Umweltschutz

Schutzloser Naturschutz

Foto: WAZ FotoPool

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

An der Annener Nawit-Station tobt sich Vandalismus aus. Der Verein verlegt Vorträge in die Vhs, weil es abends zu gefährlich wird.

Eigentlich ist es ein hübsches Domizil, das die Stadt der Naturschutzgruppe Witten (Nawit) in Annen für die Verwaltung und als Biologische Station zur Verfügung gestellt hat. Und dennoch fürchtet sich Nawit-Vorsitzende Birgit Ehses, abends in das frühere Steinbruch-Verwaltungsgebäude Am Hang zu gehen. Denn der Vandalismus habe dort in den letzten Jahren so stark zugenommen, dass man Angst haben müsse. „Das ist eine versteckte Ecke”, sagt sie. „Abends muss man sich fürchten, hierhin zu kommen. Denn bei dem Gewaltpotenzial, das sich an dem Haus zeigt, kann ich mir nicht sicher sein, ob man nicht auch persönlich belästigt wird.”

Konkret heißt das - ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Liste: In die Isolierung der Wärmedämmung wurden faustgroße Löcher gerissen. Eine unter Putz gelegte Stromleitung wurde förmlich aus der Wand gegraben. Das einbetonierte Geländer ist aus der Verankerung gerissen und durchgebrochen. Schwere große Steine wurden aus der Bruchsteinmauer gehebelt. Der Türspion wurde durchgestochen, eine neue Klingel verschwand bereits nach zwei Tagen. Und Graffiti überall.

Selbst der Nawit-Schaukasten, nicht ohne Grund an die viel befahrene Herdecker Straße verlegt, ist mit Schmierereien verunstaltet. „Wenn erst mal was kaputt ist, dann verführt das manche Leute offenbar dazu, weiterzumachen”, stöhnt Vereinsmitglied Dieter Bergmann, der langjährige 2. Vorsitzende.

Das alte Bürogebäude des Steinbruchs wurde nach Betriebsende von der Stadt übernommen und in den 80er Jahren der Nawit zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Die nahm das Angebot dankbar an und richtete sich mit Büro, Labor, Fachbücherei und Veranstaltungsräumen neben dem alten Steinbruch ein. „Solange ein Sicherheitsdienst im Imberg-Park für Ordnung sorgte, waren wir gleich mit geschützt”, sagt Dieter Bergmann. „Damals ist hier nichts passiert.”

Der Ordnungsdienst ist fort, jetzt liegen überall Flaschenscherben herum, und man bekommt ein Bild von dem, was sich manchmal nachts hier abspielen mag. Bergmann: „Die Unruhe, die anfangs im alten Steinbruch geherrscht hat, hat sich an unser Haus verlagert.” Birgit Ehses musste sich schon einmal mit Nachdruck Zugang zu ihrer Station verschaffen, weil Jugendliche die Treppe blockiert hatten, und hätte inzwischen am liebsten ein anderes Domizil für die Biologische Station: „Das haben wir Ehrenamtlichen nicht verdient. Man hat keine Lust mehr, etwas schön zu machen.”

Längst hat die Stadt als Hauseigentümerin eine Mängelliste erhalten, Bürgermeisterin Sonja Leidemann wurde eingeschaltet, und das Ergebnis, man ahnt es schon: Die Stadt hat kein Geld. Das allerdings macht die Sache nur noch schlimmer, denn die Zerstörungen gehen weiter, immer mehr Teile des Hauses sind betroffen. Birgit Ehses staunt über die Kraft, die sich an dem Gebäude austobt: „Für mich ist das eine neue Dimension, dass Jugendliche so brutal mit Sachen umgehen. In den 70er und 80er Jahren wäre das undenkbar gewesen, damals war Umweltschutz ein Jugendthema. Heute aber interessiert das nur noch wenige, das Thema ist bei Jugendlichen in den Hintergrund getreten.”

Nicht mehr viele Nawit-Veranstaltungen finden jetzt noch in den Vortragsräumen Am Hang statt. Birgit Ehses: „Wir haben fast alle Vorträge in die Vhs verlegt. Das Haus ist uns zu unsicher geworden. Es ist einfach zu gefährlich, Leute abends hierhin einzuladen.”

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (3) Kommentar schreiben