimmer vor, damit das Leben zu Hause ebenso gut organisiert weitergeht. „Viele Familien landen sonst schnell wieder im Krankenhaus“, sagt Dr. Sassa von Roehl (57), die beim Bunten Kreis für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Zum Team, das sich um die sozialmedizinische Nachsorge kümmert, gehören Kinderkrankenschwestern, Therapeutinnen, Psychologinnen und Logopädinnen sowie ein ganzes Netzwerk an Experten und Organisationen. In jedem Fall wird individuell entschieden, was die Familie benötigt, um langfristig auch ohne fremde Unterstützung zurecht zu kommen. „Manche brauchen Hilfe bei der seelischen Aufarbeitung des Geschehens, manche nur beim Antrag für einen Rollstuhl oder eine Haushaltshilfe“, zählt die Sprecherin auf.

Ganze Familie steht im Mittelpunkt

Doch nicht nur das kranke Kind steht im Mittelpunkt, sondern die ganze Familie: „Wir gucken auch, dass die Geschwisterkinder nicht zu kurz kommen, und achten darauf, dass die Ehe die Situation aushält.“ Lediglich 20 Stunden dieser Betreuung zahlen die Krankenkassen, „doch unsere Mitarbeiter gucken nicht auf die Uhr“. Deshalb ist der Bunte Kreis auf Spenden angewiesen.

Unzählige Patientengeschichten hat Sassa von Roehl schon aufgeschrieben. „Und jede ist anders.“ Doch alle zeigen, wie wertvoll die Arbeit des Bunten Kreises ist. „Wenn ich sehe, wie die Kinder sich weiterentwickeln und was für tolle Kämpfer das sind, das ist umwerfend. Die geben alles und wollen leben“, erklärt die Sprecherin ihre Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren. Und: „Ich wollte schon als Studentin Kampagnen machen für eine bessere Welt.“

Kaum eine Familie lehnt Hilfe ab

Auch Dr. Dörte Hilgard, Kinder- und Jugendärztin am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und Ärztliche Leiterin des Bunten Kreises Ennepe-Ruhr, erlebt häufig, „wie dankbar die Eltern sind“. Kaum eine Familie lehne die angebotene Hilfe ab – nur wüssten noch viel zu wenige, dass es sie gibt.

Die Eltern des kleinen Luca haben inzwischen mit dem Bunten Kreis eine Pflegestufe für ihren Sohn beantragt und einen täglichen Pflegedienst organisiert. Lilli hat nun eine Insulinpumpe, die sie selbst bedienen kann. Und die Eltern der beiden Frühchen Jakob und Emil sind froh, jemanden an ihrer Seite zu haben, der ihnen bei der Versorgung der Kleinen hilft.

>> FAKTEN

Der Verein Pro Kid, der seinen Sitz in Herdecke hat, ist Träger des Bunten Kreises Ennepe-Ruhr. Er kooperiert mit den Kinderkliniken des Marien-Hospitals und des Herdecker Krankenhauses.

Bunte Kreise – das Logo zeigt einen Kreis bunter Menschen – gibt es seit den 80er Jahren deutschlandweit, aber nicht flächendeckend. Weitere Info: www.prokid-herdecke.de

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