Reformationsjubiläum

Über 600 Menschen feiern Luther in Wittener Erlöserkirche

„Bin so frei“: Mit diesem Slogan wurden die Erlöserkirche und andere Gotteshäuser im Evangelischen Kirchenkreis am Dienstagabend angestrahlt.

Foto: Barbara Zabka

„Bin so frei“: Mit diesem Slogan wurden die Erlöserkirche und andere Gotteshäuser im Evangelischen Kirchenkreis am Dienstagabend angestrahlt. Foto: Barbara Zabka

witten.   Die Erlöserkirche platzte aus allen Nähten, als über 600 Menschen das Reformationsjubiläum und gleichzeitig das Ende des Lutherjahres feierten.

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Natürlich stand er im Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum Reformationstag in und um die Erlöserkirche: Martin Luther, der der Legende nach vor 500 Jahren seine Kritik an der Kirche in Form von 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll. Über 600 Christen feierten am Dienstagabend in Annen mit.

„Wir sind alle nach einem Jahr etwas überluthert...“

Luther im Lied, Luther in der Predigt, Luther als Playmobil-Figur im Altarraum, Lutherbier und Lutherbonbons: Kein Wunder, dass Superintendentin Julia Holtz schon im Vorfeld geschmunzelt hatte: „Wir sind alle nach einem Jahr etwas überluthert…!“ sagte sie.

Doch wer genauer hinsah – und das taten wohl die meisten der vielen Gäste in der übervollen Kirche –, der merkte schnell, dass es nicht um Personenkult geht, sondern um eine Haltung, die die Kirche, die Bildung und letztlich das ganze Land und den Kontinent verändert hat: die Reformation.

„Zur Freiheit hat Christus uns befreit! So steht nun fest und lasst Euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ So schreibt es Petrus im Galaterbrief, den Uwe Schulz ins Zentrum seiner Predigt stellte. Neuneinhalb Thesen („für 95 fehlt uns die Zeit“) entwickelte der WDR-5-Moderator aus diesem Versprechen – und nicht alle waren leicht verdaulich. Dass Freiheit Angst macht und dass aus ihr keineswegs ein Freibrief abzuleiten sei, sondern vielmehr eine große Verantwortung, dem mochten die trotz der Länge des fast zweistündigen Gottesdienstes aufmerksam zuhörenden Besucher wohl zustimmen.

Schulz kritisierte selbst gemachte Gerechtigkeit als größte Geißel der Menschheit – und fand fast dieselben Worte wie vormittags im zentralen NRW-Gottesdienst die Präses der Ev. Kirche von Westfalen, Annette Kurschus. Und er äußerte, wenn auch verhalten, Kritik an Religion, die ihre Berechtigung aus der Abgrenzung von anderen ableitet. Wer diesen Gedanken zuende denken wollte, musste wohl auch sein eigenes Handeln auf den Prüfstein und vielleicht sogar in Frage stellen.

In bester protestantischer Tradition war zwar das Wort das Zentrum des Gottesdienstes. So prägten ihn Gedanken zur Reformation im Dialog mit der Ökumene – vertreten durch Pfarrer Friedrich Barkey aus der katholischen St.-Mariengemeinde und Reverend Canon Geoffrey Harbord von der Diocese of Sheffield - und vorgetragen durch die heimischen Pfarrer. Doch ebenso wichtig – und damit in bester Luther-Manier – war die Musik.

Neben Kreiskantor Hans Wilfrid Richter und den Posaunenchören des Kirchenkreises Hattingen-Witten unter der Leitung von Jan Philipp Walter bereicherten die Solosängerin Njeri Weth und der Pianist Markus Wentz die Feier. Und ja: „Ein fester Burg ist unser Gott“, der Luther-Hit schlechthin, durfte an diesem Abend nicht fehlen. Die Bläser hatten ihn kräftigt entstaubt und trugen ihn in swingend vor.

Lutherbier und Poetry Slam

Nach dem Gottesdienst blieben viele Besucher trotz der vorgerückten Stunde noch bis weit nach 22 Uhr, um rund um die erleuchtete Erlöserkirche beim letzten Lutherbier oder einer Lutherbrause miteinander ins Gespräch zu kommen, der Band „RiseUp“ aus Herbede und Poetry Slam zu lauschen und schließlich mit Pfarrer Johannes Ditthardt zu singen, bevor Superintendentin Julia Holtz den Abend und damit das Jubiläumsjahr mit einem Abendsegen beendete.

Sie alle konnten beschwingt in die Nach-Jubiläumszeit gehen mit einem Versprechen aus der Predigt: „Das Reich Gottes ist schon hier – und nicht die Quittung, die es am Ende des Lebens gibt, wenn Du alles richtig gemacht hast!“ Ein passender Gedanke für den zuende gehenden Feiertag, das Jubiläumsjahr und die Lutherdekade. „Einfach frei!

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