Theater

Neues Stück der Ruhrbühne Witten besticht mit Witz und Herz

Wohin nur mit der Leiche? Szene aus der Krimi-Komödie „Außer Kontrolle" der Ruhrbühne Witten mit (v.li.) Jochen Noy als Regierungsmitglied Richard Weber,  Jonas Schwake als Leiche und André Siepermann als sein Sekretär Georg Müller.

Wohin nur mit der Leiche? Szene aus der Krimi-Komödie „Außer Kontrolle" der Ruhrbühne Witten mit (v.li.) Jochen Noy als Regierungsmitglied Richard Weber, Jonas Schwake als Leiche und André Siepermann als sein Sekretär Georg Müller.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Das neue Stück des Wittener Ruhrbühnen-Ensembles ist witzig und gut gespielt. Für „Außer Kontrolle“ gibt es noch weitere Aufführungstermine.

Völlig „Außer Kontrolle“ geriet die Situation auf der Bühne beim Amateurtheater am Crengeldanz: Die Ruhrbühne feierte mit einer rasanten Krimikomödie aus der Feder des britischen Autors Ray Clooney eine gelungene Premiere. Ein Regierungsmitglied, seine aus den Reihen der Opposition stammende Geliebte und eine Leiche auf dem Fenstersims waren genug Sprengstoff, um die Situation eskalieren zu lassen.

Ruhrbühnen-Regisseur Tobias Haußmann verlegte die Handlung kurzerhand nach Berlin, ins legendäre Hotel Adlon. CDU-Minister Richard Weber (Jochen Noy) ist Merkels „Untertan“. Seine Geliebte Vera Albrecht (Sarah Janine Jenig) hingegen eine Sekretärin Sara Wagenknechts. Keinen brisanten Berliner Polit-Skandal, sondern eine turbulente Komödie mit viel britischem Humor erlebten die Gäste bei der Erstaufführung.

Die Story ist schnell erzählt: Manch’ ein Politiker hat angeblich eine Leiche im Keller. Aber eine Leiche auf dem Fensterbrett beim geplanten Schäferstündchen? Niemals! Also sollte diese Angelegenheit möglichst still und heimlich im eigenen Interesse „vertuscht“ werden. Die Leiche – dargestellt von Jonas Schwake – musste also unverzüglich verschwinden. Als „Bauernopfer“ und Handlanger hielt Webers eigener, gutmütiger Sekretär – gespielt von André Siepermann – her, der nach anfänglichen Skrupeln schließlich doch mitzog. Schnell stellte sich heraus, dass „Lügen kurze Beine“ haben. Und so kam es, wie es kommen muss: Die Lügengespinste wurden zunehmend komplizierter, da sich immer mehr unerwartete Gäste im „Adlon“ ein Stelldichein gaben. Selbst auf die Leiche war kein Verlass!

Gewürzt mit Slapstick

Das atemberaubende Tempo der Aufführung war ein Fest für das Premierenpublikum am Freitagabend. Und zugleich eine brillante Glanzleistung der neun Schauspieler, die die Situationskomik par excellence ausspielten. Jochen Noy in der Rolle des „Vertuschungskünstlers“ Weber hatte dabei den schwersten und wortreichsten Part übernommen. Ihm standen im wahrsten Sinne des Wortes die Schweißperlen auf der Stirn – was dem ganzen Geschehen eine wunderbare Authentizität verlieh.

Gewürzt war die Aufführung mit reichlich Slapstick. Erwähnt sei das defekte, altmodische Balkonfenster des Bühnenbildes. Immer wieder knallt es herunter, sorgt für reichlich Schrecken und setzt den ein oder anderen Protagonisten zeitweise außer Gefecht. Schlag auf Schlag gelingt es dem Schauspielteam, alltägliche Skandälchen aufs Korn zu nehmen. Dabei schlittern sie mehr als einmal von einer peinlichen Situation in die nächste und haben die Lacher im Publikum auf ihrer Seite.

Die Inszenierung des Stücks „Außer Kontrolle“ des Amateurtheaters Ruhrbühne stand der eines professionellem Ensembles in nichts nach. Auf der Bühne wurden die Rollen von den Schauspielern quasi gelebt und nicht nur gespielt. Das Publikum spürte das Feuer, das in ihren Herzen brennt. Der Funke ist übergesprungen. Eine gelungene Premiere, die mit 60 Gästen leider nicht ausverkauft war.

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