Bombe

Fliegerbombe? Räumung in Witten kann 6500 Menschen treffen

Der Blindgänger soll ausgerechnet unter dem Spielplatz neben dem Altenheim im Voß’schen Garten liegen. Das Gelände wurde abgesperrt.

Der Blindgänger soll ausgerechnet unter dem Spielplatz neben dem Altenheim im Voß’schen Garten liegen. Das Gelände wurde abgesperrt.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Am Mittwochmorgen entscheidet sich, ob Wittens Innenstadt geräumt wird. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass eine Bombe gefunden wird.

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Ein Teil der Innenstadt muss am Mittwoch (14.12.) mit hoher Wahrscheinlichkeit wegen einer Bombenentschärfung geräumt werden. Auf alten Luftbildern wurde eine Weltkriegs-Fliegerbombe im Voß’schen Garten entdeckt, Bohrungen und eine Sonde bestätigten einen Metallfund im Boden. Heute gräbt eine Spezialfirma die Stelle auf. Gegen elf Uhr wird die Entscheidung erwartet, ob und in welchem Radius geräumt werden muss. Betroffen könnten bis zu 6500 Bürger sein. Sie werden u.a. per Lautsprecher-Durchsage informiert.

Auch die Polizeiwache und das Kriminalkommissariat an der Casinostraße 12-14 wären von einer Evakuierung betroffen. Während der Entschärfung kann dort kein Publikumsverkehr stattfinden. Angelegenheiten, die eine persönliche Vorsprache auf der Wache oder im Wittener Kriminalkommissariat erfordern, müssen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Im Notfall ist die Polizei unter der Notrufnummer „110“ zu erreichen. Anzeigen, so die Polizei, könnten über das Online-Angebot der Polizei oder auf jeder anderen Polizeidienststelle erstattet werden.

>> Interview mit Einsatzleiter Mario Rosenkranz

Rund 4000 Menschen müssen heute ihre Wohnung oder Arbeitsstätte verlassen, wenn die Innenstadt für die Entschärfung einer Fünf-Zentner-Bombe im Radius von 250 Meter um den Voß’schen Garten gesperrt werden müsste. Bei einer Zehn-Zentner-Bombe würde der Sicherheitsradius auf 500 Meter erweitert – in diesem Falle wären sogar 6000 bis 6500 Bürger betroffen. Der 25-köpfige „Stab außergewöhnliche Ereignisse“ führt von der Feuerwache an der Dortmunder Straße aus Regie. Redakteur Johannes Kopps Johannes Kopps sprach vor dem Großeinsatz mit Einsatzleiter Mario Rosenkranz Mario Rosenkranz (49).

Nach welchem Erfahrungswert gehen Sie eigentlich eher von einer Fünf-Zentner-Bombe aus?

Rosenkranz: In meinen 27 Jahren bei der Feuerwehr hatten wir zehn bis zwölf Blindgänger-Funde. Nur ein einziges Mal war es die große, die Zehn-Zentner-Bombe. Das war eine der beiden Bomben neben dem Schillergymnasium. Da mussten wir dann auch mit unserer Einsatzabschnittsleitung umziehen.

Wann geht’s los?

Die Spezialfirma fängt um acht Uhr an, vorsichtig mit dem Bagger ein Loch zu graben. Dafür können die natürlich nicht die Fünf-Kubikmeter-Schaufel nehmen. In das Loch muss später der Feuerwerker des Kampfmittelräumungsdienstes hinunter. Deshalb werden Metallringe gesetzt, damit die Erde nicht nachrutscht. Wir hoffen, dass wir dann bis elf Uhr Klarheit haben, ob und was für einen Bombe es ist. Nicht umsonst evakuieren wir das Pflegeheim nebenan schon ab acht Uhr. Denn auch das kann gut drei Stunden dauern.

Wer entscheidet dann, welcher Bereich evakuiert wird?

Die Entscheidung trifft allein des Experte des Kampfmittelräumdienstes, abhängig von der Größe der Bombe. Dabei gelten die veröffentlichten Radien und Straßen. Aber im Ernstfall wären Druckwelle und Splitterwirkung nicht in alle Richtungen gleich groß, die Bebauung ist ja nicht überall gleich massiv. Deshalb wird der Experte auch noch einmal den Radius durchfahren und die Evakuierung straßenscharf machen. Was er sagt, gilt.

Was kommt beim 500-Meter-Radius hinzu?

Dann wäre der Hauptbahnhof betroffen, mit dem Gleiskörper. Die Strecke müsste gesperrt werden. Schiller- und Martmöller-Gymnasium lägen im Radius. Wir haben mit den Schulleitungen durchgesprochen, was dann zu tun wäre. Im Rathaus kann weitergearbeitet werden, die 500-Meter-Linie geht genau durch die Treppenanlage.

Wann wird die Bombe entschärft?

Auf viele Faktoren haben wir keinen Einfluss. Es wäre schön, im Hellen fertig zu werden.

Lampenfieber?

Alles gut! Für solche Fälle sind wir ausgebildet. Und wir hatten eine komfortable Vorbereitungszeit.

>> Helfer, Sammelstellen und Informationsquellen

Etwa 400 Stadtmitarbeiter und Helfer sind im Einsatz. Beim Umzug der 80 Altenheimbewohner helfen das DRK EN Süd (33 Helfer) sowie Betreuungstransportzüge aus EN (22) und Dortmund (23). Jahn- und Husemannhalle sind nur während einer Evakuierung geöffnet. Je 72 Helfer aus dem Märk. Kreis und Herne kümmern sich um je bis zu 500 Menschen.

Über die Räumung wird per Lautsprecherdurchsagen und durch Zweier-Trupps informiert. Die Stadt informiert aktuell über ihre Seite (witten.de), gibt Auskunft unter 581-1234. Offizielle Warnmeldungen gibt es über die Warn-App NINA. Die WAZ richtet einen Nachrichten-Ticker ein: waz.de/witten

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