Gesundheit

Preiswürdig: Apps betreuen und organisieren chronisch Kranke

Preisträger und Organisatoren: Leonor Bloch, Leona Schupp, Prof. Sabine Bohnet-Joschko, Benjamin Waldow, Alexander Rötger, Len Liebelt und Ann-Sophie Plaack (v.li.) kümmern sich um Gesundheitsvisionäre im Foyer der Universität.

Preisträger und Organisatoren: Leonor Bloch, Leona Schupp, Prof. Sabine Bohnet-Joschko, Benjamin Waldow, Alexander Rötger, Len Liebelt und Ann-Sophie Plaack (v.li.) kümmern sich um Gesundheitsvisionäre im Foyer der Universität.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Zum fünften Mal vergab die Uni Witten ihren „Preis für Gesundheitsvisionäre“: Start-Ups wollen Kranken helfen, selbstbestimmt zu leben.

Len Liebelt (24) geht in seiner Rolle als Moderator so richtig auf. Zusammen mit vier weiteren Studenten und Studentinnen hat er an der Uni Witten dieses Jahr die Preisverleihung für den „Wittener Preis für Gesundheitsvisionäre“ organisiert. „Wir wollen Unternehmen auszeichnen, die sich mit ihren digitalen Innovationen dafür einsetzen, dass Menschen ihren Alltag trotz chronischer Krankheit autonom meistern können“, so der Psychologiestudent.

Ins Leben gerufen hat den Preis vor fünf Jahren Sabine Bohnet-Joschko, um jungen Start-Ups ein Netzwerk zu bieten. Die Professorin ist Inhaberin des Lehrstuhls für Management und Innovation im Gesundheitswesen. Zusammen mit vier weiteren Jury-Mitgliedern aus den Bereichen Medizin und Sozialwesen hat sie entschieden, an wen die drei Preise im Gesamtwert von 10.000 Euro gehen.

„Doch die ersten drei Gewinner profitieren in erster Linie nicht von dem Geld, sondern davon, mit uns auf die weltweit größte Medizinmesse nach Düsseldorf zu kommen“, so Len Liebelt. Dabei handelt es sich um die Medica, bei der die Gewinner ihre Innovationen vor Fachpublikum präsentieren dürfen – das kann helfen, um neue Geschäftspartner zu finden.

Virtueller Coach hilft bei Schlafstörungen

Auf dem mit 5000 Euro dotierten ersten Platz landete das Schweizer Unternehmen „mementor“. Gründer Alexander Rötger liefert mit seiner Web-App eine Lösung gegen Schlafstörungen. Denn wer kennt das nicht: Diese Tage, an denen man aufsteht und sich wie gerädert fühlt. Für viele Menschen gehören Schlafstörungen zum Alltag. In Zahlen waren es 2017 beispielsweise 80 Prozent der Arbeitnehmer, die Probleme beim Ein- und Durchschlafen haben. Die Web-App hilft dem Nutzer, mit Hilfe eines virtuellen Schlafcoachs namens Meinolf, die Schlafstörung zu bewältigen.

„Die meisten Leute haben viel zu wenig Zeit und sie wollen nicht zum Psychologen“, so der Gründer. Der 28-Jährige weiß, wovon er spricht: Er selbst ist Psychologe und neben seiner Arbeit studiert er Medizin in Düsseldorf – um Schlaf „ganzheitlich“ auf die Schliche zu kommen. „Viele Menschen greifen zu Medikamenten, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollen. Schlafmittel knocken einen dann über Nacht aus. Aber am nächsten Tag fühlt man sich furchtbar“. Hinzu komme der Suchtfaktor, sagt Alexander Rötger.

Abläufe besser organisieren

Zusammen mit seinem besten Freund und Mit-Gründer Noah Lorenz (30), der als Neuro-Psychologe tätig ist, kooperiert das Start-Up bereits mit Versicherungen wie der Techniker-Krankenkasse. Alexander Rötger hat einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn unsere App irgendwann beim Arzt verschrieben werden kann, anstelle von Medikamenten“.

Vergeben wurden die Preise nach dem Pitch-Verfahren: Die neun Start-Ups bekamen acht Minuten Zeit, um in Kurzvorträgen ihre Innovationen vorzustellen. Danach durften zwei Fragen von der Jury und eine Frage aus dem Publikum gestellt werden. Auch das Publikum hatte Mitspracherecht: Die bei dem Event Anwesenden durften ihren Liebling auswählen, der zusätzlich zum Jury-Preis einen Publikumspreis gewinnen konnte.

Den zweiten Platz und auch den Publikumspreis gewann „simplinic“: Der Berliner Steffen Geyer hat eine App zur Prozessoptimierung im Krankenhaus entwickelt. Die tägliche Organisation von Abläufen im Krankenhaus soll erleichtert werden. Sie soll Ärzten beispielsweise beim Betten-, Beleg-, und Entlass-Management helfen. „In Deutschland bewahrt die App schon zwölf Krankenhäuser vor unnötigem Koordinierungsaufwand. Und wir sind erst vor einem halben Jahr an den Start gegangen“, so der 33-jährige Gründer. Den Sekt lassen sich Gewinner und Organisatoren anschließend schmecken. Und trinken auf eine selbstbestimmtere Zukunft, für alle chronisch kranken Menschen.

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