Geschichte

Stolpersteine in Herbede erinnern an zwei jüdische Familien

Der Künstler Gunter Demnig erinnert in ganz Europa mit seinen Stolpersteinen an die Deportation und Ermordung jüdischer Mitbürger während der NS-Zeit. Gestern verlegte er 13 Stolpersteine in Herbede.Fotos:Barbara Zabka

Der Künstler Gunter Demnig erinnert in ganz Europa mit seinen Stolpersteinen an die Deportation und Ermordung jüdischer Mitbürger während der NS-Zeit. Gestern verlegte er 13 Stolpersteine in Herbede.Fotos:Barbara Zabka

Foto: WAZ

Der Künstler Gunter Demnig hat in Herbede 13 Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an zwei jüdische Familien, die Opfer des NS-Terrors wurden.

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Die Idee hatte man in Herbede bereits vor einigen Jahren, am Montag wurde sie umgesetzt: 13 Stolpersteine hat der Frechener Künstler Gunter Demnig verlegt, die ersten im Stadtteil. Vor dem Haus Am Berge 3 und der Kirchstraße 31 erinnern sie jetzt an die jüdischen Familien Grünebaum und Rosengarten, die während der NS-Zeit Opfer des braunen Terrors wurden.

Beide Häuser, in denen die Familien lebten, gibt es nicht mehr. Das Haus Am Berge 3, in denen die Eheleute Salomon und Berta Grünebaum mit Tochter Betty, sowie die Familie Moritz und Emma Rosengarten wohnten, wurde Anfang der 80-er Jahre abgerissen. Heiner Knährich, Vorsitzender des Heimatvereins Herbede, erinnert sich: „Zum ehemaligen Kötterhaus führte eine lange Treppe hinauf.“ Das Haus stand im Schatten des dahinter aufragenden Wohnhauses.

Schwestern flüchteten in die USA

Salomon Grünebaum, genannt Sally, der 1885 in Herbede geboren wurde, handelte mit Altpapier und Kaninchenfellen. Seine Frau Berta trug als Hausfrau durch Näharbeiten zum Familieneinkommen bei. Beide wurden am 28. Februar 1943 über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Ihre Tochter Betty hatte Glück im Unglück: Mit einem Transport jüdischer Jugendlicher konnte sie im Juli 1939 ins englische Bridgewater flüchten. Betty blieb zeitlebens in England, heiratete dort und starb 1984 in Birmingham.

Ihr Cousin Arthur Grünebaum, 1917 in Herbede geboren, kam 1940 in ein jüdisches Umschulungslager nach Paderborn, im Glauben, es handele sich um eine Vorbereitung für eine spätere Auswanderung. Wie alle Lagerinsassen wurde er1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Dort fanden auch der Bergmann Moritz Rosengarten und seine Frau Emma sowie ihre Tochter Dorothea den Tod.

Helene Rosengarten besuchte 1981 noch einmal Herbede

Im Fachwerkhaus Kirchstraße 35, an dessen Stelle heute Garagen stehen, lebten Isak und Ida Rosengarten, beide gebürtige Herbeder, mit ihren fünf Kindern, Arthur, Leo, Helene, Herta und Lieselotte. Rosengarten war Bergmann und Wandergewerbehändler. Im Juli 1942 wurde er als 67-Jähriger mit seiner Frau ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er starb. Ida Rosengarten überlebte. Drei ihrer Kinder, Helene, Lieselotte und Leo, gelang die Flucht vor den Nazis ins Ausland. Helene Rosengarten lebte später in Miami Beach (Florida) und besuchte 1981 noch einmal ihre Heimatstadt. Ihre Schwester Lieselotte, die eine Stelle bei Feinkost Goldblum auf der Bahnhofstraße hatte, flüchtete mit Helene und starb 1951 in den USA.

Ihr Bruder Leo Rosenberg war in Herbede ein bekannter Ringer. 1939 konnte er über die Niederlande nach Großbritannien fliehen, wo er wohl 1987 starb. Die Rosengarten-Kinder Arthur und Herta starben beide in Polen. Arthur Rosengarten wurde im August 1942 im Vernichtungslager Majdanek ermordet. Seine Schwester Herta im Lager Zamość.

An der Stolperstein-Verlegung beteiligten sich gestern auch Schüler der Hardenstein-Gesamtschule, die vorstellten, wer die Menschen waren, an die man erinnern möchte. Sie legten weiße Rosen auf den Stolpersteinen nieder und sangen zu Ehren der Nazi-Opfer. Künstler Gunter Demnig, der seine Stolpersteine in ganz Europa verlegt, betonte, dass ein Mensch erst vergessen sei, „wenn man seinen Namen vergessen hat“.

Damit dies nicht geschieht, haben sich der Heimatverein Herbede, der dortige Bürgerkreis und weitere Partner aus dem Arbeitskreis Stolpersteine Witten für die Verlegung stark gemacht.

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