Rathaus

Stadt: Wittener Rathaus-Sanierung liegt voll im Zeitplan

Komplett eingerüstet ist derzeit der Innenhof des Südflügels am Wittener Rathaus. Demnächst wird ein Glasdach die Fläche bedecken.

Komplett eingerüstet ist derzeit der Innenhof des Südflügels am Wittener Rathaus. Demnächst wird ein Glasdach die Fläche bedecken.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Recht geräuschlos geht eines der größten Bauprojekte in der Geschichte Wittens über die Bühne: die Rathaussanierung. Jetzt erfolgt die „Krönung“.

Die Sanierung des Wittener Rathauses schreitet wie geplant voran. Lediglich zehn Tage seien die Bauarbeiten aktuell in Verzug, sagt Klaus Böde, Chef des Gebäudemanagements. Das sei extrem wenig für solch ein großes Projekt und leicht wieder aufzuholen. Gerade laufen die Vorbereitungen für die Installation des Glasdachs. Es wird künftig die „Bürgerhalle“ im Innenhof des Südflügels krönen.

Die Löcher für die Stahlträger, die das Dach halten sollen, sind schon in die Mauer im Obergeschoss des Gebäudes gestemmt, dessen Trakt entlang der Hauptstraße verläuft. Wer dort aus dem Fenster blickt, erkennt den in einer Ecke liegenden Fahrstuhlschacht, der neu gegossen wurde. Ein Bauarbeiter legt gerade Stahlmatten, die den Betonboden des Zugangsbereichs für den Aufzug stabilisieren sollen. Ansonsten sieht der Laie beim Rundgang durch die Etagen: viel Staub, offenes Mauerwerk, lose hängende Kabel.

Kosten für Wittens größte Baustelle schon um knapp fünf Millionen Euro gestiegen

Nur Klaus Böde kann hier durchgehen und sich vorstellen, wie der Südflügel bei der geplanten Fertigstellung im März 2021 einmal aussehen wird. „Ich habe virtuell alles auf dem Plan“, sagt der 51-jährige Leiter des Amtes für Gebäudemanagement. Er findet es spannend zu sehen, wie die Planungen umgesetzt werden. Für ihn persönlich und für die Stadt sei es die größte Baustelle, die es jemals in Witten gab. Knapp 30 Millionen Euro sind dafür inzwischen veranschlagt, fast fünf Millionen mehr als ursprünglich einmal angedacht war. Die gestiegenen Preise am Bau sind ein Grund für die Mehrkosten des zeitlich von 2015 bis 2022 geplanten Projekts.

Im Südflügel des Wittener Rathauses entsteht das Bürgerzentrum

Anfang August 2015 hatte die Sanierung begonnen. Zunächst wurde die Außenhülle in Angriff genommen: Fassaden, Fenster, Türen. Danach folgt die Modernisierung im Inneren, die derzeit im Südflügel voranschreitet. Im „neuen“ Rathaus sollen künftig 500 statt wie bisher 360 Menschen arbeiten. Sämtliche Dienststellen mit Kundenverkehr werden im Bürgerzentrum vereint sein, das im Südflügel unter Einbeziehung des Innenhofes und selbstverständlich barrierefrei neu errichtet wird.

Durch das Treppenhaus des Südflügels geht es in die oberen Etagen. Die denkmalgeschützten Geländer und holzverkleideten Stufen sind zum Schutz gegen Staub und Beschädigung mit Folie verklebt. An einer Wand hängt noch ein riesiges altes Bild mit historischen Weltkarten. Es entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gewaltiges Puzzle – und kommt weg. Schließlich passe es nicht mehr in das moderne Ambiente, ebenso wenig wie die im 70er-Jahre-Grün gestrichenen Flurwände.

Auf der Wittener Rathaus-Baustelle wird ein Arbeitsplatz simuliert

Wie ein einziger großer Saal wirken die vielen kleinen Räume jetzt, nachdem die Wände entfernt wurden. Doch wo die Bürgerämter untergebracht sind, entsteht kein Ballsaal, die Fläche wird nur neu aufgeteilt. Hinter Glas ist das Modell eines zukünftigen Büros aufgebaut. Mit höhenverstellbaren Schreibtischen, einer Theke und Schallschutz.

„Das wird wieder zurückgebaut“, erklärt Gebäudemanager Böde. „Wir wollten nur eine Arbeitssituation simulieren.“ Schließlich könne man viel berechnen, müsse aber auch rechtzeitig gucken, ob es wirklich funktioniert. So habe man etwa festgestellt, dass es nicht gut sei, die Heizungsrohre offen liegen zu lassen, weil sie dann verstauben. Nun werden sie in Fußleisten versteckt.

Wittener Rathaus soll kein „Hochsicherheitstrakt“ werden

Auch der Sicherheitsaspekt werde berücksichtigt, etwa in den Büros der Ausländerbehörde und beim Sozialamt, die hier wieder ihren Platz haben werden. Thekenbereiche werden zum Beispiel breiter eingeplant, um mehr Abstand zwischen Mitarbeiter und Bürger zu bringen. „Es ist ein echter Spagat zwischen Sicherheit und Offenheit“, sagt Klaus Böde angesichts des jüngsten Vorfalls im Annener Jobcenter, wo Mitarbeiter bedroht wurden. „Wir wollen das Rathaus ja nicht in einen Hochsicherheitstrakt verwandeln.“ Die Anzahl der Behördenbesucher, die sich „renitent“ verhalten, liege bei unter einem Prozent.

Beim Rundgang über die Baustelle entdecken wir übrigens nicht nur eine uralte Bierflasche versteckt in einer winzigen Nische – „Ritter Export“ aus den 1970er Jahren, schätzen „Experten“. Im Dachgeschoss gurrt außerdem eine Taube im Käfig. 100 solcher Vögel habe man schon in Lebendfallen eingefangen. Immer wieder würden sie durch Löcher im Dach den Weg ins Innere finden. Der staubige Boden zeigt unzählige Fußspuren. „Hier wird täglich kontrolliert“, sagt der Gebäudemanager. Natürlich dürfen die Tauben dann wieder in die Freiheit flattern.

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