Feuerwehr

Respekt für Wittener Feuerwehrfrau

Das geht in die Arme: Ramona Wolf sichert die Leiter für den Verletzten.

Das geht in die Arme: Ramona Wolf sichert die Leiter für den Verletzten.

Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Witten.   Zur Zwischenprüfungmussten gestern die jungen Kräfte der Wittener Feuerwehr in einem Abrisshaus an der Leostraße antreten. Für die Ausbilder keine ganz gewöhnliche Übung: Denn mit Ramona Wolf war nach vielen Jahren erstmals wieder eine Frau mit im Einsatz.

Großeinsatz in der Leostraße in Stockum: Bei dem Versuch, ein Feuer im Keller eines alten Mehrfamilienhauses zu löschen, ist ein Feuerwehrmann zusammengebrochen. Seinem Kollegen, der sofort mit der Erstversorgung beginnt, zittern die Hände. Schließlich geht es um viel – um die Zwischenprüfung nämlich.

Seit fünf Monaten sind die neuen Auszubildenden der Wittener Feuerwehr nun im Dienst, haben ihre Grundausbildung absolviert. Gestern sollten sie unter Beweis stellen, was sie alles gelernt haben. Und es läuft gut: „Mayday, Mayday, Mayday“, meldet der Azubi den überraschenden Notfall ordnungsgemäß über Funk. Eine ganz normale Übung? Nicht ganz.

Sporttest bestanden

Denn während sich die jungen Männer schweißgebadet durch den Keller kämpfen, kümmert sich oben auf der Wiese Ramona Wolf um einen „Verletzten“: Die 29-Jährige ist die einzige Frau im Team. Nicht die erste Feuerwehrfrau in Witten überhaupt, aber doch die erste nach vielen Jahren wieder. Mit Bravour hatte die gelernte Kauffrau die hohen Einstellungshürden genommen, die sportlichen Test bestanden. Nun ist sie eine von 16 – allein unter Männern. Doch es wirkt nicht so, als ließe sich die Wittenerin davon sonderlich beeindrucken.

Schon immer habe sie zur Feuerwehr gewollt, erzählt die junge Frau, „das stand immer schon fest“. Sie ist begeistert von dem Gedanken, in jeder Situation Hilfe leisten zu können. Und noch viel besser als erwartet sei der Grundlehrgang bis jetzt gewesen. „Es ist eindrucksvoll zu sehen, was Menschen gemeinsam bewegen können.“

Sicherlich: Ein paar „Berührungsängste“ mit den Kollegen habe es am Anfang schon gegeben. „Sie haben alle Schwestern, Mütter, Freundinnen“, sagt Ramona Wolf. Und der Umgang mit denen sei nun mal ein anderer als mit ihr. Aber nach ein, zwei Wochen war das passé. „Kein Thema mehr.“

Akzeptanz erarbeitet

Diese Einschätzung bestätigt auch ihr Ausbildungsleiter Mario Rosenkranz. Der Lehrgang sei einer wie jeder andere in den letzten Jahren gewesen. Extrabrötchen? Fehlanzeige: „Frau Wolf bringt die gleiche Leistung wie ihre männlichen Kollegen“, betont er. Damit habe sie sich Akzeptanz und Respekt verschafft.

Auch an der Zwischenprüfung – das (Abriss-)Haus für den „Brand“ hatte übrigens die Siedlungsgenossenschaft Arbeiterheim eG zur Verfügung gestellt hatte – hatte Rosenkranz gestern nichts auszusetzen: „Ich bin zufrieden, das haben sie alle gut hingekriegt.“

Aufregung vor dem Test

Ramona Wolf war der Part zugefallen, den vom Rauch eingeschlossenen Bewohner zu retten. Rasch hatte sie die Steckleiter in Stellung gebracht und gesichert, den Verletzten anschließend versorgt. Aufgeregt war sie vorher, war im Kopf alles Wichtige noch mal durchgegangen. Auch nach der Übung sind den Prüflingen der Stress und die Anstrengung noch anzusehen. „Ich wünsche ihnen allen, dass sie in ihrem Alltag nie wirklich einen solchen Einsatz wie heute bewältigen müssen“, betont Ausbilder Sven Jäger.

Aber natürlich: So etwas kann passieren – nd Schliemmeres: Ramona Wolf lässt sich davon nicht schrecken. „Ich bin gespannt, wie ich mit unangenehmen Situationen umgehen werde.“

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