Überzeugendes Musical um Liebe und Verrat

Ein ungewöhnliches Musical hat den Weg in den Saalbau gefunden: Die Kammeroper Köln überzeugte eindrucksvoll mit „Barricade“.

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Ein ungewöhnliches Musical hat den Weg in den Saalbau gefunden: Die Kammeroper Köln überzeugte eindrucksvoll mit „Barricade“.

Barrikaden können Menschen trennen, etwa die Wohlhabenden von den Besitzlosen. Manchmal werden sie aber auch zur Überwindung von sozialen Ungerechtigkeiten gestürmt. Der Pariser Juniaufstand von 1832, bei dem die Republikaner gegen das royalistische System rebellierten, ist ein solches Beispiel. Vor diesem Hintergrund hat Komponistin Esther Hilsberg in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Holger Potocki „Barricade“ komponiert und im November 2016 uraufgeführt. Grundlage der Handlung war der berühmte Roman „Les Miserables“ von Victor Hugo.

Befürchtungen, diese „taufrische Musik“ könnte mit schwer verständlichen modernen Elementen oder dissonanten Tonfärbungen überfrachtet sein, erwiesen sich als grundlos. Im Gegenteil. Hilsbergs Musik gefiel durch den großen Melodienreichtum im althergebrachten Musicalstil sowie durch eine enorme, der jeweiligen Handlung angepassten Aussagekraft. Leider war der Saalbau am Sonntagabend nur zur Hälfte gefüllt.

Das Orchester der „Kölner Philharmoniker“ unter der temperamentvollen Leitung von Inga Hilsberg zeigte sich in bester Spiellaune und bildete die musikalische Grundlage für das dramatische Bühnengeschehen. Das Spiel um Liebe, Hass und Verrat vor dem Hintergrund des historischen Aufstandes wurde von einem in allen Rollen gut besetzten Team überzeugend dargestellt.

In den Hauptrollen glänzten besonders Cosette (Marilyne Bäjen), ihr Verehrer Marius (Alexander Sasanowitsch) und der boshaft diabolische Gegenspieler Javert (Pieter Tredoux). Die Liebesduette zwischen Cosette und Marius gefielen durch Melodienreichtum sowie eine zarte und stimmungsvolle Orchesterbegleitung. Die knallharte und befehlsgewohnte Tenorstimme von Javert klang furchterregend in ihrer abgrundtiefen Boshaftigkeit.

Das Bühnenbild bestand – passend zum Geschehen – nur aus Barrikaden, welche von den Darstellern entsprechend der jeweiligen Handlung ständig verschoben wurden. Besonders die Kampfszene im zweiten Teil zog die Zuhörer mit dramatischem Bühnengeschehen und einer aufwühlenden Musik in ihren Bann. Insgesamt war die Aufführung stimmig und wurde mit verdientem Beifall belohnt.

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