Ehrenamt

Rotary Club verleiht jungem Kosovaren in Witten Jugendpreis

Möchte zukünftig weiter in Witten leben: Der Kosovo-Albaner Labinot Haxhiu engagiert sich beim DRK. Dabei sind auch seine Lebensumstände alles andere als leicht.

Möchte zukünftig weiter in Witten leben: Der Kosovo-Albaner Labinot Haxhiu engagiert sich beim DRK. Dabei sind auch seine Lebensumstände alles andere als leicht.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Witten.  Labinot Haxhiu kam vor fünf Jahren mit 17 aus dem Kosovo nach Witten. Seitdem engagiert er sich beim DRK und hilft anderen in schweren Zeiten.

Knapp fünf Jahre ist es her, dass die sogenannte Flüchtlingswelle Witten erreichte. Etwa 1500 Asylsuchende kamen ab Sommer 2015 in die Ruhrstadt, um hier ein neues Leben zu beginnen. Einer, der sich von Anfang an in der damaligen Flüchtlingsunterkunft in der Jahnhalle engagierte, war Labinot Haxhiu. Dabei war der Junge selbst erst vier Monate zuvor in Witten eingetroffen. Heute ist er in seiner neuen Heimat „ausgezeichnet“ angekommen – der Rotary Club hat ihn mit dem Wittener Jugendpreis geehrt.

Wenn andere sagen, Labinot sei ein Beispiel für gelungene Integration, dann weiß er selbst gar nicht so recht, warum. Er habe doch eigentlich nichts gemacht. Außer vielleicht: neugierig sein, die Sprache lernen und „Hobbys aussuchen, die einen weiterbringen“, sagt der 23-Jährige. „Aber klar, auf dem Rathausplatz zu chillen, ist wahrscheinlich einfacher.“

„Wir sollten eine bessere Zukunft haben“, sagt der junge Mann aus Witten

Dabei war die Jugend des großgewachsenen jungen Mannes keine einfache. Labinot Haxhiu ist Wittener, obwohl in seinem Pass Kosovare steht. 1997 wurden sein Zwillingsbruder und er im Marien-Hospital geboren. Fünf Jahre später, nach Ende des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien, zog die Familie – Eltern und drei Kinder – zurück in den Kosovo.

Später entschieden sich die Eltern dann aber doch für einen Neustart in Deutschland. „Wir sollten eine bessere Zukunft haben“, sagt Labinot. Weil Vater und Mutter in Witten Arbeit gefunden hatten, konnte die Familie im Februar 2015 umziehen. Die Kinder kannten die deutsche Sprache bis dahin nur aus dem Fernsehen.

Mit 17 Jahren kam Labinot an die Holzkamp-Gesamtschule. Eigentlich hatte er ganz andere Träume: Abitur und Studium. „Aber mit unseren Sprachkenntnissen hätten wir das Abi nie geschafft“, sagt er. Sein Visum dauert nur so lang, bis er einen Schulabschluss in der Tasche hat. Kurz darauf müssen sein Zwillingsbruder und er zurück in den Kosovo.

Hilfe bei Schwimmkursen und im Heldencamp

Dabei hatten sie die kurze Zeit in Witten intensiv genutzt. Als die ersten Flüchtlinge im Sommer 2015 in der Jahnhalle eintreffen, geht Labinot dorthin. Als ehrenamtlicher Dolmetscher und um mit den Kindern zu spielen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wird auf ihn aufmerksam. Er hilft im Help-Kiosk aus und beginnt als Teamleiter beim Jugendrotkreuz. Er organisierte zum Beispiel die Ferienspiele-Aktion „Heldencamp“, macht bei Schwimmkursen mit und übersetzt. Seit 2017 ist er beim DRK Gruppenleiter. Einmal wöchentlich betreut der junge Mann in einer Gruppenstunde Kinder im Alter von sechs bis zwölf, allesamt deutsche Kinder.

Ausbildung bei Ostermann in Witten

Selbst als Labinot nach seinem Schulabschluss wieder für vier Monate im Kosovo ist, bleibt er dem DRK treu und bespielt zum Beispiel den Instagram-Kanal der Wittener. Einreisen darf er wieder, als er einen Ausbildungsplatz gefunden hat. Nun lernt er Küchen- und Möbelmonteur beim Einrichtungshaus Ostermann. Auch sein Bruder und sein Vater arbeiten dort.

Im Kosovo dagegen studiert fast jeder seiner Freunde. Aber was ist das wert? „Die meisten landen nach dem Studium in der Arbeitslosigkeit und gehen kellnern“, erzählt Labinot. „Die Population ist zu jung und die Wirtschaft zu schlecht. Die Jugendarbeitslosigkeit ist unheimlich hoch.“

Sein Abitur würde der Wittener trotzdem irgendwann gern noch bauen. Noch nutzt er die Chancen, die das DRK Jugendlichen bietet. Er macht zurzeit seinen Rettungsschwimmerschein bei der Wasserwacht und lässt sich zum Sanitäter ausbilden. In diesem Sommer konnte er sogar ans Meer reisen. Er half zwei Wochen bei der Lübecker Wasserwacht aus. Davon schwärmt der 23-Jährige. „Wir haben sogar im Leuchtturm geschlafen.“

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