Regionalplan

Stockumer Vöckenberg spaltet die Politik in Witten

Vor der Sitzung der Ausschüsse hatten die Bürgerinitiative „Stockum wehrt sich“ sowie Anwohner vom Bebbelsdorf vor dem Rathaus für ihre jeweiligen Anliegen demonstriert. Beiden geht es um den Klimaschutz.

Vor der Sitzung der Ausschüsse hatten die Bürgerinitiative „Stockum wehrt sich“ sowie Anwohner vom Bebbelsdorf vor dem Rathaus für ihre jeweiligen Anliegen demonstriert. Beiden geht es um den Klimaschutz.

Foto: Barbara Zabka

Witten.   Der Wirtschaftsausschuss stimmt für den Erhalt der Grünfläche, der Umweltausschuss plädiert für die Ansiedlung von Gewerbe.

Für den Klimaschutz oder doch für ein Firmengelände? Die Abstimmungen zweier Ausschüsse über den Entwurf des Regionalplans Ruhr im Zusammenhang mit der auf dem Vöckenberg geplanten Gewerbefläche sind unentschieden ausgegangen. Während der Wirtschaftsausschuss mit seinem Beschluss den Stockumer Acker als Gewerbeflächenstandort ablehnte, stimmte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umweltschutz am Donnerstag für die neue Nutzung. Doch von vorne.

Beide Gremien hatten ihre Sitzungen an diesem Tag. Bei beiden stand der Regionalplan auf der Tagesordnung. Deshalb wurde der Einfachheit halber gemeinsam diskutiert und dann getrennt abgestimmt – vor zahlreichem Publikum. Vertreter der Bürgerinitiativen, die vor dem Rathaus gegen die Bebauung am Vöckenberg demonstriert hatten, wollten wissen, wie es weitergeht.

Es kann noch Anpassungen geben

„Es kann noch einmal Anpassungen geben – bei der langen Laufzeit des Regionalplans“, wiegelte Planungsamtsleiter Sebastian Paulsberg ab. Doch für die Stadt sei der Bedarf an Gewerbefläche ohne den Vöckenberg nicht zu decken. Gleichzeitig gestand er ein, dass das Gebiet ökologisch wertvoll sei und eine Umnutzung die Naherholung beeinträchtige. Paulsberg: „Es ist noch viel zu klären.“ Eine Artenschutzprüfung etwa stehe noch aus. „Es kann also immer noch sein, dass das Vorhaben nicht umgesetzt wird.“ Doch die Chance sei komplett vertan, wenn der Vöckenberg gar nicht erst in den Regionalplan aufgenommen werde.

Es folgten Statements der Linken, der Grünen, der Piraten, die alle Einwände gegen die 20 Hektar große Gewerbefläche formuliert hatten. Die digitale Entwicklung könnte solche Flächen einsparen in einer zukünftigen „smart city“, so Ulla Weiß. „Lassen Sie uns ein Zeichen setzen“, appellierte die Fraktionsvorsitzende der Linken. Und erntete den Applaus der Zuhörer. Ebenso wie Roland Löpke. „Unser aller Zukunft müssen wir gestalten, bevor sie uns gestaltet“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Piraten.

„Wittens letzter Acker muss Grünfläche bleiben“

Für den Ortsverein Stockum hatten die SPD-Ratsmitglieder Walter Sander und Birte Güting – entgegen der Position des Stadtverbands – Einwendungen gegen den Regionalplan eingereicht. Sander: „2007 wurde der Vöckenberg im Klimagutachten noch als gute Fläche gelobt.“ Wittens letzter Acker müsse als Grünzug erhalten bleiben. Mit einer Stimme Mehrheit wurde dieser Änderungsantrag vom Wirtschaftsausschuss angenommen – und damit eine Lanze in Richtung Erhalt des Vöckenbergs gebrochen.

Trotzdem zeigen sich die Mitglieder von „Stockum wehrt sich“ danach wenig optimistisch. Christina Herbers vom Vorstand der Bürgerinitiative will trotzdem weitermachen. Präsenz zeigen. Den landwirtschaftlichen Aspekt in den Vordergrund rücken. Ein Gewerbegebiet könne sie nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, sagt die 58-Jährige: „Ich habe zwei Enkelkinder. Die Erde ernährt uns. Die darf man nicht ausbeuten.“

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