Starkregen

Schlammlawine verschmutzte dreimal das Wittener Hammertal

Schlamm und kein Ende: Immer wieder sah es im Hammertal (hier neben dem Imbiss Futterkrippe) in den letzten Tagen so aus. Dieses Foto stammt vom 2. Oktober. Geändert hat sich seitdem wenig.

Schlamm und kein Ende: Immer wieder sah es im Hammertal (hier neben dem Imbiss Futterkrippe) in den letzten Tagen so aus. Dieses Foto stammt vom 2. Oktober. Geändert hat sich seitdem wenig.

Foto: Wolf-Dietrich Chmieleck

Witten.  Der trockene Boden eines Feldes konnte den Starkregen der letzten Tage nicht auffangen – dreimal überspülte Schlamm die Straße Im Hammertal.

Die lehmverschmierten Gummistiefel stehen noch griffbereit in der Ecke: Drei Tage musste Frank Winning seine Autowerkstatt schrubben, denn Starkregen hatte sie voll Schlamm gespült. Innerhalb einer Woche ist die Straße Im Hammertal – im unteren Bereich zwischen Im Röhrken und der Wittener Straße – dreimal überspült worden. Zweimal hat der Landesbetrieb Straßen NRW das knapp 500 Meter lange Stück reinigen lassen. Nun ist die Kehrmaschine kaputt. Dafür warnt ein Verkehrsschild vor einer Schleudergefahr und ordnet Tempo 30 an.

Anwohner fühlen sich alleingelassen

Die vielen Regengüsse der letzten Tage haben im Hammertal Spuren hinterlassen. In drei Nächten war die Straße immer wieder überspült worden: Besonders stark in der Nacht vom 29. auf den 30. September. Dann vom 1. auf den 2. Oktober und erneut vom 3. auf den 4. Oktober.

Noch immer ist der Bürgersteig voller Matsch und Dreck, etwa im Bereich des Imbiss „Futterkrippe“. Auf dem Gelände der Aral-Tankstelle steht noch ein Gully unter Wasser. Der Schlamm hat den Eingang zum Kanal verstopft. Kümmert sich darum keiner? Werkstattbetreiber Frank Winning und auch die Mitarbeiter der Innenausbau-Tischlerei Kost haben sowohl die Stadt als auch den Landesbetrieb angerufen, fühlen sich aber alleingelassen.

Frank Winning zeigt Fotos von dem 30 Zentimeter dicken Schlamm, der sich vor seinem Werkstor staute. Bilder dokumentieren wie die braune Brühe in seinen Keller floss und auch ins Badezimmer. Die Matsche hat er in einen Container geschaufelt, drei Tage lang. „Das war klebrig wie Ton, man hat das mit dem Hochdruckreiniger gar nicht abbekommen.“

Der Matsch, das sieht man, stammt von einem Feld an der Straße Im Röhrken, das zum Hammertal hin abschüssig liegt. Dass so viel Erde weggeschwemmt wurde, wundert aber viele Anwohner. Der Herbeder Wolf-Dietrich Chmieleck sieht einen Zusammenhang mit Baumfällarbeiten, die dort an einer Böschung vor einigen Wochen durchgeführt wurden. Straßen.NRW hatte, gemäß der Verkehrssicherungspflicht, mehrere große Bäume am Rand eines Feldes fällen lassen und die Böschung stark gerodet.

„Ohne die dichten Laubkronen fällt doch viel mehr Regen auf diese Stelle“, sagt Chmieleck. Auch Werkstattbetreiber Frank Winning macht die Abholzung für die Schlammlawine verantwortlich: „Ich betreibe seit 15 Jahren meine Werkstatt, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“

„Die Gehölzpflege hat nichts mit dem Schlammabgang zu tun“, widerspricht Andreas Berg, Sprecher von Straßen.NRW. „Die großen Bäume hätten den Schlamm nicht aufgehalten.“ Vielmehr sei dieser auf den trockenen Sommer zurückzuführen. „Die unteren Erdschichten des frisch gepflügten Ackers waren so trocken, dass der Boden nicht in der Lage war, die Starkregenmassen aufzunehmen.“ Da das Feld in Hanglage liegt, floss das Wasser bergab. Und das eben drei Mal hintereinander.

Die Kehrmaschine ist kaputt

Aber warum wurde der Schmutz nicht beseitigt? Die Stadt Witten verweist auf die Zuständigkeit von Straßen NRW. „Wir sind sehr wohl tätig geworden“, sagt Andreas Berg. Einmal putzte der Landesbetrieb selbst, einmal ein Dienstleister. Beim dritten Mal sei die Kehrmaschine des Landesbetriebs kaputtgegangen, weswegen man wegen Schleudergefahr ein Tempo-30-Schild aufgestellt habe. Zwar ist die Straße inzwischen vom Dreck befreit. Der Bürgersteig sieht aber noch wild aus. „Den haben wir nur mit dem Radlader grob abgeschabt.“ Denn es gebe eine Besonderheit: Nach einer Unterhaltungsvereinbarung sei die Stadt Witten dafür zuständig. Die Stadt Hattingen dagegen nicht: Ihre Zuständigkeit liegt erst vor dem Erlebnisclub Steinenhaus. Und genau um den machte die Schlammlawine eine Kurve.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben