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Talentscout hilft Wittener Gymnasiasten

Dr. Norbert Kiesow (li.), Leiter des Wittener Albert-Martmöller-Gymnasiums, und Oberstufen-Koordinator Matthias Albrecht (2.v. li.) freuen sich mit Schülern darüber, dass das AMG jetzt beim Talentscouting mitmacht.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Dr. Norbert Kiesow (li.), Leiter des Wittener Albert-Martmöller-Gymnasiums, und Oberstufen-Koordinator Matthias Albrecht (2.v. li.) freuen sich mit Schülern darüber, dass das AMG jetzt beim Talentscouting mitmacht.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Witten.   Talente am Albert-Martmöller-Gymnasium suchen und fördern. Dies ist ab sofort die Aufgabe von Julia Zielberg (32) von der Ruhr-Uni Bochum.

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Das Abitur, der Besuch einer Universität – ein Bildungsweg, der immer noch stark von der Herkunft eines Menschen abhängt. Das Wissenschaftsministerium in Düsseldorf macht sich für mehr Chancengleichheit stark und fördert sogenannte Talentscouts an NRW-Hochschulen. Diese besuchen Berufskollegs, Gesamtschulen und Gymnasien im Land, um Talente zu finden und zu fördern. Jetzt auch am Albert-Martmöller-Gymnasium.

Von 100 Kindern aus Akademiker-Familien studieren rund zwei Drittel, von 100 Arbeiterkindern studiert nur rund jedes fünfte Kind – zeigen Studien. Jugendliche scheitern beim sozialen Aufstieg nicht, weil es ihnen an Intelligenz oder Fleiß mangelt, sondern an Vorbildern in der Familie, an Geld, an emotionalem Rückhalt, an Orientierung, oder weil sie zuhause schlicht keinen Platz und keine Ruhe zum Lernen haben. Hier wollen Talentscouts helfen, praktische Hilfestellungen leisten, Mut zusprechen. Schulen des EN-Kreises werden von Scouts der Bochumer Ruhr-Uni und der Hochschule Bochum betreut.

Schüler mit großem Potenzial

Für das Albert-Martmöller-Gymnasium hat Schulleiter Dr. Norbert Kiesow am Montag einen Talentscouting-Vertrag unterschrieben. Kiesow weiß, dass es auch an seinem Gymnasium Schüler gibt, „die ein großes Potenzial haben, aber von zu Hause wenig Unterstützung erfahren – aus den unterschiedlichsten Gründen“. Der Schulleiter hat die Lehrer, die in der Oberstufe unterrichten, gebeten, zu überlegen, wer für ein Talentscouting infrage kommt. „Schüler können sich aber auch selbst melden und sich in eine Liste eintragen, die im Sekretariat ausliegt.“

Einmal monatlich wird Julia Zielberg vor Ort sein und in einer Sprechstunde Schüler-Fragen beantworten. Die 32-Jährige weiß Rat oder kennt jemanden, der weiterhilft, wenn es um Themen geht wie eine Studien-Finanzierung, Stipendien oder Fragen der Art: Wofür habe ich überhaupt Talent? Was ist beim Jura- oder Medizin-Studium zu beachten? Wann gibt es Schnuppertage an der Uni?

Eine Orientierung im Informations-Dschungel

Ganz wichtig: Die Begleitung eines Schülers durch einen Talentscout hört nicht beim Abi auf, sondern dieser ist für ihn auch im Studium da, wenn es Fragen oder Probleme gibt oder einfach Zuspruch vonnöten ist. „Wir möchten aber nicht jeden zu einem akademischen Beruf überreden. Wir kennen auch die Ansprechpartner, wenn jemand etwa eine bestimmte Ausbildung machen möchte“, stellt Scout Julia Zielberg klar.

Dass eine gute Beratung im heutigen Informations-Dschungel, den das Internet anbietet, Gold wert ist, weiß auch AMG-Schulleiter Kiesow. „Wir sind eine G8-Schule.“ Die Absolventen seien jünger als früher. Da wisse so mancher Abiturient noch nicht, welchen beruflichen Weg er einmal einschlagen wolle.

Auch das Berufskolleg lässt sich beraten

Neben dem AMG lassen sich auch das Wittener Berufskolleg und die Gesamtschulen Hardenstein und Holzkamp von Talenscouts der Ruhr-Uni beraten. Olaf Schmiemann, Leiter des Berufskollegs: „Uns ist wichtig, dass diese Beratung auch Schülern offensteht, die einen Hauptschulabschluss erreichen.“ Der Terminplan von Talentscout Jelena Jojevic an seiner Schule sei voll.

Was auch die Holzkamp-Gesamtschule bestätigt. Bei den Hardensteinern werden derzeit zehn Schüler von einem Talentscout begleitet. „Die Scouts sind innerhalb der Hochschulen in NRW gut vernetzt und auch bei der Ausbildungsplatzsuche behilflich“, freut sich Sabine Pohl, Studien- und Berufswahl-Koordinatorin der Hardenstein-Gesamtschule.

>>> LAND FÖRDERT TALENTSCOUTS MIT 30 MILLIONEN EURO

Die Ruhr-Universität Bochum beteiligt sich am Talentscouting-Programm des NRW-Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung. Das Projekt fördert Schüler aus Nichtakademiker- und Zuwandererfamilien.

In NRW beteiligen sich 14 Hochschulen am Talentscouting. Das Land stellt für den Zeitraum 2014-2020 für die Hochschulen und den Aufbau des Zentrums für Talentförderung (Gelsenkirchen) rund 30 Millionen Euro zur Verfügung.

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