Tiere

Ob Gammelfleisch oder BSE: EN-Seuchenmanager geht in Rente

Zur Bekämpfung von Tierseuchen wie der Geflügelpest müssen auch landwirtschaftliche Fahrzeuge desinfiziert werden wie auf diesem Bild. In diesem Fall handelte es sich um eine Übung des EN-Kreises im Jahre 2006.

Zur Bekämpfung von Tierseuchen wie der Geflügelpest müssen auch landwirtschaftliche Fahrzeuge desinfiziert werden wie auf diesem Bild. In diesem Fall handelte es sich um eine Übung des EN-Kreises im Jahre 2006.

Foto: EN-Kreis

Witten/EN-Kreis.  Immer wieder werden Tiere verwahrlost. Amtstierarzt Dr. Peter Richter aus dem EN-Kreis erinnert sich zum Abschied an einige schlimme Fälle.

Ob Tollwut-Ausbrüche, die Aufregung um BSE, der Gammelfleischskandal oder 40 verwahrloste Hunde auf dem Parkdeck des Kreishauses: Amtstierarzt Dr. Peter Richter hat ein Berufsleben hinter sich, in dem kein Tag wie der andere war. Nach 29 Jahren ist der Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes von Landrat Olaf Schade in den Ruhestand verabschiedet worden.

Schon als neunjähriger Junge beschloss Richter, Tierarzt zu werden – und rückte davon nie wieder ab. Nach der Schule studierte der Bochumer Tiermedizin in Gießen, promovierte und arbeitete zwei Jahre lang in einer Praxis für Groß- und Kleintiere. Dann absolvierte er ein Referendariat beim Land NRW, bestand die Staatsprüfung zum Amtstierarzt. 1992 kam er als Kreisveterinärrat zum Ennepe-Ruhr-Kreis, 2000 übernahm er die Amtsleitung. Ein Job, in dem er viele Herausforderungen meistern musste.

Bei BSE klingelte das Telefon im 30-Sekunden-Takt

Da war zum Beispiel die Rinderseuche BSE, woran Ende 2000 die ersten Tiere in Deutschland erkrankten. „Zwar hatten wir im Kreisgebiet nie einen positiven Fall“, erinnert sich Richter. Dennoch sei der Arbeitsaufwand immens gewesen. „Angst und Aufregung der Menschen waren unheimlich groß. Das Telefon klingelte bei uns im 30-Sekunden-Takt.“

Direkt betroffen war der EN-Kreis von Tollwut. „Auch wir waren ein Hotspot“, sagt Richter. Bis zu 90 Ausbrüchen pro Jahr unter Wildtieren wie Füchsen und Dachsen musste das Amt Anfang der 1990er nachgehen. Deutschlandweit startete ein groß angelegtes Impfprogramm. Jäger legten Köder mit dem Impfstoff aus, vierteljährlich wurden sie zusätzlich aus Hubschraubern des Landes abgeworfen. „So haben wir die Tollwut hier tatsächlich ausgemerzt“, sagt der Amtstierarzt

Wenn der EN-Kreis zum Sperrbezirk wird

Einen Sperrbezirk im Kreisgebiet musste das Veterinäramt zum Beispiel einrichten, als 2010 ein Pferd in Wetter an der ansteckenden Blutarmut erkrankte. „Alle Pferde in einem Umkreis von einem Kilometer haben wir mehrfach untersucht. Das waren rund 270 Tiere.“ Um auf solche Fälle und große Ausbrüche ansteckender Krankheiten gut vorbereitet zu sein, verbrachte Richter viel Zeit mit prophylaktischem Krisenmanagement, erstellte Pläne und organisierte Übungen .

So wurde beispielsweise der Ausbruch der hochansteckenden Maul- und Klauenseuche in einem Betrieb simuliert. Beteiligt waren neben dem Veterinäramt auch das THW, Ordnungsämter, Polizei und Feuerwehr. Als Amtstierarzt verstand sich Richter aber nicht nur als Seuchenmanager, sondern auch als Tierschützer. Jeden Tag erreichen das Veterinäramt im Schnitt zwei Anzeigen wegen möglicher Verstöße gegen den Tierschutz.

30 verwahrloste Pferde und acht Esel beschlagnahmt

Einmal beschlagnahmte das Amt 30 Pferde und acht Esel, die sich in einem schlechten Gesundheitszustand befanden, ein anderes Mal hunderte völlig verwahrloste Vögel. Allein im vergangenen Jahr entzog der Kreis 30 Haltern ihre Tiere, meist wurde zusätzlich ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen. „Manchen Tieren geht es sehr, sehr schlecht“, sagt Richter. „Damit emotional umzugehen, ist eine Herausforderung.“

Das war es auch, als ihn eines Tages eine böse Überraschung direkt vorm Veterinäramt erwartete: Jemand hatte 40 Yorkshire-Terrier zum Schwelmer Kreishaus gebracht, eindeutig Tierschutzfälle. „ Die Hunde waren in einem fürchterlichen Zustand“, erinnert sich Richter. In solchen Fällen arbeitet der Amtstierarzt eng mit niedergelassenen Tierärzten und Tierschutzorganisationen, manchmal auch mit Landwirten zusammen. Sie versorgen die Tiere und nehmen sie vorübergehend auf, bis der Kreis ein neues Zuhause für sie gefunden hat.

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