Homo-Ehe

Standesamt-Software kann "Ehe für alle" noch nicht erfassen

Per Gesetz beschlossen: Eine Ehe unter Männern und Frauen ist ab 1. Oktober möglich.

Foto: Michael Reichel, dpa

Per Gesetz beschlossen: Eine Ehe unter Männern und Frauen ist ab 1. Oktober möglich. Foto: Michael Reichel, dpa

Witten.   Homosexuelle Paare können ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln lassen. Die Software des Standesamts ist darauf noch nicht eingestellt.

Das Gesetz zur „Ehe für alle“ wurde von der Politik beschlossen und tritt am 1. Oktober in Kraft. Schon jetzt gibt es Anfragen von Paaren, die ihre bisherige Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln möchten. Volker Banhold vom Wittener Standesamt bittet um etwas Geduld. Noch fehlt in den deutschen Standesämtern zum Beispiel die passende Software, die in den Registern auch zwei Männer oder zwei Frauen als Ehepaar listen kann.

Viele Paare, die bereits in einer Lebenspartnerschaft leben, dürften ein großes Interesse an einer Umwandlung haben – die Ehe hat Vorteile, zum Beispiel ist sie Voraussetzung für die Adoption eines Kindes. Einen echten Ansturm erwartet Volker Banhold trotzdem nicht – Witten ist nicht Köln, die Zahl homosexueller Paare überschaubar.

14 Lebenspartnerschafts-Termine in 2016

Seit 2001 traut das Standesamt Gleichgeschlechtliche zu Lebenspartnern. „Das waren drei, vier, fünf Paare pro Jahr“, sagt Banhold. Ab 2011 stieg die Zahl. Zuletzt waren es bis zu 14 Paare, die eine Lebenspartnerschaft eingingen. Dabei habe sich nicht die Anzahl schwuler oder lesbischer Paare in Witten erhöht. Und es ist auch nicht die steigende gesellschaftliche Akzeptanz, die für diese Erhöhung sorgt: Es sind Paare aus anderen Städten, die Witten als Trauort wählen. Weil das hiesige Standesamt auch am Wochenende Termine vergibt und mit tollen Trauorten trumpfen kann.

Trotzdem: Im Rathaus zählt Banhold eine steigende Zahl an Anrufen: „Wir haben die Anfragen, es gibt konkrete Wünsche und Termine. Und manche wollen die Umwandlung noch einmal in einem festlichen Rahmen feiern“, sagt Banhold.

Es gibt keine Handformulare mehr

Er bittet darum, Termine für eine Umwandlung erst ab dem 9. Oktober wahrzunehmen. Noch gibt es technische Anlaufschwierigkeiten. Bislang kann die Software, die bundesweit eingesetzt wird, nicht zwei Männer oder zwei Frauen als Paar listen. „Und wir dürfen die Register nur elektronisch führen, es gibt gar keine Handformulare zum Ausfüllen mehr.“ Die neuen Vorgaben sollen bis April 2018 umgesetzt sein. Zum 1. Oktober soll es wohl die Möglichkeit geben, „Mann“ oder „Frau“ in „Ehepartner/-in“ umzuschreiben. Notfalls müssen die Standesbeamten einen Ehepartner als Mann führen, einen als Frau.

Ein anderes Problem sieht Volker darin, wenn einer der Ehepartner aus einem Land kommt, das Homosexualität nicht anerkannt. Einen schwulen Türken oder Filipino – solche Fälle habe er schon bearbeitet. „Ich kann ja schlecht ein Ehefähigkeitszeugnis in der Türkei anfordern“, sagt er. „Da steht der Schutz des Betroffenen vorne an.“ Wie geht er mit einem solchen Fall um? Banhold zuckt ratlos mit den Schultern: „Es ist halt Wahlkampf. Da war die Politik mit ihrer Entscheidung wohl zu schnell.“

>>> INFO: Kommune trägt Gebühren für die Umwandlung

  • Die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe ist kostenlos – sofern das Paar dies zu den Öffnungszeiten im Standesamt vornehmen lässt. Gebühren fallen an, sofern man eine Ambientezeremonie wünscht. Wittener, die in Witten ihre Lebenspartnerschaft eingingen, benötigen dazu lediglich ihren Ausweis.

  • Wer eine neu zu schließende Ehe anmelden will, sollte sich erst telefonisch beim Standesamt melden, um die erforderlichen Unterlagen zu erfragen.

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