Schrebergarten

So trotzen Wittener Kleingärtner der anhaltenden Trockenheit

Karge Pflänzchen: Ida Schmidt und ihre Kartoffeln in der Schrebergartenanlage Sonnenschein. Die Blätter sind teilweise schon vertrocknet.

Karge Pflänzchen: Ida Schmidt und ihre Kartoffeln in der Schrebergartenanlage Sonnenschein. Die Blätter sind teilweise schon vertrocknet.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Im Wittener Kleingartenverein Sonnenschein trotzen die Mitglieder der Trockenheit, so gut sie können. Doch vielen Pflanzen ist nicht zu helfen.

Die Zeiten, in denen Franz Tröster sich vor Früchten nicht retten konnte und die Pflaumen eimerweise an Freunde und Bekannte verteilt hat, sind vorbei. Die Obstbäume leiden unter der Trockenheit, verlieren schon Blätter und Früchte. Inzwischen ist der Hobbygärtner froh, dass er in seiner Parzelle im Schrebergartenverein Sonnenschein nicht mehr so viel Essbares angebaut hat. Denn das bedeutet: „Ich muss nicht so viel gießen“.

Wasser, oder besser: sein Fehlen – das ist es, was die Menschen in ihren liebevoll gehegten Gärten gerade besonders umtreibt. Der Regen am vergangenen Wochenende: ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Das Wasser ist keinen halben Zentimeter in die Erde gegangen“, sagt Volkmar Klewer (65), der 1958 den Garten am Sonnenschein von seinen Eltern übernommen hat.

3000 Liter Wasser sind längst weg

Die kommenden Tage, in denen wir wieder in der Backofenhitze schmoren: das Todesurteil für Tomaten und anderes Gemüse. Denn die Tonnen, in denen die Gärtner sorgsam Regenwasser aufgefangen haben, sind überwiegend leer.

„3000 Liter habe ich sonst gesammelt, alles schon weg“, so Klewer. Jetzt guckt er zu, wie seine Pflanzen, die sich ja noch nicht mal von der Trockenheit im letzten Sommer erholt haben, verdorren. Denn Wasser aus der Leitung zu nehmen, „das schmerzt ein bisschen“. Also kommt das Gemüse gleich in die Tonne. Oder Klewer, der auch Hohensteinschnitzer ist, nimmt es mit hoch zum Streichelzoo.

Nur die Beeren wachsen gut

Zumindest mit Johannis- und Brombeeren ist er aber derzeit zufrieden. Und ein wenig würde es helfen, viel zu mulchen – damit sich das bisschen Feuchtigkeit unter der Bodenbedeckung besser hält. Doch für Klewer ist auch klar: „Die klassische Gartenbepflanzung geht auf Dauer nicht mehr.“

Trotzdem: Beim Spaziergang kreuz und quer über die Wege wirkt die Schrebergarten-Anlage noch recht idyllisch. Rosen, Lavendel und Dahlien blühen prächtig. Ebenso wie Margeriten, Korn- und Mohnblumen auf der kleinen Brachfläche, die ein Schild als „heimische Blumenwiese“ ausweist.

Auch Kräuter sind anspruchslos

Auch die Kräuter in Franz Trösters Hochbeet kommen mit der Hitze klar. „Die sind anspruchslos“, sagt der 67-Jährige mit dem feschen Strohhut, der hier seit 20 Jahren einen Garten sein Eigen nennt. Er rupft gerade das Unkraut (er nennt es lieber „Wildkräuter“) aus seinen Beeten, das nach dem letzten Regen gewachsen ist. „Aber der Rasen beginnt braun zu werden.“ Und ein Großteil der Äpfel seiner uralten und eigentlich robusten Sorten landet gleich auf dem Kompost. „Die fallen schon ab, obwohl sie noch nicht reif sind“, sagt er mit Bedauern. Denn die hätten sich super für Kompott geeignet.

Die Obstbäume zu gießen, das kommt für ihn jedoch nicht in Frage. „So viel können Sie ja gar nicht wässern, dass es was bringt.“ Sein Brunnenschacht, in dem sonst mindestens 30 Zentimeter Wasser stehen, ist längst leer. Und das Fass mit den 250 Litern bleibt als eiserne Reserve. Er – wie alle Kleingärtner – stünde nun vor der Frage: „Geben wir Geld für Wasser aus? Oder opfern wir das eine oder andere?“

Manchmal muss auch beides sein. Ida Schmidt zum Beispiel greift längst auf ihren Wasseranschluss zurück. Allerdings gießt sie die Wiese in ihrem Garten nicht mehr. „Und einen Pool haben wir auch nicht aufgebaut“, sagt die 66-Jährige. Gerade läuft sie mit der Gießkanne hin und her, um den schlimmsten Schaden von Tomaten, Gurken, Kartoffeln und Kohlrabi abzuwenden. „Alles ist mini. Und zum ersten Mal haben wir Kartoffelkäfer.“ Die Radieschen dagegen seien erst gar nicht gekommen. Ida Schmidt fällt dazu nur ein Wort ein: „Schade.“

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