Serie "Stolpersteine"

Nur die Kinder überlebten

Da waren sie noch glücklich: Familie Smulowicz 1927 auf dem Weg zur Synagoge

Da waren sie noch glücklich: Familie Smulowicz 1927 auf dem Weg zur Synagoge

Foto: Stadtarchiv Repro: Jörg Fruck

Witten.   Die Geschwister Smulowicz entkamen dem Nazi-Terror, ihre Eltern wurden deportiert und ermordet.An die jüdische Familie, die auch in Witten wohnte, erinnern wir in diesem Teil unserer Serie „Stolpersteine“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Handelsreisende Markus Smulowicz kam 1916 nach Witten. Seine Frau Anna zog mit den Kindern Willy und Hilde drei Jahre später nach. In der Lessingstraße 6, nahe dem Bahnhof, fanden sie eine Wohnung.

Im selben Jahr gründete Markus Smulowicz eine Agentur für Textilwaren. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Nur: Die Smulowicz waren Juden. Grund genug für eine Reihe ihrer „Mitbürger“, in der Reichspogromnacht 1938 in die Wohnung der Familie einzudringen und das Mobiliar zu zerstören.

So wie der Familie Smulowicz ging es in jener Nacht vom 9. auf den 10. November vielen Wittener Juden. Am diesem Abend zogen vor allem SA-Gruppen durch die Straßen, sangen und riefen „Hängt die Juden, stellt die Bonzen an die Wand.“ Nicht nur die Synagoge gegenüber dem Ruhr-Gymnasium wurde angezündet, auch an einigen Privathäusern wurde Feuer gelegt.

Im folgenden Monat musste Markus Smulowicz sein Gewerbe einstellen. Für einige Monate wohnte das Ehepaar dann in der Casinostraße 10. Der Sohn Willy war zunächst Schüler des Realgymnasiums (heute Ruhr-Gymnasium) geworden, wo er 1932 das Abitur ablegte. Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung emigrierte er 1938 nach Schweden. Er heiratete und zog 1949 nach Israel, wo die Familie in einen Kibbuz eintrat. Seine Heimat Witten besuchte Willy Smulowicz im Jahr 1980. Dort traf er unter anderem Klaus Lohmann, den damaligen Oberbürgermeister. Im Jahr 1985 starb Willy Smulowicz, der den Namen Zeef Shalmon angenommen hatte, in Beersheba in Israel. Dort hatte er in seinen letzten Lebensjahren als Fremdenführer gearbeitet.

Ins Ghetto von Minsk deportiert

Die Tochter Hilde besuchte von 1927 bis 1931 das heutige Schiller-Gymnasium und absolvierte dann eine Lehre als Verkäuferin. Um sich beruflich auf die Auswanderung nach Israel vorzubereiten, begann sie 1936 eine landwirtschaftliche Ausbildung in Schweden. Nach einem Jahr kehrte sie zu ihren Eltern nach Witten zurück und verzog dann im November 1937 nach Berlin. Von dort aus emigrierte sie vor Kriegsbeginn in die USA und überlebte so den Holocaust. Im Jahr 1990 lebte sie unter dem Namen Mayman in New Jersey.

Viele junge Juden konnten wie die Geschwister Smulowicz noch rechtzeitig emigrieren. Die meisten älteren jedoch hofften, es werde nicht zum Schlimmsten kommmen. Sie konnten sich den dann verübten Völkermord nicht vorstellen. Dies berichtete auch ein jüdischer Verfolgter noch Anfang dieses Monats bei einer Veranstaltung im Dortmunder „Borusseum“.

Markus und Anna Smulowicz blieben hier und meldeten sich im Mai 1939 nach Köln ab. Sie wurden am 20. Juli 1942 in das Ghetto von Minsk deportiert und in Maly Trostinec ermordet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben