Nachbarschaftsserie

Schön zentral wohnen am Karl-Marx-Platz

Entspannt saßen Anwohner und Gäste beim Quartiersfest unter den großen Bäumen am Karl-Marx-Platz.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Entspannt saßen Anwohner und Gäste beim Quartiersfest unter den großen Bäumen am Karl-Marx-Platz. Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

witten.   Rund 100 Anwohner feierten jetzt im Hohenzollernviertel. Historiker meint: Nordviertel ist der ursprüngliche Name für das beliebte Quartier.

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Es ist Sommer, die Sonne strahlt. Die Tische sind mit Blumen geschmückt und etwa 100 Nachbarn sind zusammengekommen. Genau am 18. Juni 1867 wurde der Stadtbauplan für das Viertel der ehemaligen Bredde verabschiedet.

Die Stadt Witten hatte sich lange geziert, weil das Erschließen von Straßen teuer war, aber mit dem wachsenden Druck durch den Bevölkerungszuwachs, musste sie tätig werden. Nach langen Auseinandersetzungen mit den Eigentümern der Grundstücke in der Bredde, die für Straßen und Bürgersteige Grund abgeben mussten, drückte die königliche Bezirksregierung in Arnsberg dann schließlich der Stadt noch den Bau eines weiteren Marktplatzes auf. Der heutige Karl-Marx-Platz wurde somit als Markt angelegt und Königsplatz genannt.

Heute nennen einige den Stadtteil zwischen Gartenstraße und Breddestraße Hohenzollernviertel. Ralph Klein ist Historiker und hat sich ausführlich mit Akten im Stadtarchiv beschäftigt. „In den Dokumenten des 19. Jahrhunderts ist eher vom nördlichen Viertel oder Nordviertel die Rede.“ Erst 1989 „erfand“ der Historiker Schoppmeyer den Namen, wie Ralph Klein nach seinen Recherchen feststellen muss.

Haimo Hurlin, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, ist offen für Diskussionen. „Aber der Name ist nun wirklich nicht das Wichtigste für uns.“ Ob das Viertel jetzt umbenannt wird in Breddeviertel oder Nordviertel oder, wie es Hurlin vorschlägt, in Rosi-Wolffstein-Viertel, einer Sozialistin und Freundin von Rosa Luxemburg, die in der Nordstraße 12 aufwuchs, das sieht er relativ emotionslos.

Dem Verein, der aus der Nachbarschaftsinitiative Nordstraße hervorging, geht es darum, die Nachbarschaft zu pflegen und die Wohnqualität zu verbessern. Dafür wurden bereits Planungen mit der Stadt Witten angestoßen, um den Karl-Marx-Platz neu zu gestalten. „Wir sind hier sehr historisch interessiert“, bestätigt Haimo Hurlin. „Im Winterhalbjahr soll es einen historischen Abend geben.“ Bereits im vergangenen Jahr hielt Phillip Neugebauer einen Vortrag zur Architektur der alten Häusern, bei dem er den Anwohner die Symbolik der Stuckverzierungen an ihren Häusern erklärte. „Da können wir auf einem Podium auch noch mal über den Namen reden.“, so Hurlin.

Beim Fest am Sonntag (18. 6.) wurden die kritischen Worte des Historikers Ralph Klein zur Entstehung des Viertels und der Namensgebung mit Gelassenheit aufgenommen. Die Wabe bot Leckereien und Kaltgetränke an, Gewerbetreibende aus dem Viertel hatten Infostände aufgebaut und die Gespräche unter den Nachbarn verliefen wunderbar. „Ich finde diese tolle Nachbarschaft einfach super“, so Beate Brück, die in der Gartenstraße eine logopädische Praxis betreibt und ab August auch wieder hier wohnen wird. Und Anwohnerin Heide Dahlmann aus der Beethovenstraße ist begeistert: „Was hier entsteht, ist einmalig.“

Broschüre zu 150 Jahren Stadtbauplan für Witten

Aus Kreisen der Stadt werden die historischen Forschungen der Nachbarschaft durchaus ernst genommen. Die Stadt denkt darüber nach, die Parkplätze auf dem Platz zu verlagern und die Straßenführung von Gartenstraße und Breite Straße zu verändern. „Eigentlich sollte heute auch ein Baum gepflanzt werden, so Hurlin. „Aber die Jahreszeit eignet sich nicht dafür.“ Bereits am vergangenen Mittwoch gab es eine Begehung mit der „urban school Ruhr“, einer Kunstinitiative, die den Karl-Marx-Platz für die dauerhafte Kunstinstallation „Hot Stuff“ ins Auge fasst. Die beheizte Sitzbank hatte bereits im Dezember am Breddeplatz in der unteren Bahnhofstraße für Begeisterung gesorgt und soll im Viertel nun für „heiße“ Kommunikation sorgen.

Die historische 55 Seiten starke Broschüre „150 Jahre Stadtbauplan für Witten“ von Ralph Klein ist für eine Schutzgebür von 2,50€ zu beziehen unter kerstin@glathe.net. Ein Teil davon ist eine Spende für den Verschönerungsverein.

Der „Verschönerungsverein Hohenzollernviertel e.V.“ freut sich über Spenden und Mithilfe. Info: www.nordstrasse-witten.de

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