Kommunalwahlen 2020

Stichwahl Witten: Beide Bürgermeisterkandidaten im Vergleich

Am Sonntag fällt die Entscheidung: Verteidigt Sonja Leidemann (SPD) den Chefsessel im Rathaus oder wird ihr Herausforderer Lars König von der CDU neuer Bürgermeister in Witten?

Am Sonntag fällt die Entscheidung: Verteidigt Sonja Leidemann (SPD) den Chefsessel im Rathaus oder wird ihr Herausforderer Lars König von der CDU neuer Bürgermeister in Witten?

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services/Montage

Witten.  Wer macht in Witten das Rennen ums Bürgermeisteramt: Sonja Leidemann oder Lars König? Hier noch einmal die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Kann Amtsinhaberin Sonja Leidemann am Sonntag (27.9.) zum vierten Mal Bürgermeisterin von Witten werden? Oder wird mit Lars König erstmalig ein CDU-Politiker die Geschicke der Stadt lenken? Wir stellen die beiden Bewerber um den höchsten Posten in der Stadt noch einmal im Schnell-Check vor. Wer sie sind und was sie wollen.

Privates

Leidemann: Die Wahl-Herbederin wurde im heutigen Essen-Burgaltendorf geboren. Sie hat einen Zwillingsbruder. Ihr Vater war Bergmann, die Mutter Altenpflegerin. An der Ruhr-Uni Bochum studierte sie Geschichte und Politische Wissenschaften, später berufsbegleitend in Dortmund Organisationspsychologie.

Die 60-Jährige ist zweifache Mutter und dreifache Großmutter. Bevor sie 2004 Bürgermeisterin wurde, war sie ab 1998 Direktorin der Volkshochschule Witten/Wetter/Herdecke.

König: Der Stichwahl-Kandidat ist gebürtiger Wittener, wuchs hier als Sohn einer alleinerziehenden Mutter auf und machte 1991 am Ruhr-Gymnasium sein Abitur. Nach dem Wehrdienst studierte er an der Ruhr-Uni Jura.

Heute arbeitet er als Geschäftsführer in mehreren kleinen Betrieben in den Bereichen Bau, Personalservice und Handel. Der 49-Jährige lebt mit seiner neunjährigen Tochter und seiner Lebensgefährtin in Heven.

Politik und Ehrenamt

Leidemann: Seit 1986 ist Leidemann in der SPD. Ihr verdanke sie es, dass sie studieren konnte, sagt sie. Bei der letzten Bürgermeisterwahl (2015) trat die Bürgermeisterin gegen den Willen der SPD gegen den von der Partei nominierten Frank Schweppe an und wurde fast aus der SPD ausgeschlossen.

Als Bürgermeisterin sitzt sie in zahlreichen Gremien und Organisationen. Besondere Freude macht ihr nach eigenen Aussagen der Vorsitz im Ausschuss für Frauen und Gleichstellungsangelegenheiten im Deutschen Städtetag und die Mitgliedschaft im „Standing Committee for Equality“ im Rat der Regionen Europas.

König: Seit knapp 20 Jahren ist der 49-Jährige Vorstandsmitglied der CDU Witten, seit 16 Jahren sitzt er im Stadtrat und ist aktuell stellvertretender Bürgermeister.

Er ist unter anderem Vorsitzender des Sportausschusses, sitzt im Integrationsrat, ist Mitglied im Aufsichtsrat der Siedlungsgesellschaft Witten, im Verwaltungsrat des Kulturforums und arbeitet beim Stadtsportverband mit. Zudem ist er im Vorstand der Franziskusgemeinde.

