Gymnasien

Schulministerin verspricht in Witten „Qualität statt Tempo“

Schulministerin Yvonne Gebauer bei der Mitgliederversammlung der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW im Saalbau Witten.

Schulministerin Yvonne Gebauer bei der Mitgliederversammlung der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW im Saalbau Witten.

Foto: Biene Hagel

Witten.   So geht die Rückkehr zu G9: In einem Vortrag vor der Landeselternschaft für Gymnasien stellte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer ihre Pläne vor.

Das große Thema der Mitgliederversammlung der Landeselternelternschaft der Gymnasien in NRW war nicht überraschend: Der Wechsel von G8 zu G9. Die neue Landesregierung mit CDU und FDP erfüllt den Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Eltern und kehrt zur neunjährigen Gymnasialzeit zurück.

Prominente Vortragsrednerin der Versammlung im Wittener Saalbau war Yvonne Gebauer, NRW-Ministerin für Schule und Bildung. Sie stellte die wichtigsten Programmpunkte und Ziele der Landesregierung zu den Themen G9, Talentförderung, Stärkung der Lehrkräfte und Inklusion vor.

Die FDP-Politikerin weiß sehr gut, was sie der Landeselternschaft zu verdanken hat. Diese hatte die Diskussion zur Rückkehr zu G9 zu einem Zeitpunkt angefacht, als G8 eigentlich von der Öffentlichkeit widerstandslos akzeptiert wurde.

2014 erfolgte auf Druck der unzufriedenen Eltern in einer für eine solche Organisation ungewöhnlich kämpferischen Weise der Austausch nahezu des gesamten Vorstandes der Landeselternschaft der Gymnasien. Denn die absolute Mehrheit der Mitglieder ging mit der Haltung des bisherigen Vorstandes zu G8 nicht konform. Die FDP griff dies auf und setzt nun ihr Wahlversprechen um, das ihr vermutlich zahlreiche Stimmen unzufriedener Eltern eingebracht hat.

„Gute Schule braucht engagierte Eltern“

Viele Worte der Anerkennung findet die Ministerin für die Landeselternschaft und schafft somit ein sehr wohlwollendes Klima für ihre Ausführungen: „Gute Schule braucht engagierte Eltern!“ Sie bat um Verständnis für die Verzögerung der Einführung von G9 erst zum übernächsten Schuljahr: „Qualität statt Tempo!“ Die Kernlehrpläne müssten erst überarbeitet, offene Fragen befriedigend geklärt werden. Auch der Lehrermangel spielt eine wichtige Rolle.

Während eine Imagekampagne die Wertschätzung für Lehrer steigern soll, ist gleichzeitig klar, dass ein Teil der neu eingestellten Lehrkräfte nicht die eigentlich geforderte Qualifikation mitbringen wird. Seiteneinsteiger, reaktivierte Pensionäre oder Lehrer mit berufsbegleitender Ausbildung in fachfremden Bereichen werden die Forderung nach mehr „Qualität“ verwirklichen müssen. Ein Problem, das auch Yvonne Gebauer bewusst ist: „Wir haben keine Wahl. Ich kann nicht über Nacht qualifiziertes Personal herbeizaubern.“

Pläne zur Inklusion bleiben schwammig

Trotz der zustimmenden Haltung des Publikums gab es hier und da Raunen. Als die Ministerin appellierte, das Förderprogramm der Landesregierung „Gute Schule 2020“ stärker zu nutzen, machte sich Unwille breit, der später in der Diskussionsrunde aufgegriffen wurde: Es ist extrem schwierig, die Gelder zu erhalten, da allgemeine Verwirrung über die Antragstellung herrscht und gleichzeitig personelle Engpässe das ohnehin unklare Prozedere erschweren.

Eher schwammig bleiben die Pläne bei der Inklusion. Der radikale Abbau der Förderschulen soll gestoppt werden, was aber offensichtlich mit einem Rückschritt der Inklusion in Regelschulen verbunden wird. „Der zieldifferenzierte Unterricht soll möglich sein, aber nicht der Regelfall“, erläuterte die Politikerin. Die Gymnasien, die bisher auch Kinder mit Behinderungen unterrichten, sollen dies weiter tu. Denn: „Wir können kein Kind zum Wechsel zwingen.“ Inwieweit diese Einstellung mit den verbindlichen Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention vereinbar ist, bleibt offen. Die Nachfrage der Autorin wurde nicht beantwortet – die Auskünfte seien ausreichend gewesen.

Beifall belohnte Yvonne Gebauer am Ende des Vortrages und der Diskussionsrunde. Nicht jeder Schulminister hatte bisher den Mut, sich direkt den Fragen der Landeselternschaft zu stellen, weiß Dieter Cohnen, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Landeselternschaft: „Frau Löhrmann haben wir hier trotz mehrfacher Einladung nie gesehen.“

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