Dresscode

Sparkasse Witten will den Schlips vorerst nicht lockern

Der Schlips bleibt dran: Für Lorena Zagler und ihren Kollegen Richard Steinforth gehört die Krawatte zum angemessenen Erscheinungsbild in der Sparkasse einfach dazu. Foto:Bastian Haumann

Der Schlips bleibt dran: Für Lorena Zagler und ihren Kollegen Richard Steinforth gehört die Krawatte zum angemessenen Erscheinungsbild in der Sparkasse einfach dazu. Foto:Bastian Haumann

Witten.   Anders als ihre Essener Kollegen setzen die Wittener weiter auf die Krawatte. Auch Jeans, Tattoos und Piercings bleiben Tabu, zumindest vorerst.

Die flotte Bankberaterin in modischen Jeans, der junge Kassierer mit offenem Hemdkragen? Bei der Sparkasse Witten werden die Kunden das vorerst nicht zu sehen bekommen. Anders als ihre Essener Kollegen wollen die Wittener den Dresscode nicht ändern. In der Ruhrstadt bleibt es also bei Schlips und Kragen.

Wobei: Wirklich vorgeschrieben ist das auch bei der Sparkasse nicht. „Wir haben keine schriftlich vorgegebenen Kleidungsvorschriften“, stellt Sprecher Klaus-Peter Nehm klar. Es gebe aber Empfehlungen zur gewünschten „banküblichen, businesskonformen Kleidung“ – und dazu gehören eben Hemd und Krawatte. Ein Anzug müsse es nicht zwingend sein, eine Kombination tue es auch. Jeans gehen nicht – anders übrigens als bei der Sparkasse Essen – Cord-, Leder- oder Samthosen auch nicht.

Eine Kollegin wurde nach Hause geschickt

Einmal, erinnert sich Nehm, sei eine junge Kollegin zum Umziehen nach Hause geschickt worden. Sie war in „Overknees“ gekommen, Stiefeln, die bis zu den Oberschenkeln reichen. „Ein bisschen wie Julia Roberts in Pretty Woman – und ich muss sagen, das sah sogar gut aus“, gesteht Nehm.

Ein gepflegtes Erscheinungsbild machen die Banker allerdings nicht nur an der Kleidung fest. Piercings, Ohrringe (bei Männern) und sichtbare Tattoos sind nicht gewünscht. Gar nicht so einfach in diesen Zeiten. „Eine Kollegin hat eine Tätowierung am Knöchel“, weiß Nehm. Im Sommer, wenn sie einen Rock trage, würde sie das Bild mit einem Pflaster überkleben.

„Wir glauben, dass das so zu uns passt“

In Stein gemeißelt seien diese Vorgaben aber nicht, versichert der Marketing-Chef. Im letzten heißen Sommer etwa sei die Krawattenpflicht gelockert worden. „Aber generell wollen wir zunächst doch daran festhalten. Wir glauben, dass das so zu uns passt.“ Selbst wenn sich diese Wahrnehmung einmal ändern sollte, würden die Wittener nicht einfach nachmachen, was andere Sparkassen vorgeben. Schließlich müsse man nicht jeden Modetrend mitmachen. „Nicht alles, was woanders passt, ist auch hier richtig“, sagt Nehm. „Im Allgäu geht das – aber stellen Sie sich vor, wir würden hier alle im Loden-Janker sitzen.“ Daher: Wenn sich etwas ändern solle, dann würden zunächst die Kunden befragt. Die sind sich aber gar nicht einig.

Anzug und Krawatte gehören dazu und sind wichtig, sagt etwa Hamod Alalo, den wir Donnerstagmorgen zufällig fragen. Der 26-Jährige ist unverdächtig, ein Erzkonservativer zu sein – lässig sitzt er mit Jeans und Wollmütze in der Schalterhalle. Ein Banker aber müsse an der Kleidung erkennbar sein. „Das ist in allen Ländern so!“ Die 77-Jährige Elke-Marianne Wolf, die neben ihm wartet, sieht das anders. „Wenn’s ordentlich aussieht, sollte man vom Steifen weggehen.“ Den Angestellten aber scheint das gar nicht so wichtig zu sein.

„Business-Kleidung wirkt einfach seriöser“

„Die Krawatte ist angebracht“, sagt Mitarbeiter Richard Steinforth (55), der mit seinem rosa Hemd zu den modisch Mutigen gehört. Er sei vor 20 Jahren sogar mal mit einem weinroten Anzug zum Dienst erschienen. Das würde er heute nicht mehr machen – nicht wegen der Kleiderordnung, sondern wegen seines Alters. Doch auch seine junge Kollegin Lorena Zagler ist überzeugt: „Business-Kleidung wirkt seriöser.“

Uneins sind die beiden nur in der Frage, wer es denn eigentlich leichter hat mit der Kleidungswahl – Männer oder Frauen: Einfach nur rein in den Anzug oder lieber die Qual der Wahl zwischen Rock, Bluse und Hose? Lorena Zagler jedenfalls ist froh, dass sie wählen kann. Auch wenn sie privat sportlicher unterwegs ist, mag sie ihren Sparkassen-Look. Modisch daneben gelegen hat die junge Frau dabei übrigens noch nie: „Ich weiß doch, wenn es nicht passt.“

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