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Tochter schenkt Vater ein privates Garagen-Konzert in Witten

Der Wuppertaler Sänger Thorsten Willer (Mi.) mit dem Wittener Geburtstagskind Gerhard Beyer (69, re.) und dessen Tochter Bianca Gerland. Das Foto entstand in der Garage der Familie Beyer an der Straße Auf dem Kamp.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Der Wuppertaler Sänger Thorsten Willer (Mi.) mit dem Wittener Geburtstagskind Gerhard Beyer (69, re.) und dessen Tochter Bianca Gerland. Das Foto entstand in der Garage der Familie Beyer an der Straße Auf dem Kamp.Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.   Bianca Gerland aus Witten hat ihrem Vater einen Sänger zum Geburtstag geschenkt. Liederschreiber Thorsten Willer trat in der Familien-Garage auf.

Sanft zupft er die Saiten seiner akustischen Gibson-Gitarre. Rau klingt seine Stimme, wehmütig die Worte. „Verzicht“ heißt das Lied, das der Sänger und Liederschreiber Thorsten Willer am Ostersonntag zum Besten gibt. Gerhard Beyer, für den er singt, sitzt entspannt da und lauscht versonnen der Musik. In ein paar Stunden hat der Wittener Geburtstag, seinen 69.

Es ist schwer zu sagen, wem Bianca Gerland an diesem Tag die größere Freude bereitet hat – sich selbst oder ihrem Vater Gerhard. Aber das ist eigentlich auch egal. Bianca ist ein Fan von Thorsten Willer. Ihrem Vater hat sie eine CD des Wuppertalers vorgespielt. Die fand er gut. „Ich mag das, er singt auf Deutsch, hat eine angenehme Stimme und begleitet sich selbst auf der Gitarre“, sagt der noch 68-Jährige.

Zur Musik gibt’s „Igel“ aus Frikadellen und Käse

Vater und Tochter freuen sich über das Geschenk. Und 16 Gäste – Verwandte, Freunde und Gerhard Beyers Ehefrau Regine. Für die Gage des Musikers haben alle zusammengelegt. Thorsten Willer ist ein großes Dankeschön an den Vater. Denn Bianca Gerland ist schwerbehindert. Immer wieder hat ihr Vater die 43-Jährige zu den Konzerten Willers gefahren. Sie und Willer kennen sich mittlerweile persönlich. Als er zur vereinbarten Zeit zur Geburtstagsfeier kommt, duzen sich die beiden.

Die Garage, in der Willer das Privatkonzert gibt, wird zu feierlichen Angelegenheiten zur Partyscheune umfunktioniert. Es gibt eine Küche, einen Kühlschrank, bunte Lampions hängen von der Decke, farbenfrohe Bilder an den Wänden. Eine kleine BVB-Fahne steht auf einem Sims. Auf der Theke warten Leckereien auf die Gäste: „Igel“ aus Frikadellen, Weintrauben und Käse sowie Schinken und Spargel. Wenn nicht gefeiert wird, kommt das Auto in die Garage. Früher hat hier Opa Heinrich Zöllner gebacken. Der Mann war von Beruf Bäcker und Konditor.

Neues Album ist gerade erschienen

Sänger Thorsten Willer sitzt auf einem Stuhl. Sein Privatkonzert dauert 75 Minuten. Er trägt eine schwarze Hose, ein Jeanshemd und einen Hut. Wenn Willer seine oft melancholischen Lieder singt, schließt er dabei manchmal die Augen. Seine Songs tragen Titel wie „Die Schwebe“ oder „Hallo, wie geht’s Dir?“. Sein neues Album „Zeitlos“ ist gerade erschienen. Willer ist gut. Er spielte bereits im Vorprogramm des deutschen Popmusikers Laith Al-Deen und der Rockband Revolverheld sowie anderer Stars.

An einer Wand hängt ein Poster des Sängers – speziell zu diesem Anlass. „Das hängt sonst an meiner Schlafzimmertür“, sagt Bianca Gerland. „Nach dem Konzert wird’s auch wieder abgehängt und kommt zurück“, scherzt sie. Alle sind still, hören der Musik zu. Thorsten Willers Lieder haben Inhalte. Mitunter wird mitgeklatscht, wenn auch zaghaft. Bei peppigeren Rhythmen „trommelt“ der Beschenkte Gerhard Beyer mit der Handfläche auf seinen rechten Oberschenkel. „Das war eine richtig gute Idee von Bianca“, sagt er.

Neben der Tür hängt ein „Klimbim“, ein sogenanntes Gefühlsthermometer. „Meine seelische Stimmung“ wird mit einem Zeiger verkündet, erzählt Beyer schmunzelnd. Der Zeiger steht auf „gutmütig“. Dann wird er nach ganz oben verschoben, steht auf „liebevoll“.

>>> PRIVATE KONZERTE MIT PROMINENTEN

  • Es ist gar nicht so lange her, da ließ sich Popstar Elton John („Candle in the wind“) versteigern. Für 190 000 Euro gab der Engländer ein Privatkonzert, das Geld kam einem guten Zweck zugute. Auch Justin Timberlake, Rihanna oder Madonna geben Privatkonzerte. In der Regel für eine fürstliche Gage, versteht sich.

  • Es geht auch eine Nummer kleiner. Sogenannte „Wohnzimmerkonzerte“ sind derzeit angesagt. Thorsten Willer bekommt solche Anfragen oft über Facebook. Ein Düsseldorfer Bassbariton hat unlängst für einen Bochumer ein solches Konzert gegeben. Der Sohn des Bochumers fragte beim Sänger per Mail an.

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