City

Witten: Die Innenstadt muss sich neu erfinden

Politik und Verwaltung wollen die Innenstadt in Witten beleben. Dafür fließen jetzt Fördergelder des Landes.

Politik und Verwaltung wollen die Innenstadt in Witten beleben. Dafür fließen jetzt Fördergelder des Landes.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Der Niedergang der City in Witten soll gestoppt werden. Da kommt ein warmer Regen vom Land gerade recht. Was fängt die Stadt mit dem Geld nun an?

Mit Fördermitteln in Höhe von knapp 200.000 Euro für Planung und Personal will die Stadt die Weiterentwicklung der City anschieben. Denn nicht nur das leerstehende Kaufhof-Haus ist ein großes Problem. Die Stadtgalerie kriselt und Corona gibt Gastronomie und Handel den Rest.

Um so mehr hofft Rommelfanger auf eine Aufbruchstimmung, um „positive Projekte“ nach vorne zu bringen. „Die City ist mehr als Einzelhandel“, sagt der Dezernent. Die Zeit, als ein Warenhaus wie Kaufhof der Magnet schlechthin war, sie sei vorbei, in Witten und vielen anderen Städten.

Stadtbaurat wünscht sich mehr hochwertige Gastronomie in Witten

Rommelfanger wünscht sich einen „offenen Dialog“ mit Politik, Handel und Eigentümern, wie die City der Zukunft aussehen soll. Für ihn ist klar, dass darin Dienstleistungen und Wohnen eine immer größere Rolle spielen, ebenso wie „mehr hochwertige Gastronomie“.

Raum für mehr Lokale und Cafés sieht Rommelfanger allemal, ob am Berliner Platz, auf einem Platz des neu gestalteten Kornmarkts oder vielleicht eines Tages ja sogar auf dem Platz an der Gedächtniskirche – wie der Kornmarkt heute noch ein Parkplatz. Die immer noch maßgeblich vom Autoverkehr bestimmte Innenstadt brauche mehr Aufenthaltsqualität. Auch dafür werde man sich „Platz für Platz angucken“.

Erste konkrete Planungsschritte („Bausteine“) sollen jetzt durch die 198.000 Euro aus dem „Sofortprogramm Innenstadt“ von Bauministerin Scharrenbach möglich werden. Um diese Mittel hatte sich Witten beworben.

Stadt Witten lässt sich für Gespräche mit Eigentümern des Kaufhof-Hauses beraten

Ein Teil des Geldes soll in eine „immobilienwirtschaftliche Beratung“ fließen, wenn die Stadt mit den Eigentümern des Kaufhof-Gebäudes über neue Nutzungen verhandelt, aber auch in Zusammenhang mit anderen größeren Gebäuden. Das Warenhaus war am 16. Oktober geschlossen worden und bildet nun den mit Abstand massivsten Leerstand in der Einkaufsmeile.

Eigentümer Saller sei ein Spezialist für Fachmärkte, so der Dezernent. Ihn wolle man dabei unterstützen, „dass da etwas Sinnvolles reinkommt. Wir wollen ja keinen Ramsch, sondern Qualität“. Der Immobilienentwickler aus Weimar versuche, die erste und zweite Etage mit Einzelhandel zu füllen. Doch der Kaufhof sei „riesengroß“, ein Wahnsinnskasten“. Ziel müsse eine Mischnutzung sein, Handel, Dienstleistung, Wohnen, Gastronomie, „vielleicht auch hochwertige Büros“.

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Die Fördermittel sollen außerdem in eine Studie über eine „Neuordnung der Einzelhandelszone“ fließen. Hier wünscht sich die Stadt einen Blick von außen auf Witten. Es geht um Fragen wie: Sind unsere Handelslagen noch zeitgemäß? Welche Angebote brauchen wir? Brauchen wir noch mehr Konzentration? Und was können wir kurzfristig tun?

Das Bummeln soll wieder mehr Spaß machen. Der neue Bürgermeister Lars König nannte kürzlich im Bezug auf die Gastronomie Hattingens Altstadt oder Bochums Bermuda-Dreieck als Vorbilder. Von der Studie erhofft sich Witten konkrete Handlungsempfehlungen, um das Zentrum zu beleben.

Neuer Kümmerer in Witten soll Ansprechpartner für Handel und Eigentümer sein

Ein weiterer Baustein ist das neue Quartiersmanagement, das jetzt noch um einen Kümmerer aufgestockt werden soll, einem Ansprechpartner für Einzelhändler, Eigentümer, Investoren und Betreiber. Er soll Konzepte umsetzen und gerade in der Übergangszeit Aktionen auf den Weg bringen, die die Anziehungskraft der City steigern.

„Das Geld kommt genau zur richtigen Zeit und erweitert unsere Handlungsmöglichkeiten“, freut sich der Beigeordnete über die 200.000 Euro vom Land. Wenn es aber wirklich an konkrete, auch größere Projekte geht, wird man Millionen brauchen. Beispiel Karl-Marx-Platz: Dessen Umgestaltung kostet um die 1,5 Millionen Euro. Das schon vor Jahren beschlossene integrierte Handlungskonzept Innenstadt kann weitere Fördertöpfe öffnen.

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