Bauen in Witten

Stadt Witten setzt bei Neubauprojekten auf Lückenschluss

Neubaugebiet Waldstraße: DieBauparzellen auf dem früheren Fußballplatz der Ballfreunde Ardey wurde die Stadt im Handumdrehen los. Foto:Barbara Zabka

Neubaugebiet Waldstraße: DieBauparzellen auf dem früheren Fußballplatz der Ballfreunde Ardey wurde die Stadt im Handumdrehen los. Foto:Barbara Zabka

Witten.   Bis 2030 sollen in Witten 700 Eigenheime und 900 Wohnungen entstehen. Die Stadt Witten will dabei die Innenentwicklung der Stadtteile stärken.

1600 neue Wohneinheiten müssen in Witten in den nächsten zehn Jahren neu gebaut werden, damit die Stadt ihre Einwohnerzahl von rund 98.000 Bürgern stabil halten kann. Das 2018 beschlossene Handlungskonzept Wohnen 2030 geht von einem Bedarf von 700 Eigenheimen und von 900 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern aus. Dabei sollen ganz unterschiedliche Bedürfnisse bedient werden: Gefragt sind u.a. barrierearme Wohnungen für Senioren und geförderter Wohnungsbau. Witten will aber auch weiterhin Häuslebauern schöne Augen machen, die in anderen Ruhrgebietsstädten arbeiten.

„Wir sind auf einem guten Weg, das gesetzte Ziel zu erreichen“, sagt Stadtbaurat Stefan Rommelfanger. Ein zum Handlungskonzept gehörendes „Siedlungsmonitoring“ hatte Reserveflächen von insgesamt 36 Hektar in Witten ermittelt. Um einen Großteil des Bedarfs auf einen Schlag mit einem neuen Stadtteil oder einem neuen Quartier zu decken, dafür fehle in Witten nicht nur die geeignete zusammenhängende Fläche. Das sei auch gar nicht beabsichtigt.

„Wir wollen doch gar nicht auf die grüne Wiese, sondern die Außenbereiche schützen. Uns geht es um die Innenentwicklung, wir wollen die bestehenden Siedlungen und Quartiere arrondieren“ (abrunden). Dabei verfolge man das Ziel, die sieben gewachsenen Stadtteile zu stärken, so der Baurat. „Dort ist die Infrastruktur ja weitgehend vorhanden, da kann man zu Fuß zum Arzt, zur Schule und zum Einkaufen gehen. Wir wollen eine Stadt der kurzen Wege sein.“

Bauen auf Sportplatz und Parkplatz

Bei den zehn bis zwölf Projekten, die aktuell zur Debatte stehen, geht es um zwölf bis 70 Wohneinheiten. Um den Freiraum zu schonen, aber wohl auch, um Erlöse aus städtischem Grund zu erzielen, hatte in Witten die Umnutzung schon Konjunktur: Auf dem früheren Baseball-Sportplatz am Erlenbruch (Rüdinghausen) stehen heute 23 Häuser. Auf dem früheren Ascheplatz an der Waldstraße werden gerade 20 Eigenheime hochgezogen.

Weitere Umnutzungen stehen in den nächsten Jahren vor allem in der Innenstadt an: Auf dem Kornmarkt, dem früheren Busbahnhof, sollen parallel zur Neugestaltung 34 neue Wohnungen (47-99 m2) entstehen. Der städtische Parkplatz an der Breite Straße ist gerade zum Verkauf ausgeschrieben. Dort soll ein (noch gesuchter) Investor Wohnungen für Senioren, Familien oder Studenten bauen. Auch dort soll parallel ein wenig „Stadtreparatur“ stattfinden, der Karl-Marx-Platz bzw. ehemalige Königsplatz, auf den die neuen Mieter blicken werden, soll neu gestaltet und aufgehübscht werden.

City-Loft mit Dachterrasse

Und, ebenfalls zentrumsnah: Auf dem Gelände der alteingesessenen Firma Scharfen zwischen Ruhrstraße und Saalbau sollen außer schicken Firmenbüros auch 25 Eigentumswohnungen entstehen – „City-Lofts“ mit Balkon oder Dachterrasse (87-155 m2).

Bürgerprotest am Sonnenschein

Während sich hier zu bestätigen scheint, dass das Wohnen im Zentrum wieder in Mode kommt, sind bei anderen Projekten Konflikte mit der Nachbarschaft schon da oder absehbar. 60 Häuser will ein Investor am Zaunkönigweg bauen – zwischen Sonnenschein und Hauptfriedhof. Der Flächennutzungsplan weist dort schon länger Wohnbau- und Grünland aus. 150 Bürger unterschrieben dagegen. Die Bebauung sei zu massiv, die Zufahrt heute schon überlastet. „Wir müssen uns frühzeitig mit den Nachbarn auseinandersetzen,“ sagt der Stadtbaurat. Vor der Sommerpause will die Stadt deshalb zu einer Bürgerversammlung einladen.

Am Bebbelsdorf wehren sich Anwohner gegen die geplante Bebauung eines alten Gärtnereigrundstücks mit 48 barrierearmen Mietwohnungen in Laufweite der Uni Witten. Für die Stadt entspricht das Projekt eigentlich der „Innenentwicklung“, die ihr vorschwebt. Am 14. März soll hier der Bebauungsplan beschlossen werden. Die Stadt gehe der Frage der Verkehrsbelastung und des Durchgangsverkehrs in der Anliegerstraße nach, verspricht der Stadtbaurat. „Wir prüfen das und denken über eine Verkehrsberuhigung nach.“

Einiges Wohnbauflächenpotenzial in Heven

In Heven gebe es noch „einiges Wohnbauflächenpotenzial“ am unteren Wannen, so der Baurat. Das Projekt von neuem Einzelhandel am heutigen Standort des Getränkecenters mit einer dichten Wohnbebauung dahinter habe sich zerschlagen. Man wolle aber für das frühere Vonovia-Grabeland, den Fischertalweg und städtischen Grund nördlich von Lidl ein Rahmenkonzept und später einen Bebauungsplan aufstellen. Die einzelnen Flächen wolle man über neue Grünverbindungen vernetzen. Hier könnte neben anderen Zielgruppen auch der geförderte Wohnungsbau zum Zuge kommen.

Gleich drei mögliche Projekte der „Innenentwicklung“ betreffen Annen. Am Fuß der Halde Annen sollen auf dem bisherigen Draco-Erweiterungsgelände an der Herdecker Straße (die Dr. Ausbüttel & Co. GmbH ist nach Dortmund umgezogen) Reihen- oder Mehrfamilienhäuser gebaut werden dürfen. Der Bebauungsplan wird in Kürze aufgestellt. Auf der anderen Seite der S-Bahn-Linie sollen im Zuge des Bildungsquartiers Annen nicht nur Schule und Sporthalle gebaut werden. Dort entsteht außerdem Platz für 15 Einfamilienhäuser.

Minigolfplatz in Annen könnte bebaut werden

Auch der frühere Minigolfplatz in Annen könnte bebaut werden. Hier wäre auch mehrgeschossiger Wohnungsbau denkbar. Das Gelände befindet sich in privater Hand. Investoren könnten nach dem vereinfachten Baurecht (§ 34 Baugesetzbuch) bauen.

Keine Bewegung gibt es aktuell beim Grundstück der Grundschule Durchholz, die 2013 von der Stadt Witten abgerissen wurde. Hier sollen zwölf bis 18 Häuser entstehen. Stadt und evangelische Gemeinde wurden sich nicht handelseinig. Die Stadt beabsichtigt weiterhin, dafür einen Bebauungsplan aufzustellen.

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