VERLETZUNG

Radtour endet auf OP-Tisch

Chirurg Thomas Deska rettete Samsoons Bauchspeicheldrüse und sorgte so auch für Erleichterung bei dessen Vater (v.li.), der sich ausdrücklich beim Ärzteteam um Chefarzt

Foto: Barbara Zabka

Chirurg Thomas Deska rettete Samsoons Bauchspeicheldrüse und sorgte so auch für Erleichterung bei dessen Vater (v.li.), der sich ausdrücklich beim Ärzteteam um Chefarzt Foto: Barbara Zabka

Der 14-jährige Samsoon rammt sich bei einem Sturz den Lenker in den Bauch. Bauchspeicheldrüse wurde gespalten. Wittener Chirurg rettet Organ.

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Wie nah Glück und Unglück beisammen liegen, das hat der 14-jährige Samsoon an einem sonnigen Spätsommertag Ende August erfahren. Ein Fahrradsturz schien für den Schüler zunächst glimpflich ausgegangen zu sein, entpuppte sich aber nur Stunden später im Marien-Hospital als folgenschwerer Unfall. Denn Samsoons Bauchspeicheldrüse war arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Dr. Thomas Deska und sein Team stellten ihr ganzes Können unter Beweis und bewahrten den Jungen so vor lebenslangen Einschränkungen durch die Folgen des Sturzes.

„Samsoon hatte wirklich Glück im Unglück. Ein wenig mehr Geschwindigkeit und es wären große Blutgefäße kaputt gegangen. Das hätte dramatisch enden können“, betont Oberarzt Deska. Am Ruhrufer muss vor sechs Wochen gleich eine ganze Armada an Schutzengeln über den 14-Jährigen gewacht haben.

Mit seinen beiden jüngeren Schwestern folgte der FreiligrathSchüler auf seinem Rad dem Flussverlauf – auch mal ein wenig flotter. „Ich wurde schneller, habe nach unten geschaut und plötzlich wackelte das Fahrrad“, erzählt Samsoon. Blitzschnell verkantete sich das Vorderrad. Der 14-Jährige flog über den querstehenden Lenker des Rades nach vorne, der sich für einen kurzen Moment in den Bauch des Jungen bohrte, aber keine sichtbaren Spuren hinterließ. „Mir ging es gut. Ich bin nach ein paar Minuten weiter nach Hause gefahren“, sagt der sportliche Schüler. Schnell aber verschlechterte sich Samsoons Zustand. Das Abendessen erbrach er und plötzlich schmerzte der Bauch, so dass es mit dem Taxi doch noch ins Marien-Hospital ging. Dort bekam er nach mehreren Untersuchungen am nächsten Tag die Diagnose: Bauchspeicheldrüsen-Spaltung.

Einschränkungen verhindert

Wie mit einer Axt schien das wichtige Organ, das Verdauungsenzyme produziert und über das Hormon Insulin den Blutzuckerspiegel regelt, in zwei Hälften gespalten. „Eigentlich ist die gut geschützt. Der Fahrradlenker muss beim Aufprall den vor der Bauchspeicheldrüse liegenden Magen zur Seite geschoben und das Organ von innen an der Wirbelsäule quasi zerquetscht haben“, erklären Dr. Deska und Professor Metin Senkal, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Am Abend lag Samsoon dann auch schon auf Thomas Deskas OP-Tisch. Zweieinhalb Stunden bot der Oberarzt mit seinem Assistenten all sein Können auf, um die beiden Teile der Bauchspeicheldrüse jeweils separat zu verschließen und ihre Funktionen so zu erhalten. Beide Teile gaben ihre Verdauungssäfte unkontrolliert in den Bauchraum ab. „Die Entfernung eines Teils hätte entweder eine sofortige, dauerhafte Diabetes oder eine Fettverdauungsstörung zur Folge gehabt, also schon lebensverändernde Einschränkungen“, erklärt Chirurg Deska.

Seinem Patienten hat er so eine sorgenfreie Zukunft erhalten. Nach nur zehn Tagen im Krankenbett der Klinik geht’s für Samsoon inzwischen auch schon wieder zum Cricket. Nur das Fahrrad, das bleibt vorerst noch im Keller stehen.

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