Soziale Kunst soll Europa erobern

Foto: Thomas Nitsche

witten.   „Seit zwölf Jahren bringen wir Menschen zurück in den Arbeitsmarkt. Unseren Ansatz wollen wir europaweit ausdehnen“, sagt Simon Rieser, kaufmännischer Geschäftsführer der Projektfabrik. In den Räumen des ehemaligen Café Leye an der Bahnhofstraße feilen derzeit 13 Leute aus den Partnerländern Italien, Frankreich und Ungarn daran, das Jobact-Projekt auch in ihrer Heimat anzusiedeln.

„Seit zwölf Jahren bringen wir Menschen zurück in den Arbeitsmarkt. Unseren Ansatz wollen wir europaweit ausdehnen“, sagt Simon Rieser, kaufmännischer Geschäftsführer der Projektfabrik. In den Räumen des ehemaligen Café Leye an der Bahnhofstraße feilen derzeit 13 Leute aus den Partnerländern Italien, Frankreich und Ungarn daran, das Jobact-Projekt auch in ihrer Heimat anzusiedeln.

Wie der Name schon erahnen lässt, geht es bei Jobact darum, Menschen durch Theaterspiel und -pädagogik fit für die Arbeit zu machen. „Wir fanden den Ansatz interessant. Denn für den Start in die Selbstständigkeit muss man auch Persönlichkeit und ein entsprechendes Auftreten entwickeln. Dabei kann Theaterspiel tatsächlich helfen“, findet Luisa Baldeschi. Die Italienerin führt eine Sozialvereinigung, die versucht, benachteiligte Menschen in Florenz und Umgebung in die Selbstständigkeit zu führen. Seit 2006 konnten dadurch 220 Start ups auf die Beine gestellt werden.

Vom Jobact der Wittener Projektfabrik hatte Luisa Baldeschi im Corriere della Sera, einer der größten und einflussreichsten Tageszeitungen Italiens, gelesen. Denn in Florenz und Turin gibt’s schon Ableger. „In einer Art sozialem Franchise, also durch Konzessionsnehmer, soll Jobact weiter in Europa ausgedehnt werden“, so Simon Rieser. Jocact sei ein eingetragenes Warenzeichen der Wittener Projektfabrik-Geschäftsführerin Sandra Schürmann, die bereits 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Uni Dortmund ist auch im Boot

Mit dem Erasmus+-Projekt „Jobact Europe“ stehen die Zeichen nun auf weiteren Aufbruch. „Wer eine Förderung durch das Erasmus+-Programm der Europäischen Union erhält, spielt in der Champions League der europäischen Kooperationsprojekte“, betont Rieser nicht ohne Stolz. Unter 66 Bewerbern seien in diesem Jahr 22 für die Förderung ausgewählt worden. Insgesamt 260 000 Euro fließen jetzt also für die Wittener und ihre internationalen Partner bei diesem Projekt, das auf 26 Monate angelegt ist.

Wissenschaftlich begleitet wird es von der Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund. Deren Mitarbeiterin Kerstin Guhlemann stellte den Teilnehmern jetzt bei der zweitägigen Eröffnungsveranstaltung handfeste Eckdaten wie Aufwandsentschädigungen oder Infos zu Abrechnungsnachweisen vor. Denn jede Ausgabe wird durch eine EU-Agentur haarklein geprüft. Außerdem umrissen die Teilnehmer im ehemaligen Café Leye neue Zielgruppen, beispielsweise Jobact für Flüchtlinge, Inhaftierte oder Menschen mit Behinderung.

Zwei Tage waren die Gäste in Witten, teils in Betriebswohnungen der Projektfabrik, teils im Ardey-Hotel. „Wir haben Vertreter dabei, die Bildungseinrichtungen leiten, aber auch Künstler aus dem Theaterbereich“, so Beata Nagy, künstlerische Leiterin der Projektfabrik. Alle vier Monate ist ein Treffen geplant, um den neuen Ansatz der sozialen Kunst in Europa zu verbreiten. Natürlich nicht nur im schönen Witten, sondern auch in den fast so schönen Partnerstädten Paris, Budapest, Florenz, Turin.

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