Brief an VRR

Sozialverband: Per Rolli-Weitsprung in die S-Bahn

Foto: Walter Fischer

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Witten.Die ab Ende 2014 geplante Einführung neuer S-Bahn-Züge auf der Linie DO-WIT-HA-Mönchengladbach, deren Einstieg für Behinderte zu niedrig sein kann, stößt auf massive Kritik des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), Kreisverband Witten/EN.

„Es ist schon unglaublich: Da werden zunächst Bahnsteige für viel Geld behindertengerecht angepasst - um dann nur wenige Jahre später neue Züge anzuschaffen, in die Behinderte noch per Rolli-Weitsprung hinein-, aber ohne fremde Hilfe nicht mehr herauskommen“, so der stellvertretende Kreisvorsitzende des SoVD, Wolfgang Still aus Witten.

Wie berichtet, sang der Verkehrsverband Rhein Ruhr (VRR) vor wenigen Wochen ein Loblied auf neue S-Bahn-Züge, die Ende 2014 angeschafft werden und mit einer behindertengerechten Toilette ausgestattet sein sollen. Das Problem: Einige Bahnsteigkanten, auch die in Witten, sind mit 96 Zentimetern zu hoch für die neuen Züge, so dass u.a. Rollstuhlfahrer Probleme bekommen können. Für sie muss der Lokführer dann extra eine Rampe einsetzen.

„Der SoVD ist seit Jahrzehnten darum bemüht, für seine behinderten Mitglieder die gleichen Möglichkeiten der Teilnahme am öffentlichen Leben zu erstreiten wie sie Nicht-Behinderte haben. Dazu gehört (...) auch die Mobilität. Es ist frustrierend, wenn durch schiere Gedankenlosigkeit eben erst erschlossene Möglichkeiten der Teilhabe wieder zunichte gemacht werden“, heißt es nun in einem Beschwerdebrief des EN-Sozialverbandes an den Vorstandssprecher des VRR, Martin Husmann. Er soll erläutern, wie Behinderten weiterhin die Teilnahme am Alltagsleben ermöglicht werden soll.

Angesichts leerer öffentlicher Kassen und regelmäßiger Klagen über die enormen Zuschüsse für den Öffentlichen Personennahverkehr sei es nicht einzusehen, schreibt der SoVD-Kreisvorstand, „wie bei der (gebotenen) Neubeschaffung von Fahrzeugen die bestehende Höhe vorhandener Bahnsteige völlig unberücksichtigt bleibt“. In einer Reihe von Fällen seien diese Bahnsteige teils mit erheblichem finanziellen Aufwand gerade erst behindertengerecht umgestaltet worden. „Hat hier ein verantwortliches Gremium den Ehrgeiz, sich als Top-Favorit für den „Pannenkopp“ zupositionieren?“ fragt der Sozialverband ironisch.

Er will das „Problem der behindertengerechten Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs“ in der nächsten Mitgliederversammlung Ende März thematisieren.

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