Fridays for Future

Autofreier Tag in Witten kommt bei Schülerdemo gut an

„Gerädert vom Abi“: Die „Fridays for Future“ in Witten haben ihre Demo dieses Mal im Sitzkreis begonnen.

„Gerädert vom Abi“: Die „Fridays for Future“ in Witten haben ihre Demo dieses Mal im Sitzkreis begonnen.

Foto: Gordon Wüllner

Witten.   Statt laut zu protestieren, haben die Schüler erst mal Ideen von Grünen und Piraten besprochen. Die Fraktionen wollen den Klimanotstand ausrufen.

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Aufstand mal im Sitzkreis: „Wir haben gestern unser Abi gefeiert und sind etwas gerädert“, gab Laura Schmidt, Mitorganisatorin der „Fridays for Future“-Demos in Witten zu. „Also lassen wir es heute etwas ruhiger angehen.“ Laut marschiert von Rathausplatz zum Hauptbahnhof sind die rund 80 Demonstranten am Freitag (7.6.) trotzdem. Erst einmal wurden aber Kreide-Botschaften auf den Rathausplatz gemalt und in gemütlicher Runde Neuigkeiten aus der Stadt besprochen.

Wie etwa die Anträge von Piraten und Grünen zum Klimanotstand. Beide Fraktionen wollen den Klimaschutz zur übergeordneten Priorität der Stadt machen und dazu den sogenannten Klimanotstand ausrufen. Damit würde Witten dem Beispiel von Bochum und Gladbeck folgen, wo am Donnerstag (6.6.) beschlossen wurde, dass die Auswirkungen auf das Klima künftig in allen städtischen Entscheidungen berücksichtigt werden müssen.

Autofreier Tag in Witten

Von den streikenden Schülern wurden die Vorstöße von Grünen und Piraten begrüßt – allerdings mit gehaltener Euphorie. „Den Klimanotstand auszurufen ist wichtig – sollte aber selbstverständlich sein“, sagte Demo-Leiterin Laura Schmidt. Neben den politischen Anträgen hat auch eine Initiative des Bürgerforums und mehrerer Vereine das Interesse der streikenden Schülern geweckt. Martin Strautz von der Wählergemeinschaft stellte auf dem Rathausplatz die Pläne für einen autofreien Tag vor, den das Bürgerforum, die Piraten und Solidarität für Witten bereits in einem gemeinsamen Antrag im Verkehrsausschuss gefordert hatten.

Das Ziel: Im Wiesenviertel und Teilen nördlich der Bahnhofstraße – möglicherweise aber auch an weiteren Orten der Stadt – sollen am 22. September keine Autos fahren. Dazu sollen weitere Aktionen wie ein Nachbarschaftspicknick oder eine Seifenkisten-Rallye auf die Beine gestellt werden. Ein Planungstreffen findet am 13. Juni um 18 Uhr im Bürgerforum-Büro, Gerichtsstraße 3, statt.

Lehrerin war mit Klasse dabei

Den größten Applaus gab es aber nicht für die Idee eines autofreien Tages – sondern für die Klasse 9a der Holzkamp-Gesamtschule, die in kompletter Mannschaft und von einer Lehrerin begleitet erschienen war. „In unserer Generation gab es auch schon solche Proteste“, erklärte Lehrerin Christine Helm ihre Unterstützung. „Es ist erschreckend zu sehen, wie wenig wir seitdem geschafft haben. Berichte zeigen aber, dass es nicht fünf, sondern drei Minuten vor zwölf ist.“

Die Schüler wollen es bei der nächsten Demo am 5. Juli wieder recht entspannt angehen, „wegen des Wetters“, sagt Laura Schmidt. Kurz vor Beginn der Sommerferien wollen sie dann ein großes „Fridays for Future“-Frühstück veranstalten. Ist die Wut etwa verblasst, wo das Klima-Thema die Europawahlen entschieden hat? „Die Wahlergebnisse interessieren uns erst einmal nicht“, begegnete Laura Schmidt – die selbst erst vor kurzem in den Vorstand der Herdecker Grünen gewählt wurde, aber trotzdem sagt: „Die Grünen können noch so viele Prozente haben. Wir wollen Handlungen und Gesetze sehen.“

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