Wahlkampfthemen und Schwerpunkte

Kinder und Jugendliche

Leidemann und die SPD wollen Witten zur „kinderfreundlichsten Stadt an der Ruhr“ machen. Dazu will die Amtsinhaberin mehr Betreuungsplätze vor allem im U3-Bereich schaffen. Frühkindliche Förderung und Angebote der Familienhilfe sollen ausgebaut werden, um allen Kindern die gleichen Chancen zu ermöglichen. Mit dem vom Rat bereits beschlossenen, 100 Millionen Euro umfassenden Schulsanierungsprogramm sollen in den nächsten Jahren die weiterführenden Schulen weiter saniert werden. Zudem soll die digitale Ausstattung besser und die Schulsozialarbeit ausgebaut werden.

Auch König will sich um die Digitalisierung der Schulen und eine Sanierung der Gebäude kümmern. Zudem sollen mehr wohnortnahe Kita-Plätze entstehen. Der CDU-Kandidat will sich zudem für eine Ausweitung der Betreuungszeiten in Kita und OGS einsetzten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

Wirtschaft

Die Bewältigung der Corona-Krise und ihrer Auswirkungen steht für Leidemann im Mittelpunkt der Arbeit der kommenden Jahre. Gleichzeitig will die Bürgermeisterin den Standort attraktiver für Unternehmen und für Gründer und Start-ups machen. Neue Gewerbeflächen wie „Drei Könige“ oder die ehemalige Thyssendeponie sollen – ebenso wie bestehende Flächen – eine moderne Infrastruktur mit schnellem Internetanschluss über Glasfaser und 5G-Mobilfunk erhalten. Mit dem Einzelhandel und der Gastronomie will Leidemann neue Konzepte zur Belebung der Innenstadt entwickeln.

Auch König will die Folgen der Corona-Krise für die ansässigen Unternehmen und Selbstständigen so gut es geht abmildern. Des Weiteren soll ein neues Gewerbeflächenkonzept entwickelt werden. Brachflächen und bereits versiegelte Flächen sollen dabei Vorrang vor der Erschließung neuer Grundstücke haben. Bauanfragen sollen künftig schneller bearbeitet werden. König und die CDU wollen an der alten Feuerwehrwache ein Gründerzentrum schaffen – für Studenten, Absolventen und Start-Ups.

Umwelt und Verkehr

Leidemann möchte Witten auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten und gegen Unwetter, Hitze und Hochwasser schützen – etwa mit Fassaden- und Dachbegrünungsprogrammen, dem Bau von Regenrückhaltebecken oder der Renaturierung von Fließgewässern. Zudem sollen mehr Grünflächen entstehen. Radfahren soll sicherer werden – durch die Maßnahmen des Radverkehrskonzepts.

Auch König verspricht eine konsequente Umsetzung des Radverkehrskonzepts und mehr Grün in der Stadt. Die Feinstaubbelastung in der Stadt soll verringert werden, etwa durch begrünte Gabionen, eine Art Korb, an vielbefahrenen Stellen. Zudem möchte er ein „vernetztes Mobilitätskonzept“, das zum Beispiel Car-Sharing und Fahrrad miteinander verknüpft. Wichtiger Punkt für König ist zudem das bisherige Baustellenmanagement der Stadt. Er verspricht weniger Staus und dass Straßen mit ihm schneller und nachhaltiger saniert, Umleitungen besser ausgeschildert werden.

Sicherheit und Sauberkeit

Das Sicherheitsgefühl der Bürger ist beiden Kandidaten ein wichtiges Anliegen. Leidemann setzt dabei auf verstärkte Kriminalitätsvorbeugung. Angsträume sollen entschärft werden – durch mehr Licht, bauliche Veränderungen und mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsamt.

König und die CDU wollen ein abgestimmtes Sicherheitskonzept für die Kernbereiche Rathausplatz, Kornmarkt, Johannisstraße und den oberen Teil der Bahnhofstraße umsetzen. Die Zusammenarbeit von Ordnungsamt, Jugendamt und Polizei soll verbessert werden. Die CDU verfolgt auch hier eine „Null-Toleranz-Strategie“.

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