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Studie an Wittener Schülern: So werden sie besser in Mathe

Haben ihre Fragebögen ausgefüllt: Terese, Emilie und Mia aus der 5d mit Testleiterin Sinje Marx.

Haben ihre Fragebögen ausgefüllt: Terese, Emilie und Mia aus der 5d mit Testleiterin Sinje Marx.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Mehr Motivation gleich bessere Leistungen? Eine Studie will herausfinden, wie Schüler selbstbewusster und damit besser in Mathe werden können.

Morgens um 10 Uhr in der 5d der Holzkamp-Gesamtschule: Die neuen Fünftklässler brüten über Matheaufgaben. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber heute sind sie damit Teil einer Studie. In insgesamt 18 Schulen in ganz NRW füllen Schüler einen Fragebogen aus: Rechenaufgaben, Denksport, persönliche Daten. Die Studie vom Forschungsbereich des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration steht noch ganz am Anfang. Am Ende soll ein Werkzeugkasten stehen, mit dessen Hilfe Lehrer die Leistungsmotivation ihrer Schüler steigern können.

Selbstbestätigung für besseres Lernen

Grundlage der Studie ist die „sozialpsychologische Selbstbestätigungstheorie“, die besagt: Die vorhandene Motivation der Menschen wird durch Erfolgserlebnisse und daraus entstehendes Selbstvertrauen gestärkt. Seit vielen Jahren wird diese Theorie an der Stanford University in den USA erforscht. Dort wurden bereits Strategien entwickelt, mit denen Schüler ihre besten Leistungen in Prüfungssituationen auch tatsächlich abrufen können. In Deutschland wird das Konzept erst seit einiger Zeit beforscht.

Vor drei Jahren wurde die jetzt hier in Witten erprobte Methode bereits an einer Berliner Sekundarschule getestet – mit dem Ergebnis: Die Leistung der Schüler stieg. „Als weiterführende Schule müssen wir eine gute Lernatmosphäre schaffen, in der unsere Schüler gefordert und gefördert werden“, sagt Thomas Högemann, didaktischer Leiter der Holzkampschule. Als er von der neuen Studie des Forschungsbereichs beim Sachverständigenrats erfuhr, war er begeistert: „Von so einem Projekt kann man als Schule nur profitieren.“

An der Holzkampschule nehmen alle fünften Klassen an der Studie teil, die Ende 2020 veröffentlicht werden soll. An drei Testtagen füllen die Schüler dafür Fragebögen aus. Abgefragt wird neben den Mathe-Kenntnissen auch das persönliche Wohlbefinden, die soziale Herkunft und die Motivation der Kinder. Anhand von den Angaben wie Geschlecht, Herkunft und Alter können die Wissenschaftler ermitteln, „für welche Kinder die Methode besser und für welche weniger gut funktioniert“, erklärt Projektleiterin Ritva Grießig.

Matheaufgaben fallen Fünftklässlern schwer

„Wir haben beobachtet, dass die Leistungen von Schülern nach dem Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule oft abfallen“, berichtet Grießig. Ziel ihres Projektes ist es, die Motivation der Schüler in der fünften Klasse aufrecht zu erhalten. Auch Högemann erhofft sich, dass die Schüler in Zukunft selbstbewusst an Klassenarbeiten und Tests herangehen: „Eine Prüfungssituation sorgt immer für einen gewissen Druck, aber zu viel Nervosität schränkt die Leistungsfähigkeit ein.“

Mit den Matheaufgaben kommen die Fünftklässler heute unterschiedlich gut zurecht: „Einige Aufgaben waren echt schwer“, sagt Emma (11). Brayn (10) findet die vielen Aufgaben langweilig: „Ich habe einige Seiten vom Test übersprungen. Wir hatten auch nicht so viel Zeit.“ Paulina (10) kam mit den Aufgaben gut zurecht: „Nur bei einer habe ich über die Ferien vergessen wie das geht.“ Ihre eigenen Ergebnisse erfahren die Kinder nach der Auswertung nicht, alles ist anonym. Als Dankeschön bekommen sie nach dem Test eine Metall-Knobelei geschenkt.

Als nächstes wird dann eine Mathearbeit geschrieben, die wie immer von den Lehrern selbst erstellt wird. Der Unterschied: Bevor es an die Aufgaben geht, bekommen die Schüler eine kreative Schreibaufgabe. Laut Ritva Grießig trägt diese nachweislich zum Stressabbau und zur Entspannung bei den Schülern bei. Und: an die darauf folgende Klassenarbeit gehen die Schüler dann mit mehr Motivation.

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