Gericht

Prozess vertagt: Angeklagter erkrankte in Kirgisistan

Nach Kirgisistan in Zentralasien sollen die beiden Angeklagten zum Beispiel Brauereianlagen aus Deutschland exportiert haben.

Nach Kirgisistan in Zentralasien sollen die beiden Angeklagten zum Beispiel Brauereianlagen aus Deutschland exportiert haben.

Foto: S. Hermsen

Witten.  Zwei Wittener sollen Industrieanlagen in Deutschland gekauft und nach Zentralasien exportiert haben – allerdings ohne Steuern zu zahlen.

Wegen Steuerhinterziehung musste sich am Dienstag eine 53-jährige Frau aus Witten vor dem Bochumer Schöffengericht verantworten. Als Geschäftsführerin einer GmbH soll sie, teils zusammen mit ihrem Ehemann, zwischen 2012 und 2016 in fünf Fällen Zahlungseingänge nicht vollständig gebucht haben. So wurden laut Anklage Steuern in Höhe von 70.000 bzw. 80.000 Euro hinterzogen.

Faktischer Geschäftsführer soll der mittlerweile getrennt von ihr lebende Mann gewesen sein. Der 53-Jährige blieb am Dienstag dem Prozess fern. Sein Verteidiger teilte mit, dass der Mann gerade angeblich in Kirgisistan aus der Haft entlassen worden und aktuell erkrankt sei. Ohne ihn mache eine Verhandlung keinen Sinn, betonte der Vorsitzende Richter.

Sechs Monate Haft

Die beiden Angeklagten kauften seinerzeit Industrieanlagen auf und exportierten sie nach Kirgisistan. Darunter waren auch Brauereien. Für den Zoll wurden damals Pro-Forma-Rechnungen über sechsstellige Summen geschrieben. Die späteren tatsächlichen Rechnungen hätten den Überweisungen entsprochen, betonte der Anwalt des Mannes. Die mitangeklagte Ex-Ehefrau habe ihr Haus verkauft, um die Steuerschuld zu tilgen, erläuterte ihr Verteidiger. Eine Einstellung des Verfahrens sei nicht möglich, machte das Gericht der Frau deutlich. Selbst bei einer Steuerschuld von 55.000 Euro liege ein besonders schwerer Fall der Steuerhinterziehung vor. Als Strafe dafür würden sechs Monate Haft gelten, betonte das Schöffengericht. Die Verhandlung soll fortgesetzt werden, wenn der Mann nach Deutschland zurückgekehrt ist.

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