Freizeit

Über 2000 Besucher drängeln sich auf sechstem Tummelmarkt

Beim Tummelmarkt stehen die Sofas mitten auf dem (Park-) Platz:  Anja Engst (21), die in Witten studiert und eigentlich aus Hamburg kommt, und Domenec Sanz (28) aus Berlin machen es sich bequem.

Beim Tummelmarkt stehen die Sofas mitten auf dem (Park-) Platz: Anja Engst (21), die in Witten studiert und eigentlich aus Hamburg kommt, und Domenec Sanz (28) aus Berlin machen es sich bequem.

Foto: Biene Hagel

Witten.   Mehr als 2000 Menschen haben den sechsten Tummelmarkt im Wiesenviertel besucht. Es war gemütlich und lebendig. Dabei hing er am seidenen Faden.

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Wir sind noch nicht um die Ecke gebogen, da trägt der Lautsprecher schon die starke Stimme von Linda zu uns herüber. Ein bisschen rauchig, ein bisschen was von Janis Joplin, herrlicher Rock, mal melancholisch, mal anklagend, es geht jedenfalls unter die Haut. Dann sehen wir auch schon die beige-braune Zeltstadt, die ein bisschen an Wüsten-Camp erinnert, wären da nicht all die in Wolle und Filz gekleideten hippen und hübschen Großstadtmenschen, die sich mitten auf dem Humboldtplatz in abgesessenen Sofas und Sesseln lümmeln: Keine Frage, es ist Tummelmarkt im Wiesenviertel.

Der Besucher fühlt sich gleich beim Ankommen wohl, obwohl er zum ersten Mal an diesem Markt mit Wohnzimmer-Atmosphäre teilnimmt und das Gedränge groß ist. Das hat hier viel von Wiesenviertel-Szene, aber die Studenten wollen keineswegs unter sich bleiben. „Hier kennt man keinen Menschen“, spricht mir Sabine aus Bommern zwar aus dem Herzen, „aber das lässt sich ja ändern.“ Die Freundin ist ja auch dabei, Terrier Duke ebenfalls, und den Rest müssen wir eben alleine schaffen.

Endlich jemanden getroffen

Da, der Klassenlehrer unseres Sohnes. Wer sagt’s denn. Der Mann kommt ursprünglich aus Hamburg, er kennt Witten seit über 15 Jahren. Die Stadt sei jünger geworden, sagt er vor der Bühne, wo sich gerade viele Eltern und noch mehr Kinder niederlassen. Dazu dürfte nicht zuletzt das Wiesenviertel mit seiner jungen Szene beigetragen haben. Man sollte sich nur hüten zu glauben, das sei Witten. Es ist ein kleiner Ausschnitt davon. Wer später bei Kaufland einkaufen geht, fühlt sich wie in einer anderen Welt.

Zurück zum Tummelmarkt. Den Sponsoren danken die Veranstalter auf einer Tafel gleich neben der Bühne. „Ohne Euch könnten wir nicht mehr tummeln.“ Diese sechste Ausgabe hing bekanntlich am seidenen Faden, bis dann doch noch zwei Geldgeber einsprangen, so dass nun auch die siebte und achte Markt-Nummer im Sommer und Herbst gesichert sind. „Aber wir suchen weitere Sponsoren“, sagt die Mitorganisatorin Lisa-Marie Wagner (26). „Wir wären froh, wenn wir unsere Helferlein auch mal bezahlen könnten.“ 15 Leute umfasst das ehrenamtliche Team. Natürlich entrichten die 20 bis 30 Händler Standgebühren. Aber diese decken nicht die Ausgaben von rund 6500 Euro

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Die Standbetreiber dürften jedenfalls auf ihre Kosten gekommen sein. Für die Burger der Kulturkneipe Knut’s stehen die Menschen Schlange. „Das sind die besten Burger überhaupt“, sagt Johanna (25) und kaut genüsslich. Daneben gib’ts (ganz neu) Asiatisches. Michael (34) aus Wengern lässt sich vegetarische Sushi schmecken. Alina (23) befüllt hinterm Tresen Teigtaschen, mal mit Rindfleisch, mal mit Feta-Käse oder Paprika. Hinter ihr brutzelt das Fett in der Fritteuse.

Wer es sich nicht gerade auf einem der Holzklappstühle in der Platzmitte oder einem der alten Sofas oder Sessel bequem macht, bummelt entspannt an den Ständen entlang. Da gibt es lange Lakritze aus Schweden, gefüllte Pralinen aus Rüdinghausen, Olivenöl aus Griechenland, Mützen aus dem Johannisviertel, Würste aus der Provence und Schnaps aus Honiggläsern, wie er zu Zeiten der Prohibition in Amerika gebrannt wurde. Dazu Schmuck und Holzarbeiten, Selbstgestricktes aus Wetter oder Bärlauch-Pesto vom Gärtnerhof des Waldorf-Instituts am Annener Berg.

Kehren wir zur Bühne zurück, wo gerade „The Two Tongue Clan“ das Publikum mit „Akustik-Straßenranz- & Rotz-Chansons“ unterhalten hat. Es ist mittlerweile halb fünf, schon seit Stunden drängen sich die Besucher auf dem Platz. Die umliegenden Straßen bleiben diesmal außen vor, das war den Veranstaltern zu viel geworden. So konzentriert sich alles auf den Humboldtplatz. Irgendwann kommt sogar die Sonne raus. Höchste Zeit für eine der letzten Gruppen, „Verlian“, zwei junge Männer aus Meck-Pomm, „Barfuß am Klavier“ anzustimmen

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