Kultur

Sinfonieorchester überzeugt in Witten mit Rock- und Popmusik

Die Neue Philharmonie Westfalen in Aktion.  

Die Neue Philharmonie Westfalen in Aktion.  

Foto: Christian Schyma

Witten.  Die Neue Philharmonie Westfalen ist immer mal wieder für Überraschungen gut. Im Wittener Saalbau gab es deshalb nicht nur Klassik zu hören.

Die Neue Philharmonie Westfalen ist dem Wittener Konzertpublikum schon seit längerem als wohlklingendes, auf hohem Niveau musizierendes Sinfonieorchester bekannt. Auch bei der Auswahl der Programme gab es schon Überraschungen: So spielte das Orchester z.B. im Jahre 2018 ein stark rhythmisch geprägtes südamerikanisches Programm. Im Saalbau ging das Orchester jetzt sogar noch einen Schritt weiter und widmete sich ausschließlich der Rock- und Popmusik aus den 70er Jahren.

Den meist klassisch orientierten Zuhörern stellt sich natürlich sofort die Frage: Können in der Welt der Sinfonik beheimatete Orchesterspieler Musik aus einem anderen Genre überhaupt mit Überzeugung interpretieren? Die Antwort ist ein eindeutiges „Ja“. Sie können sehr wohl, denn immerhin sitzen dort studierte Musiker mit Hochschulabschluss, die ihre Instrumente beherrschen und sicherlich schon benachbarte Musikgenres besucht haben.

Viele Zuhörer kamen an diesem Abend richtig in Stimmung

Ein anderes Problem ist aber, ob die vielfältigen Möglichkeiten eines professionellen Orchesters in klanglicher und dynamischer Hinsicht voll zum Ausdruck kommen. Das ist nur eingeschränkt der Fall. Besonders die in der Klassik beliebten Abstufungen von „laut“ und „leise“ werden durch die übliche elektronische Verstärkung weitgehend egalisiert. Übrig bleibt eine einheitliche (meist zu starke) Lautstärke. Aber auch das ist Geschmackssache, denn viele Zuhörer kamen im Laufe des Abends richtig in Stimmung und begleiteten die Darsteller mit rhythmischem Klatschen.

Zum Erfolg des Abends trugen maßgebend die beiden Gesangssolisten Viviane Essig und Henrik Vager bei. Ihre Songs von 70er-Größen wie Kiss, Elton John, Stevie Wonder oder John Lennon wurden mit Leidenschaft und viel Bewegung – ganz im Stile der Zeit – vorgetragen und ernteten immer wieder Zwischenapplaus.

Perfektes Zusammenspiel bei „Smoke on the water“

Rasmus Baumann dirigierte vom Klavier aus mit sicherem Gespür für die Zeitepoche. Kurz vor Schluss wollte das Orchester aber einmal zeigen, was in ihm steckt. Bei der höchst anspruchsvollen Orchesterfassung von „Smoke on the water“ glänzten Streicher und Bläser mit virtuosen Passagen und perfektem Zusammenspiel. Das Publikum war begeistert und erzwang zwei Zugaben.

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